Gero Decker hat Signavio gegründet und für knapp eine Milliarde an SAP verkauft. Heute ist seine Unit die zweitgrößte bei SAP. Im Gespräch geht es darum, wie man nach dem Exit ein Produkt komplett neu erfindet, warum der Process-Consulting-Agent einen 200-Milliarden-Markt angreift und was der „Kahlschlag der Mitte" für White-Collar-Jobs bedeutet. Gero erzählt außerdem, warum Jobinterviews wegen AI wieder persönlich stattfinden und wie SAP zu n8n kam.
Timestamps:
00:00 - Warum Signavio kein Family Business wurde
01:57 - Fünf Jahre nach dem Exit: was im Kopf vorgeht
04:10 - Go-to-Market im SAP-Konzern neu bauen
07:23 - Der Process-Consulting-Agent gegen einen 200-Mrd-Markt
10:05 - Unternehmensberater werden? Think twice und der Kahlschlag der Mitte
11:34 - Wie SAP zu n8n kam und warum klein investiert wird
16:38 - Prior Labs: warum SAP Tabular-Models zukauft
18:01 - Warum Jobinterviews wegen AI wieder persönlich sind
19:29 - Contrarian Belief: Kunst stellt Fragen, AI sucht Lösungen
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[00:00:05] Gero ist hier, Signavio gegründet, ein SAP verkauft für knapp eine Milliarde, ist DJ, Kunststudent auf eine Weise, das fragen wir dich gleich, aber wenn ihr Fragen an ihn habt, dann schreibt sie in den Chat rein. Du hast beim Reinkommen gerade gesagt, auf der Bühne ist hier nicht blutig genug. Erzähl mal.
[00:00:21] Ich mag es, wenn in Panels, wenn man sich dort fetzt, wenn dort konträre Meinungen aufeinandertreffen, unerwartete Wendungen, aber in den meisten Fällen ist das immer so nett, weißt du? Und alle sind sich so einig. Ich mag es ja, wenn es so ein bisschen spicy juicy ist. Spicy juicy. Was ist eine Meinung, die du hast, die auf der Bühne nicht so gut angekommen wäre?
[00:00:48] Heute, das Thema hat sich da relativ wenig dafür geeignet, weil es ging ja darum, generational companies, sozusagen, warum baut man eine Company über die üblichen 5, 7, 9 Jahre bis zum Exit und Austritt hinaus? Und dann sagt jeder, klar, brauchen wir? Nee, also, dass wir das brauchen, da sind sich ja sowieso alle einig. Würde ja keiner sagen, nee, stampfen wir jetzt alles ein, macht keinen Sinn. Du hast deine Company nach 10 Jahren verkauft? Lass mal Spice hier einsteigen. 12. Wieso wird das kein Family Business über Generationen?
[00:01:20] Weil ich nicht glaube, dass meine Kinder, also es wäre schon großer Zufall, dass meine Kinder die Richtigen wären, die Firma zu leiten. Es gibt ja so viele andere tolle Leute, die rankommen sollten. Und es ist ja statistisch unwahrscheinlich, dass die Kinder dort... Okay, aber könnte jemand anderes sein? Trotzdem generational unabhängig?
[00:01:41] Ich meine, du hast einen generational business verkauft, muss man sagen. SAP ist die generational tech company, die Deutschland, Europa ein Stück weit hervorgebracht hat. Trotzdem hast du deine Unabhängigkeit ein Stück weit aufgegeben dadurch. Ja, und jetzt erfinde ich SAP neu. Erzähl mir mehr. Nein, vorhin auf der Bühne war eine spannende Frage, Gero, was geht eigentlich durch deinen Kopf nach so einem Exit?
[00:02:06] Also die wenigsten Leute laufen ja durch sowas durch und die, die da durchlaufen, sind dann meistens noch ein, zwei Jahre dabei, was ihnen dann irgendwie zu anstrengend wird oder das Business eingestellt wird oder was auch immer. Wie viel ein Jahr bist du jetzt? Fünf. Ja, fünf Post-Exit. Ja, genau. Fünfeinhalb jetzt schon fast. Wow. Also schon eine lange Zeit. Und die Reise ist eine spannende, weil unsere Motivation Nummer eins für die ersten zwölf bis 18 Monate war, zu zeigen, dass unsere Firma Substanz hat.
[00:02:35] Dass die auch in einem anderen Kontext, unter einem anderen Schirm weiter gut und erfolgreich existieren kann. Und dann schwenkt das irgendwann um, weil dann denkst du, oh okay, läuft ja, wächst weiter und noch viel schneller als vorher. What's next für dich selber, für die Company? Und für uns haben wir dann gesagt, es ist halt schon ein Privileg, bei der SAP dabei zu sein. Und gerade auch jetzt in der Phase, wo mit AI alles einmal auf den Kopf gestellt wird.
[00:03:04] Wäre doch cool, wenn wir mithelfen, die Firma mit ins neue Jahrzehnt, neue Jahrtausend reinzuheben. Und absolut gesehen ist ja das Business, was wir gebaut haben, mit Signavio im Kern, da kam ja noch Lina X Walk Me dazu, waren wir jetzt in Q1 zum ersten Mal die zweitgrößte Business-Unit bei der SAP nach Bookings. Was bedeutet das in Zahlen? Das muss ja unvorstellbar groß sein.
[00:03:33] Naja, also das bedeutet, dass wir EAA-mäßig, jetzt muss ich mal die Nullen zählen, zehnstellig sind. Zehnstellig heißt über eine Milliarde? Ja, ja, genau. Und weiter mit 50% Roundabout wachsen. Als du verkauft hast an SAP, wart ihr bei knapp 100 Billionen oder so? Also war auch 50, 55. Okay, beide auf dem Weg, 100 zu knacken, aber ja, okay. Genau, verstanden. Jetzt eine Milliarde. Durch Zukäufe, klar, kam auch was dazu, was ihr gekauft habt?
[00:04:01] Kann zwei dazu, aber Signavio ist weiterhin der größte Anteil bei uns in der Unit und wächst auch weiterhin super, super stark. Wie hast du die Organisation überhaupt ready gemacht für diese Druckbetankung? Ich meine, das eine, wir müssen uns beweisen irgendwie, dass das noch funktioniert in der neuen Umgebung. Auf der anderen Seite musst du sagen, na gut, da steckt jemand einen Feuerwehrschlauch in deine Firma und dreht einmal das Wasser richtig auf.
[00:04:24] Na, du musst an mehreren, also in unserem Fall, ich weiß nicht, ob das verallgemeinerbar ist, in unserem Fall mussten wir mehrere Dinge gleichzeitig machen. Erstens, du musst, wir mussten go to market einmal von Grund auf neu bauen, weil vorher als unabhängiges Unternehmen arbeitest du direkt mit dem Kunden. Dein Seller ist Account Manager. In so einem Konstrukt wie SAP lebst du in einer Matrix. Da gibt es einen Account Manager und dann gibt es Specialist Sales.
[00:04:54] Das heißt, du musst einen signifikanten Teil deiner Zeit intern verbringen, damit deine Kollegen davon zu überzeugen, dass es Sinn macht, dein Produkt diesem Kunden zu verkaufen. Danke. So, und du musst dich immer in das Gesamtschema, meistens werden ja größere Deals on Block verhandelt, dort musst du dann reinpassen.
[00:05:14] Also go to market einmal neu aufsetzen vom Operating Model her. Wir haben sämtliche Regional Leader einmal durchrotiert innerhalb der ersten sechs Monate, weil das sich gezeigt hat, dass die, die wir bisher hatten, relativ unglücklich waren in der neuen Rolle und wir Leute reingenommen haben, die einfach in der SAP Maschinerie extrem persönlich verdrahtet waren. Und das hat einen Booster gegeben. Plus, du musst vom Stand weg natürlich alle Länder bedienen, die SAP bedient.
[00:05:44] Wir waren ein paar mehr sind, als die, die ihr selber hattet. Das war ein paar mehr, als wir selber hatten. Beispiel, wir waren zwar in Nordamerika, aber wir waren nicht in Südamerika. Und dann mussten wir quasi aus dem Stand in Brasilien, Mexiko, Chile, Peru, Uruguay, überall quasi Teams hinsetzen, die dann dort losgelegt haben.
[00:06:05] Oder in vielen asiatischen Ländern waren wir ja überhaupt nicht vertreten. Wir waren in Japan und in Indien so ein ganz bisschen, aber wir waren nicht in Südostasien groß vertreten. Auf einmal hast du ein Team in Thailand, in Vietnam, überall.
[00:06:20] So, das war Go-To-Market. Auf der Produktseite musst du erstmal onboarden in die Struktur, weil die Leute wollen SAP-Standard kaufen im Sinne von Maintenance Windows, Terms and Conditions, Security Regime. Das ist quasi diese richtige Enterprise Readiness auch in deinem Produkt. Product Requirements. Da gibt es so eine ganze Latte von Dingen, die dir quasi zentral vorgeschrieben werden an so einem Konzern.
[00:06:45] Und dann willst du aber, was der große Hebel für uns war, war ja nicht nur die SAP-Maschinerie Go-To-Market zu benutzen und unser bisheriges Produkt rein zu verkaufen, sondern der Trick für uns war, unser Produkt einmal komplett neu zu erfinden. Und in die Produkte von SAP zu integrieren? Integration auch, aber vor allen Dingen unser Produkt neu zu erfinden. Und für uns war der große Hebel, dass SAP halt wahnsinnig viele Daten hat und wahnsinnig viel Domänen-Expertise hat.
[00:07:11] Und wir dann konsequent angefangen haben, die Daten und diese Domänen-Expertise zu produktisieren, sodass du halt Recommendations, Benchmarking und so weiter im Produkt hast. Dinge, die wir vorher alle nicht hatten. Erzähl mal über AI-Agents. Ich, mein Privatgebrauch, hab da Claude, der macht dann irgendwas, klickt sich da irgendwie durch, macht Podcast Preparation und so, richtig geil. Was ist der Unterschied zwischen dem, was ich privat hier mir so hinbastel mit Claude und Co und NADN, können wir gleich drüber reden.
[00:07:37] Aber was ist der Unterschied zwischen meiner privaten Welt und der Enterprise-Welt, wo ein Agent wahrscheinlich andere Anforderungen? Also das hat zwei Aspekte. Einmal Agents für die interne Nutzung. Also wir haben ja ein paar tausend Kollegen im Team. Wie nutzen die eigentlich Agents intern? Aber das viel größere Thema ist noch Agents hin zu Kunden. Die Agents, die wir liefern oder was wir für Agents quasi an zusätzlicher Infrastruktur machen. Wie mal ein Beispiel, was ist ein Agent, den ihr an Kunde liefern würdet?
[00:08:03] Also der große Markt, oder allgemein, zwei Schritte zurück. Cloudwelle war On-Premise-Software durch Cloud-Software ersetzen. Das war vor 15 Jahren. Die AI-Welle heißt ja nicht Software-as-a-Service oder Cloud-Software durch AI-Software ersetzen. Das ist ja nicht die Market-Opportunity momentan. Sonst wäre das ja viel kleiner, als es momentan sich das alle erträumen. Sondern es ist ja quasi die Gesamtheit zwischen Software und den Personen, die da vorsitzen. Die benutzen.
[00:08:31] Die durch AI ersetzt werden. In unserem Fall gibt es einen Riesenmarkt und das ist Consulting. Process Improvement Consulting weltweit ist mehr als 200 Milliarden Dollar. Und jetzt kannst du dir natürlich sehr einfach vorstellen, eine Software wie wir, die bisher Insights geliefert hat, die bisher dir geholfen hat, deine Gedanken zu strukturieren und so weiter, dank AI und Agentik mehr und mehr in Tätigkeiten und Capabilities reinschneidet, die vorher nur von einem Consulting gemacht werden konnten.
[00:08:59] Deswegen haben wir jetzt zur Sapphire, unserem großen Kundenevent vor ein paar Wochen, haben wir den Process Consulting Agent gelauncht, was wirklich ein Multi-Agent-System ist. Also wo ganz viele, wo Dutzende von sozusagen gradularen Agents drunter liegen. Und wo du dann Fragen stellen kannst, so nach dem Motto, wieso ist denn eigentlich meine Performance in Frankreich weggeknickt das letzte Quartal? Reagier mal bitte drauf. Und dann rennt der Agent los und dreht den Stein um.
[00:09:27] Und dann geht der Agent los, erstmal dreht er jeden Stein um, versucht zu verstehen, wo kommt denn das her, was sehen wir denn da genau, was ist der Effekt? Aber dann natürlich auch sofort Lösungen vorzuschlagen, zu sagen, hier können wir Automatisierung machen, hier müssen wir Arbeit umstrukturieren, hier müssen wir neue Capabilities bauen, hier müssen wir Regelwerke anpassen und so weiter und so fort. Willst du, dass ich das für dich tue?
[00:09:49] Und manche Dinge kann der Agent dann sogar selbst umsetzen, manche Dinge landen dann in einem Upskilling von Mitarbeitern, manche Dinge landen in Rekonfigurationen von Systemen und so weiter. Wenn eine junge Person zu dir kommt, sagt, ich will Unternehmensberater werden. Was sagt sie? Think twice. Think twice. Ich hatte ein Interview mit Sascha Lobo diese Woche und er nennt es den Kahlschlag der Mitte.
[00:10:15] Du kannst dir quasi jeden Job, jeden White-Collar-Job hernehmen und du siehst durch AI den Effekt, dass quasi die Mitte am stärksten getroffen wird. Also die, die sozusagen mittelmäßig in ihrem Job sind, die haben die größten Probleme, weil dort nagt sozusagen AI am stärksten in den Job rein. Die Leute, die besonders gut sind in dem Job, die werden immer gebraucht werden, die werden immer vorneweg laufen, die werden durch AI am fahrraden. Die Top-Leute haben immer eine Daseinsberechtigung. Die Top-Leute haben immer eine Daseinsberechtigung.
[00:10:44] Also wenn du Consulting machst, würde ich sagen, also wenn du Consulting machst, weil du glaubst oder jemand dir gesagt hat, das ist ein sicherer Karrierepfad und da kann man gut Geld verdienen, dann würde ich es nicht machen. Wenn du bewiesenermaßen oder nicht anders kannst und genau nur das machen willst, dann mach es. Weil dann gibt es eine Chance, dass du zu den Top-Leuten gehörst und dann AI dir wiederum hilft und Amplifier ist für das. Warum nur die Mitte und warum nicht die, was ist das untere Ende? Sind das die jungen Leute, die Juni? Ja, das muss ich den Sascha nochmal fragen.
[00:11:16] Wir können ihn nochmal fragen. SAP hat bei NN investiert. Jan kommt nachher ins Stream. Rightfully so. Glückwunsch an alle Beteiligten. Richtig nachher aus. Wie kommst du sowas? Fragen wir dich, hey Gero, wen gibt es denn hier Cooles in Berlin? Lass mal Jan anrufen oder wie? Sowas kommt immer zustande, weil Kunden zu SAP kommen und sagen, wir haben hier was Geiles gesehen, wir benutzen hier was richtig Cooles, was für uns funktioniert. Warum habt ihr sowas eigentlich nicht?
[00:11:46] So. Und genau das ist bei NN passiert, klar. Wir haben auch unseren, wir scannen ja stetig den Markt. Wir gucken immer an, was kommen da für neue Produkte, wo gibt es Traction, wo gibt es Anknüpfungspunkte an die Themen, die wir bei der SAP haben. Aber der richtige Booster passiert dann, wenn Kunden auf uns zukommen und sagen, NN, das Beste since I've spread.
[00:12:10] Wäre ja noch cooler, wenn wir NN aber mit den ganzen Enterprise Qualities bekommen könnten, SAP Permission, SAP Security Regime und so weiter. Das hat nicht nur einer gesagt, sondern irgendwann hörst du es dreimal, dreimal, fünfmal. Dann hörst du es ein paar Mal, dann guckst du dir die Company an und sagst, wow, richtig cool, was die machen. Tolle Technologie, tolles Team, da ist noch viel sozusagen die Reise, die sie vorhaben. Und was dann ja passiert ist, sind ja mehrere Dinge. SAP hat in NN investiert.
[00:12:39] Okay, der viel größere Teil ist ja, dass NN als OEM in SAP integriert wurde. Es gibt ein Jewel Studio, das ist quasi so eine Workbench für das Bauen von Agents. Und da wurde für den Teil der Gentic Workflow, NN per OEM reingenommen. Und alles, was ich mit NN dort baue, läuft dann halt nativ direkt auf den SAP-Plattformen. Und hat halt Permission Sets und diese ganze übliche Enterprise Integration-Geraffel hast du dort zu einem großen Teil in Richtung SAP dann gelöst.
[00:13:09] Kann ich nochmal spicy fragen. Du magst natürlich spicy fragen. SAP hält da ein paar Prozent, ist einstellig, irgendwie zwei, drei, vier Prozent oder so. Ja, das ist jetzt nicht öffentlich, wie viel wir investiert haben, aber wir sind jetzt kein... Im Handelsgibstum steht das niedrige einstellige Zahl. Es gibt ja wahrscheinlich dann noch irgendwelche Holdings, wo auch immer. Aber sagen wir so, das ist jetzt kein Mehrheitsinvestment. Genau. Das ist ja total nett, dass ihr NN dann mitnehmt und Vertrieb macht und so weiter. Wo ist da das Incentive bei so einer kleinen Beteiligung? Einfach nah dran zu bleiben.
[00:13:36] In dem Moment, wo du Gesellschafter bist, dann hast du natürlich auch... Bist du näher dran an der Company, wenn es zum Beispiel darum geht, Größerunden zu machen oder Recapitalization zu machen. Oder wenn NN irgendwann sagt, hey... Hättest du lieber gekauft? Du, kaufen ist immer so ein Ding, weil du dann... Als Käufer bist du dann halt 100 Prozent auch verantwortlich für das Asset, was du dort kaufst, für die Company, die du kaufst.
[00:14:01] Und NN hat halt einen großen Community-Ansatz, hat einen Open-Source-Ansatz und das eignet sich halt als eigenständige Company extrem. Und wenn es gerade von der Community lebt, dann will man nicht riskieren zu sagen, oh, wir haben es jetzt einverleibt in SAP und dann fühlen sich vielleicht Leute abgeturnt und sagen, boah, jetzt findet das jetzt nur noch dort statt. Insofern glaube ich, war es bei NN genau das Richtige.
[00:14:30] Was würdest du, Jan, aus deiner Perspektive mit auf den Weg geben? Du hast verkauft aus allem, was du gelernt hast. Was gibst du ihm für die nächsten Jahre mit? Na, ich hoffe natürlich, dass wir in Deutschland und in Europa viel, viel mehr Companies haben, die den IPO-Weg gehen. Warum? Weil du dann wiederum neue Aggregatoren schaffst. Ich meine, wie viele Firmen gibt es denn gerade in Deutschland und Europa, die signifikante Acquisitions stemmen können im Softwarebereich? Außer der SAP gibt es ja nichts. Viele, viele.
[00:14:57] Und mit jeder weiteren Company, die IPO geht, hast du auf einmal ein groß genuges Gravitationszentrum, was wiederum als Absorber für zukünftige Akquise... Das ist eine Perspektive. Ich meine, das war auch, was Silicon Valley erfolgreich macht in Teilen, dass du sagst, du hast diese Riesencompanies, die Billionen wert sind, die eine Akquisition machen können für ein, zwei Milliarden, einfach um an gutes Talent ranzukommen, was auf der anderen Seite wieder Geld zurückspielt, ins Ökosystem das nächste Ding machen zu können. Also, und da hast du natürlich viele Optionen. Genau.
[00:15:27] Ich meine, SAP ist sehr aktiv mit Akquisitionen. Wir akquirieren so fünf bis sechs Companies pro Jahr. Achso, Priorless habt ihr auch gekauft, auch deutsche Firma. Sehr jung, 18 Monate alt. Genau. Was ist das für eine Geschichte? Naja, die Beobachtung ist die, dass bei Gen.ai sehr viel Fokus auf LLMs lag in letzter Zeit. Und im SAP-Umfeld haben wir ja vor allen Dingen ganz viel tabellenbasierte Informationen.
[00:15:53] Und wenn du dort Predictions oder Gen.ai Use Cases fahren willst, hat sich halt gezeigt, dass eine andere Art von Modellen, von Foundational Models halt gut und sinnvoll ist. Und das Prior Labs Team, die sind halt eine der führenden Teams weltweit in diesem Tabular Models Bereich.
[00:16:14] Und auch dort ist natürlich jetzt die Hoffnung, dass man zum einen mit der Nähe, mit dem Kauf durch SAP, das nochmal extrem boosten kann, weil wir natürlich Datenzugriff haben bis zum Umfallen, um solche Modelle zu bauen. Und natürlich all die Use Cases, wo man das braucht. Wir haben im Chat gefragt, würde Gero jungen Leuten heutzutage überhaupt noch raten, Informatik zu studieren? Oder ist klüger das Studium zu überspringen und direkt mit den heutigen Tools ins Bauen zu kommen, praktische Erfahrungen zu sammeln?
[00:16:41] Also ich bin ja riesen, riesen Fan, weil wir auch, also nicht zuletzt, wir sitzen hier gerade im gleichen Gebäude von der Code University und dem Ansatz, der dort gefahren wird. Dort wird ja explizit nach Entrepreneurial Talent gesucht. Und die Idee ist, als perfektes Outcome aus dem Studium, ob man es nun beendet oder nicht, ist, dass man als Gründer rauskommt. Und dass man auch die verschiedenen Rollen kennenlernt, die in so einem Unternehmen wichtig sind oder die Rollen kennenlernt, um digitale Produkte zu bauen.
[00:17:09] Und eine Universität leistet ja mehr, als nur Wissen zu vermitteln. Es ist eine Möglichkeit, spannende andere Leute kennenzulernen. Ich habe meine Mitgründe an der Uni kennengelernt. Also ohne Beispiele von Code Startups, die hier zusammengefunden haben. Und was auch nicht zu verachten ist, also ein bisschen Quality of Life gönne ich jedem. Und Studium ist halt auch eine coole Zeit, wo man sich selbst entdeckt als Person und wo man mal über die Stränge schlagen kann.
[00:17:38] Also die Zeit, sich zu nehmen, mal für ein paar Jahre an die Uni zu gehen und eine gute Zeit zu haben, dabei was zu lernen und andere nette Leute zu treffen. Also das gönne ich jedem. Das ist vielleicht ein gutes mentales Framework, zu sagen, okay, würde ich studieren, wenn das Wissen keine Rolle spielen würde. Aber es um die Leute geht, das Umfeld, das Level der Ambitionen oder so. Also in welcher Zeit ist die Frage, ob es dann fünf Jahre braucht. Das kann man wahrscheinlich dann ein bisschen effizienter, effektiver machen. Aber ist halt eine Grundmenge.
[00:18:07] Aber ich habe diese Woche jemanden getroffen, der leitet eine Remote-Universität. Und der sagt halt, also das Modell hat sich völlig überholt. Weil die hatten noch nie die Value Proposition, dass die Leute physisch zusammenführen. Das war reine Wissensvermittlung. Wissensvermittlung kriege ich auch auf andere Art und Weise. Plus die Wissensabfrage, also dort, wo du eine Klausur oder Übung machst oder so. Das ist halt zu 99,9 Prozent AI generiert.
[00:18:34] Also was ist denn deren Abschluss noch wert, wenn man weiß, dass alle Leute dort sämtliche Tasks mit AI machen? Einfach bestehen und jeder besteht alles. Jeder kennt die dann so. Und deswegen, wir haben ja so eine Renaissance des Physischen jetzt in der AI-Welt. Weil das halt schwer repliziert werden kann. Jobinterviews, die jetzt auf einmal nicht mehr remote stattfinden, weil jeder auf dem Second Screen AI mitlaufen hat. Seht ihr das bei euch auch? Ja. Die gucken dann immer rüber und dann merkst du so.
[00:19:02] Ja genau, also du merkst es sozusagen an der Geschwindigkeit, wie Leute antworten. Und an den AI-Movements, wie viel AI dort am Spiel ist. Oh mein Gott. Und du musst auch clever sein und eine Frage stellen. Ich meine, wenn er alle Fragen mit AI beantwortet und das dann auch die Aufgabe im Job ist, dann kannst du sagen, gut, okay, dann machst du deinen Job ja auch gut. Was frage ich dann eigentlich noch ab? Ja. Und das Resultat ist, dass Jobinterviews jetzt präferiert in Persona wieder stattfinden. Ja, ja. Weil du halt, dass du nicht cheaten kannst. Dass du halt nicht cheaten kannst, genau.
[00:19:29] Was ist eine Überzeugung, die du hast, die viele andere nicht teilen? Was ist dein Contrarian Belief? Ich habe mir eine große Passion, ein großes Hobby, Kunst. Wir haben leider nicht drüber gesprochen. Ich wollte eigentlich wissen, wie dein Kunstprojekt wird. Und meine Liebe zur Kunst, meine Faszination mit Kunst ist gleichzeitig entstanden mit dem Aufbauen des Hypes von AI. Weil AI ja perfekt da drin ist, alles, was bisher schon existiert, eine neue Art zusammenzustellen, zusammenzuführen.
[00:19:58] Und Kunst schon immer ja, nicht schon immer, aber die letzten 200, 300, ja, Arre halt die Suche nach dem Neuen, nach dem Originellen, nach dem Andersartigen, nach dem Undenkbaren sozusagen ist. Und quasi die Grenze des Denkbaren, des Logischen und so weiter halt ständig überschreitet. Und auch der Riesenunterschied, Kunst ist nicht lösungsorientiert. AI ist immer lösungsorientiert. Du gibst dem Agent immer ein Objective mit und er muss einen Task Completion machen.
[00:20:29] Und Kunst sucht nicht nach Lösungen, sondern die sucht nach Fragen am Ende des Tages. Und diese Kombination ist eine, die meiner Meinung nach noch viel, viel zu wenig genutzt wird. Für mich ist das einer der Superpowers, mich immer wieder von Leuten inspirieren zu lassen, die aus einer ganz anderen Ecke kommen. Aus einer ganz anderen Welt kommen, aus einem ganz anderen Universum quasi. Und mich da reinzudenken, wie deren Sicht auf die Welt ist und komme dadurch selbst auf ganz neue Gedanken.
[00:20:58] Also Beispiel, gestern habe ich ein Kunstwerk gesehen, da hat eine Gruppe, Troika heißt, die haben sich ausgestorbene Pflanzen hergenommen, die halt vor 60, 70, 80 Jahren schon ausgestorben wurden. Von denen halt nur noch so 2D-Grafiken existieren, wo du die Blätterstruktur siehst und so weiter und so fort. Und dann haben die, aber die wissen nicht, wie die Pflanze aussieht. 3D. Ja, wie die Struktur ist. Dann probiert sie das. Und die dann AI benutzen, um quasi zu spekulieren, wie denn diese Pflanze komplett aussehen könnte.
[00:21:25] Die 2D-Welt kenne ich, aber die 3D-Welt kenne ich nicht. Um dann zu explorieren, wie könnte denn diese Pflanze ausgesehen haben. Welche Feindschaften... Harry Potter, weißt du, die in der Hand plötzlich. Kero, es war mir eine Freude. Anna steht vor der Tür. Schmeißt du mich schon wieder raus? Wir haben gerade erst angefangen mit der Kunst. Dann muss ich nachher nochmal wiederkommen. Kommt nochmal wieder. Wir machen nochmal eine Longform. Wir haben viel zu besprechen. Die Kunst finde ich besonders spannend. Cool, dass du da warst, Kero. Vielen Dank. Hat mich sehr gefallen. Danke dir. Danke dir.

