Niklas Radner baut mit Nelly die Finanzinfrastruktur fürs Gesundheitswesen. Der ehemalige Klarna-Growth-Lead ist mit seiner Firma 250 Prozent gewachsen, liegt bei rund 25 Millionen ARR und über 5 Millionen Patienten auf der Plattform. Im Gespräch geht es darum, wie eine Arztpraxis vor und nach Nelly funktioniert, warum es 20 Entscheider braucht und wie sich KI und FinTech zur Komplettlösung verbinden. Niklas erzählt warum seine härteste Lektion das Erneuern des Teams war und warum er das SaaS-is-dead-Narrativ für Bullshit hält.
Timestamps:
00:00 - 250% Wachstum, 25 Mio ARR und 5 Mio Patienten
01:29 - Warum der Go-to-Market mit 20 Entscheidern so hart ist
02:45 - Die Arztpraxis vor und nach Nelly
07:08 - Warum die KI dem Arzt nichts vorgeben darf
09:06 - Die härteste Lektion: das Team einmal drehen
11:19 - Hiring: nicht Manager, sondern die besten ICs
17:27 - Contrarian Belief: SaaS is dead ist Bullshit
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[00:00:04] Wir waren grad hier halb mit Videografen, halb mit Personenschutz. Ich hab ihn gefragt was du machst und er so ja beides. Wo ist dein Personenschutz, Niki? Den Namen ich hier mit dir. Ja, ich pass immer auf dich auch. Ist ja auch in meinem eigenen Interesse als Shareholder, muss ich sagen. Ich hatte ja das Glück in deiner Pre-Seat-Runde mit investieren zu dürfen. Deswegen ist mir dein leibliches Wohl natürlich auch finanziell am Herzen. Nein, Spaß.
[00:00:33] Aber gib mir doch mal ein kurzes Shareholder-Update. Ich krieg nicht mehr so viele Updates. Das ist ja irgendwann bei den Firmen so, die werden größer und dann kriegen die Angels keine Updates mehr. Das ist auch so ein Zyklus, durch den man durchgeht aus so ner Erfahrung. Aber jetzt bist du hier. Erklär mal bei NALA, was in letzter Zeit passiert? Puh, viel. Ich versuch's mal kurz zu machen. Also wir sind 250 Prozent gewachsen, sind jetzt so bei 25 Millionen Euro Umsatz, also ARA. 25 Millionen ARA. Holy shit. Genau.
[00:01:02] Das hat mich wirklich schon lange kein Updates mehr gelesen. Glückwunsch. Dankeschön. Ja, und was passiert? Du, über 2.500 Kunden, über 5 Millionen Patienten auf der Plattform. Wir haben uns vor allem darauf konzentriert, wie wir den Umsatz pro Kunden erhöhen können, weil wir für uns verstanden haben, dass so B2B-Sales im Gesundheitswesen ist schwer, das so wirklich in der Breite zu machen mit einem Produkt, wo du jetzt, sag ich mal, einen eher günstigen Preisanstieg hast. Was ist das Schwerste dabei?
[00:01:29] Du, ganz ehrlich, der ganze Go-To-Market-Zyklus. Weil du hast in so ner Arztpraxis, musst dir das so vorstellen, wahrscheinlich 20 Decision-Maker und die musst du alle abholen. Und das ist am Ende natürlich ultimativ der Inhaber und das ist häufig der Arzt. Aber du hast dann die Anwender und die können da auch ganz viel mitreden durch den Fachkräftemangel. Sind die am Ende des Tages diejenigen, die entscheiden, ob du Erfolg mit deiner Lösung hast oder nicht.
[00:01:54] Okay, hab ich nicht drüber nachgedacht. Aber dann ist dein Modell zu sagen, okay, dann weniger neue Kunden gewinnen oder mehr darauf konzentrieren, mit dem Bestehenden mehr Business zu machen und die zu bauen? Genau, das war der Fokus. Jetzt ist der Fokus wieder Wachstum und Growth, also nur Logos sozusagen. Aber damit wir erstmal ein effizientes, gutes Wachstum hinbekommen, mussten wir erstmal mit dem Kundenstamm, den wir haben, natürlich die Produkte entwickeln, um diese Tiefe darstellen zu können. Was sind die Hauptprodukte gerade?
[00:02:19] Also wir haben sozusagen Agentic Workflows und wir haben Fintech und was wir bauen ist Finanzinfrastruktur fürs Gesundheitswesen mit Monetarisierung über Fintech. Kennen wir ein Beispiel? Wie funktioniert die Arztpraxis vor euch und nach euch? Vorher hast du papierbasierte Prozesse, wie zum Beispiel die Patientenaufnahme, kennen wir glaube ich alle mit so einem Clipboard, wo du dann deine Daten mit dem Kugelschreiber draufschreibst. Am bestenfalls auf drei Blättern die gleichen Infos.
[00:02:47] Genau, richtig. Da muss dir jemand abtippen, da muss man das Dokument einscannen, da muss man das hochladen, da muss man das schreddern und das ist nur die Patientenaufnahme. Dann haben wir Kostenvoranschläge. Wie funktioniert das heute? Du gehst da hin, ein Arzt checkt einmal, was gemacht werden muss, dann sitzt da hinten im Raum jemand und tippt das alles ab. Oder der Arzt macht das am Ende, das ist die Dokumentation. Basierend auf der Dokumentation, er stellt dann jemand einen Kostenvoranschlag.
[00:03:08] Dann bekommst du drei, vier Wochen später irgendwie so ein Papierdokument nach Hause geschickt, tatsächlich als Brief und kannst dich dann entscheiden, zahle ich jetzt irgendwie 3000 Euro für die Implantate oder 5000 Euro für die Aligner-Behandlung etc. Naja, dann entscheidest du dich dafür, kommst da rein und danach bekommst du eine Rechnung. Wahrscheinlich auch so drei Wochen später so einen Papierbrief mit der Bitte dann Geld zu überweisen. Und nicht mit in die Praxis der Zukunft, wenn ihr die einmal komplett auf links realisiert und AI-isiert habt.
[00:03:36] Wie sieht die aus? Also Patienten kommen rein mit einem Smartphone, scannen QR-Code, haben dank Corona mittlerweile alle gelernt, wie das geht. Und ja, füllen ihre Daten aus, unterschreiben digital und haben dann auch direkt einen Kanal, einen DSGVO-konformen Kanal, der es ermöglicht, dass wir digitale Rechnungen, digitale Dokumente verschicken können.
[00:03:56] Dann kommen sie ins Behandlungszimmer, da steht ein Mikro, so wie hier. Tatsächlich mussten wir in den letzten zwölf Monaten Experten werden, was so Audio-Aufnahme-Qualität betrifft. Und genau, dann wird besprochen, was vorliegt, also ein Befund und hinten läuft... Ich denke mir das nochmal ganz kurz, ich komme in das Behandlungszimmer rein, da sitzt der Arzt auf der einen Seite, ich auf der anderen, da ist ein Mikro wie bei uns dazwischen und das...
[00:04:19] Genau, richtig. Das ist entweder so ein Clip-Mikro oder so ein Stand-Mikro im Raum und das, also unser Sprachmodell zeichnet dann alles auf und verwandelt das sozusagen oder wandelt das um in eine korrekte Dokumentation. Das heißt, also du musst natürlich medizinisch entsprechend sauber dokumentieren, das ist mal ganz wichtig, auch um später gegenüber den Kassen, die ja am Ende des Tages häufig die Kosten übernehmen, beweisen zu können, was wirklich gemacht wurde oder was die Diagnose war.
[00:04:47] Und basierend auf dieser Dokumentation ermitteln wir dann auch direkt die Abrechnungspositionen. Du musst dir vorstellen, jede Arztpraxis und insbesondere auch Zahnarztpraxen zahlen so zwischen 3.000 und 5.000 Euro im Monat für eine Person, entweder eine Agentur oder eine Person, die abrechnet, aber die sich wirklich nur diese Dokumentation schnappt. Und meistens ist die Dokumentation auch unvollständig und schlecht, weil wenn du... An Rückfragen dann.
[00:05:10] Genau, und fängt dann daran sozusagen Abrechnungspositionen zu ermitteln. Er stellt dann einen Kostenvoranschlag und schickt den dann häufig per Papier zu. Wie reagieren Patienten drauf, wenn da ein Mikro steht? Tatsächlich ist den, also wirklich über 90 Prozent verstehen, dass Fachkräftemangel besteht und finden es tatsächlich gut, weil wir auch den Patienten die Diagnose danach zur Verfügung stellen, damit die einfach mal nochmal nachlesen können, was hat der Arzt eigentlich alles gesagt.
[00:05:36] Weil wenn du da sitzt und er erklärt dir, ja okay, das und das liegt vor, das und das wollen wir machen, überlegen sie sich das, das ist natürlich ganz cool. Schreibt der Arzt natürlich auch nicht alles mit und übermittelst dir. Aber du hast natürlich auch immer noch die Spezialisten, die dann sagen, Datenschutz möchte ich nicht. Möchte ich jetzt auch gar nicht bewerten, aber für die machst du dann das Mikro aus und... Gehst du einen alten Weg. Gehst du einen alten Weg, genau. Es heißt, die Praxis muss diesen alten Weg, wie auch immer der funktioniert, auch immer noch supporten.
[00:06:00] Ja, also wir haben auch die Menschen, die wirklich, es gibt da so bestimmte Regionen, haben wir für uns auch festgestellt, ganz witzig in Deutschland, die sind schon, also die haben schon Probleme mit, dass da Internet in der Praxis zur Verfügung steht. Also die wollen, die sind, die haben sich komplett aus dem Internet abgekapselt. Also du hast... Ja, und das sind tatsächlich gar nicht... Also man denkt ja immer, die Alten sind so, ich sag mal, über 65 plus, aber es sind häufig dann eher so die Esoteriker, die damit Probleme haben, was so Digitalisierung anbaut.
[00:06:26] Und in den Regionen her, wo ist die AI-Adoption am einfachsten in Deutschland, wenn du so eine Karte vor dir hast, dann wo am schwersten aus euren Daten? Also es gibt so, also ich glaub Großstädte ist immer am einfachsten, relativ klar, dann hast du halt so ein paar, ich würd sagen bayerische Dörfer, da kann das schon schwieriger werden. Okay. Und jetzt sag mir mal, ihr kommt ja aus dem Fintech, ich mein, du warst davor bei Klarna, bist im Fintech ein Stück weit groß geworden, das ist auch viel über Abrechnung und die Finanzprozesse gesprochen.
[00:06:54] Ich stell mir vor, wenn da ein Mikro ist, zuhört, wie die Befundsaufnahme ist und so weiter. Kann die AI dann auch Empfehlungen abgeben? Kann die AI den Arzt irgendwo unterstützen in seiner medizinischen Arbeit? Könnte sie, aber das dürfen wir nicht. Also das ist etwas, wenn du in den medizinischen Teil eingreifst und dem Arzt am Ende noch vorgibst, wie er behandeln soll, dann kommst du in ganz, ganz, ganz schwierige Gewässer. Also das tun wir nicht.
[00:07:18] Und was wir tun, ist wirklich, wir konzentrieren uns komplett auf den Verwaltungsaufwand und haben Agenten entwickelt und eigene Knowledge Graphs, um im Endeffekt auf Basis der Daten, die wir haben, dann wirklich die ganzen Abrechnungsprozesse zu automatisieren. Und hinten raus natürlich dann wirklich auch das ganze Forderungsmanagement zu machen.
[00:07:36] Also wir reden jetzt viel von KI, aber ein ganz großer Teil ist auch einfach, wir kaufen die Forderungen von den Ärzten ab und kümmern uns einfach um den Rechnungsversand, um Mahnung, um Inkasso, um Ratenzahlungen für Patienten zur Verfügung zu stellen. Also wirklich so diesen ganzen Abrechnungsteil, der dahinter liegt. So ein Business, was klassischerweise so eine PVS oder so macht würde, diese Verrechnungsstellen im Grunde, die Briefe verschicken.
[00:07:58] Genau und wir waren tatsächlich die Ersten und sind immer noch die Ersten in Deutschland, die Einzigen, die es ermöglichen, dass du initial deine Rechnung digital erhältst und die auch per Apple, per Google, per Zahlen kannst oder auch eine Ratenzahlung umwandeln kannst. Das würde ich ja gerne machen. Ich frage mich immer, wieso kriege ich erstens drei Wochen später die Rechnung? Kann ja auch nicht gut sein für die Arztpraxis, für den Cashflow. Wahrscheinlich ist denen egal, aber ich frage mich immer, wieso ist es so nervig, die zu bezahlen?
[00:08:19] Also ein Grundproblem ist, erstmal du darfst keine Rechnung als PDF per E-Mail verschicken, weil sie medizinische Daten beinhaltet. Also aus datenschutzrechtlichen Gründen. Genau und das alleine funktioniert nicht. Wir machen das ja über eine, wir haben eine verifizierte Handynummer und so ein passives Patientenprofil, dass es uns ermöglicht, dann einfach einen Link zu verschicken. Da logst du dich ein, hast eine Zwei-Faktor-Authentifizierung und musst dir auch keinen Benutzernamen und Kennwort merken, weil daran scheitert es halt auch.
[00:08:47] Weißt du, wenn du am Ende des Tages erstmal irgendwie für deine Arztrechnung so Passwörter und Benutzernamen hast, dann nutzt es am Ende keiner mehr. Weil du bist in irgendeiner anderen Tag. Genau und es funktioniert aber dadurch, dass wir bei der Patientenaufnahme schon dabei sind. Also der Softwareteil enabelt im Endeffekt dann hinten raus ein digitales Abrechnen. Was war für dich unternehmerisch das schmerzhafteste Learning aus den letzten zwölf Monaten? Was ist die härteste Lektion?
[00:09:12] Aus den letzten zwölf Monaten, gute Frage, schmerzhafte Lektion. Ich würde sagen, am Ende des Tages ein Unternehmen aufzubauen, wir sind jetzt ja mittlerweile viereinhalb Jahre alt, dass du what brought us here won't get us there. Und das, was ich damit meine, ist eher so der emotionale Teil, wenn du mit einem Team etwas aufbaust, aber dann merkst, dass dieses Team eigentlich nicht mehr für die nächste Stage das Richtige ist.
[00:09:42] Und dann irgendwo diese Entscheidungen zu treffen und das Team zu erneuern. Und das ist etwas, was einfach auf einer emotionalen Ebene einfach tough war. Und ja, wo ich jetzt durch bin, jetzt fällt es einem auch einfacher, aber es ist halt, am Ende des Tages bist du ja Menschen auch sehr dankbar. Aber du weißt auch, naja, also da müssen wir jetzt irgendwo ein anderes Profil für aufbauen, um jetzt irgendwie von 25 auf 100 Millionen zu skalieren.
[00:10:06] Das ist ein großer Unterschied als von irgendwie von 1 auf 25. Und ja, da muss man ein Team einfach nochmal einmal drehen an vielen Stellen. Ein anderes Learning ist, und das ist auch nochmal interessant, ich meine, Steve Jobs hat es in einem Interview, glaube ich, vor 25 Jahren schon gesagt, aber wir haben ja eine Series B-Grace und dachten so, hey, wir müssen jetzt Professional Management einstellen. Und ja, am Ende des Tages haben wir dann Manager von Microsoft etc. eingestellt und zwar eine Katastrophe.
[00:10:32] Weil du brauchst am Ende trotzdem noch extrem starke ICs und ich glaube, gerade in der aktuellen Zeit wird es immer noch wichtiger, du brauchst weniger Manager und einfach Menschen, die ihr Handwerk sehr, sehr gut beherrschen. Und durch AI auch nochmal verstärkt wird. Die Rolle des IC, des Individual Tributors und so, hat am Ende wieder mehr Wert, weil die Person halt im Zweifel auch ganz gehebelt ist, ihr Agent T hat und so weiter. Und eine Person den Output von 5 machen kann, siehe Programmierer, sie können heute mehr Output liefern, Salesperson vielleicht auch.
[00:11:01] Absolut. Erfahrung ist halt trotzdem unglaublich wichtig. Also ich glaube, das ist jetzt in unserer Stage halt am Ende jemand, der das einmal gemacht hat. Und ich glaube, das ist einfach der große Unterschied. Ich suche nicht nach Manager, ich suche nach den besten ICs, die schon einmal diesen ganzen Weg gegangen sind, die Fehler schon gemacht haben, die ich nicht mehr machen muss und dafür zahle ich am Ende des Tages. Was hast du über Hiring gelernt? Was gibst du dem Niklas von vor viereinhalb Jahren, der startet mit als Lektion jetzt in der Rückschau so? Hire the best people. Was sind zwei, drei Lektionen?
[00:11:30] Also der eine Teil ist immer noch, du musst, eigentlich muss es dein Hauptjob sein und so wie du Kunden chastest, musst du auch die besten Talente chasten. Also ich und das nicht über, hey, ich glaube ein Learning ist, fang nicht an das irgendwie zu delegieren, weil gerade Hiring, klar musst du nicht in jedem Interview mit drin sitzen,
[00:11:54] aber zumindest bei, ich sag jetzt mal, gewissen Senioritätsleveln solltest du auf jeden Fall mit dabei sein. Gehört zu deinen Top-Sinoritäten auf jeden Fall. Ja, genau. Und ich glaube, irgendwann einfach dann einem Team mitgegeben, auch weil ich die Freiheit geben wollte und nicht jetzt irgendwie so ein Micromanagement mit reingeben wollte beim Ende des Tages.
[00:12:12] Und das andere Duo ist tatsächlich, sich schneller von Talenten zu trennen, bei denen man das Gefühl hat, oder bei denen man eigentlich auch die Datengrundlage dann irgendwann hat, dass es nicht passt. Und das merkst du eigentlich schon nach drei Monaten. Also ich glaube, du... Gab es Fälle, wo es anders war? Man sagt ja oft dann, ja, ich habe schon davor gewusst, ich habe zu lange gewartet. Gab es bei dir Fälle, wo du sagst, nee, in der Person hat sich nochmal gedreht? Oder es war nochmal irgendwie gut, da festzuhalten?
[00:12:37] Tatsächlich, nein. Und ich wirklich, wir sind jetzt 165 und es war nie so. Es war immer, wir haben drüber gesprochen, dann so, ja komm, wir warten mal am Ende. Es ist natürlich auch super schwer, dann nochmal sowas zu drehen. Ich hatte es vielleicht mal ein, zweimal im Vertrieb so, wo du dann merkst, okay, da muss man bei denen irgendwie dann mal sowas anlocken. Manchmal hat jemand einen Tief, der kommt wieder raus, aber... Genau, aber so jetzt auf der grundlegenden Seite, nee, wenn das Gefühl...
[00:13:02] Ich vergleiche das immer so mit einem Zahn, der wackelt und wenn du den nicht ziehst, das wird immer schlimmer und der wackelt immer und irgendwann muss dann einmal rausgehen, dann blutet es kurz. Aber danach wird es auch ganz schnell wieder besser und dann kannst du auch einen neuen Zahn reinsetzen. Geiles Bild, direkt aus der Zahnarztpraxis. Ja, so ist es, so ist es. Was sind sonst, wenn du auf den Healthcare-Markt schaust und AI-Opportunities, was fällt dir ein, was jetzt nicht Finance und Backoffice ist, wenn du sagst generell, AI in die Medizinbranche zu bringen? Was sind spannende Themen?
[00:13:32] Also grundsätzlich dieses ganze, also das Thema halt ins HR-Budget zu kommen und das Interessante ist, Kunden bei uns zahlen tatsächlich gar nicht so wie für AI-Lösungen, sondern für die Schnittstellen. Das ist auch interessant, weil viele Ärzte wirklich anfangen, eigene Software zu bauen mit Cloud und so weiter. Wirklich? Und dann aber in so ein Thema kommen, dass okay, jetzt habe ich das gebaut, aber wie connecte ich das jetzt mit den restlichen Systemen in meiner Praxis?
[00:14:00] Und das ist auf jeden Fall, wie kann ich im Endeffekt Kunden unlocken? Zum Beispiel prompten, ein Learning ist halt, das ist jetzt nicht nur Opportunity, das ist eher so ein Learning, dass unsere Kunden haben ja viele Individualisierungswünsche. Und wir sind jetzt dabei, sie zu enablen, dass sie einfach selber prompten können und sagen können, ich möchte meine Dokumentation so lang oder lieber kürzer und so weiter. Ich glaube ansonsten, was ich schon, also ich sehe weiterhin Bürokratie abbauen. Man muss davon sagen, wir sind immer noch mit Faxmaschinen unterwegs in den Krankenhäusern.
[00:14:29] Also ich glaube, der ganze Abrechnungsteil, da ist noch sehr, sehr viel Musik drinne und ich glaube, dass in diesem ganzen Service-Teil sehr, sehr viele Chancen stecken. Was meinst du damit ins Personalbudget zu kommen, zu sagen, ich verkaufe jetzt gar nicht Software an Praxen, sondern ich überlege, für welche Menschen geben die Geld geradeaus? Die Abrechner wäre ein Beispiel, was du genannt hast.
[00:14:50] Genau, also ein simples Beispiel ist auch, weiß ich nicht, alle fangen ja an, so Tools zu verkaufen und ich sage dir am Ende des Tages, weißt du was, ich mache das Ende zu Ende für dich. Und da ist dann zwar noch ein Human in the Loop, den brauchst du auch, aber ich verkaufe dir eigentlich eine Komplettlösung. Ein simples Beispiel ist bei der Abrechnung, ich, eine KI darf dir nicht sagen, hey, ist okay oder nicht, sondern du musst da schon immer noch mal drüber gucken. Ja.
[00:15:12] Jetzt kann ich dir ein Tool verkaufen und du zahlst dann irgendwie auf einmal, weiß ich nicht, 1000 Euro im Monat dafür, dass du eine Lösung hast, kannst aber dich eigentlich nicht von einer Agentur trennen, weil die immer noch drüber schauen müssen. Und dann würde ich sagen, warum verkaufe ich denn nicht die Gesamtlösung und dann hast du das Thema nicht mehr. Noch mal eine Produktfrage bei euch, kam ja gerade aus dem Chat, wie habt ihr euren USP gegenüber etablierten Abrechnungsanbietern wie BFS, kennst du wahrscheinlich, kommuniziert?
[00:15:39] Weil die vielleicht schon integriert sind, also was ist das Argument gegenüber den Arztpraxen? Also grundsätzlich, wir haben die, das ist halt relativ simpel, wir haben einen digitalen Rechnungsversand und das ist günstiger, das sind Kostenvorteile, die, ihr müsst euch das so vorstellen, bei 250 Euro im Schnitt an so einer Arztrechnung hast du so, wenn du alleine schon Papierrechnung rausschickst, 1,20 Euro an Briefverstellungs- und Portogebühren, das sind so 0,35 ungefähr vom Rechnungsbetrag.
[00:16:07] Wenn du so eine Fee ausrechnest, dann ist es immer so, dass es da um jede Nullkommastelle geht, die du günstiger anbieten kannst. Ein ganz klarer Vorteil, Kostenvorteil, den ich an meine Kunden weitergebe, das heißt, ich kann ein nachhaltig besseres Pricing anbieten, weil ich digitale Workflows habe. Das hätte ich nicht gedacht, dass der 1,20 Euro da groß ist. Nee, aber wenn ich dir sage, du machst eine Million mit uns und ich spare dir ein, weiß nicht, ein halbes Prozent, dann ist das signifikant.
[00:16:33] Na, also es geht ja, das ist immer so, das ist der Teil, also die haben ja sehr, sehr viele kleinteilige Rechnungen und da machen diese Cost of Goods Sold schon großen Anteil aus. Und der andere Teil ist, unsere Lösung ist an sich ein Land-and-expand-Model. Wir kommen rein über Software, wir lösen ein Kernproblem der Praxis. Das ist zum Beispiel Automatisierung von bestimmten Workflows, die das Team nicht mag und dadurch bauen wir uns Vertrauen auf. Und dann verkaufen wir eine Lösung, die Compounding ist und das ist unsere Factoring-Lösung zum Beispiel.
[00:17:01] Wir haben automatisierte Scoring, wir haben digitale Rechnungen, wir haben ein günstigeres Pricing und auf einmal macht es dann Sinn, zu uns zu kommen und nicht mehr mit der alten Lösung unterwegs zu sein. Geil, ich fühle mich richtig gut informiert als Shareholder. Danke, dass du ein Update gemacht hast und du mich damals in die Sonde reingelassen hast. Schätze ich sehr, das Glück gehabt zu haben. Letzte Frage, was für eine Überzeugung hast du, die viele andere nicht teilen? Was ist dein Contrarian Belief?
[00:17:27] Mein Contrarian Belief, lass mich mal kurz nachdenken, damit ich auch eine ehrliche Antwort darauf gebe. Also ich meine, ich habe viele Contrarian Beliefs, aber zum Beispiel, ich glaube, dass dieses ganze Thema SARS is dead und wir werden jetzt alle von KI überrannt. Ich glaube, dass das ein Stück weit Bullshit ist.
[00:17:54] Und Contrarian Belief in der Hinsicht, dass ich finde Software Subscription Revenue super. Ich glaube, du musst, also für mich ist KI eher eine Technologie, die du leveragen musst und in dein Produkt mit einbauen musst. Aber dieser ganze Vergleich im Markt von, hey, da sind jetzt irgendwie AI-Native Companies und dann sind da Legacy-Software-Companies. Und ich glaube, es ist irgendwo mehr Narrativ und es wird Top Teams geben. Überkorrekturen, negative in dem Fall, was die Adenbox und so weiter angeht.
[00:18:23] Und ich würde behaupten, es gibt Top Teams und die wissen immer, Technologie schnell zu ihrem Vorteil zu nutzen und damit die besten Produkte zu bauen. Deswegen, ob es jetzt irgendwie ein Workday ist oder ein Salesforce, ob die jetzt alle sterben, I don't think so. Auch hier nochmal, Tobias Kasten, musst du dir die Teams anschauen. Schön, dass du da warst. Niki, sehr cool, dass du dir Zeit genommen hast. Sehr gerne.

