Marlena Hien hat mit Vitamin-Gummis 60 Millionen Umsatz gebaut. Von VCs hörte sie damals: Ihr seid profitabel, warum das denn? Sie hat Bears with Benefits 2018 in München gegründet, heute verkauft die Marke in zehn Ländern inklusive USA und ist in Europa Marktführer in der Kategorie Supplement Gummies. 2022 hat sie verkauft, für einen mittleren achtstelligen Betrag. Du bekommst ihr komplettes Consumer-Playbook: wie sie Amazon als ersten Kanal geknackt hat, warum Handel und Amazon bei ihr mehr Gewinn abwerfen als der eigene Onlineshop und wie ein Exit mit Earnout und Rückbeteiligung wirklich strukturiert ist.
00:00 - Trailer & Intro
05:36 - Vitamin-Gummis aus München: Die Idee kam aus einem Drogerieregal in New York
12:00 - Der größte Amazon-Hack: Packaging fürs Suchergebnis statt fürs Regal
17:41 - Amazon, Douglas, eigener Shop: Warum der Handel mehr Gewinn bringt
29:55 - Abmahnung über 250.000 Euro, bei 30.000 Euro Monatsumsatz
38:24 - Was Marlena sich in VC-Gesprächen anhören musste
45:46 - Der Exit: Kaufpreis, Cash, Earnout, Rückbeteiligung
51:26 - Vormittags DM-Store-Check, nachmittags Kreißsaal
01:02:26 - Der Moment, in dem sie wusste: Jemand anderes kann den Job besser
01:16:11 - Oral Care, Tweens, GLP-1: Was sie heute bauen würde
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[00:00:00] Stand heute 2026, acht Jahre nach Gründung. Wo steht die Firma? 60 Millionen Umsatz. Klass. In zehn Ländern inklusive der USA. Profitabel, ein Europa Marktführer. Wow. 2018 bis 2022, das war ja VC Hochzeit. Ich habe ja wirklich sämtlichen Respekt vor VC ist verloren ehrlich gesagt. Und du wurdest wirklich nicht ernst genommen, wenn du nicht ein Funding hattest. Dann warst du eine fixe Idee, aber du warst kein Startup. Wie? Ihr macht das alleine, habt ihr keinen Investor? Was ist denn, wenn wir jetzt die fünf Millionen nehmen? Das liegt ja nicht auf dem Konto, das muss auch gespendet werden.
[00:00:27] Mehr Spend, mehr Burn und Profitabilität. Im Zweifel wird es uns heute gar nicht mehr geben. Also ich sehe schon viele Startups, die damals das Geld genommen haben, obwohl sie es vielleicht nicht gebraucht hätten. Die sind heute in einer absoluten Patz-Situation. Irgendwann ist es uns blöd geworden. Also du kannst dir auch nur so und so viele Absagen anhören. Jetzt habt ihr hier eine Million Umsatz. Okay, jetzt habt ihr fünf Millionen Umsatz. Aufzählen werdet ihr es nicht schaffen. Hey, weißt du was? Den zeigen wir es jetzt. Natürlich schaffen wir das. Wir schaffen es auch alleine. Und dann sehen wir halt mal, wer hier zuletzt lacht. Für wie viel habt ihr verkauft?
[00:00:56] Einen mittleren achtstelligen Betrag. Und wenn ich noch mal Supplements machen müsste, dann würde ich *** machen. Uh, find ich super. Marlena Hien, ich hab da einen LinkedIn-Post. Steht drin, wer bin ich eigentlich ohne mein Unternehmen? Diese Frage habe ich mir vor dem Exit nicht ernsthaft gestellt. Heute weiß ich, ich hätte es tun sollen. Wer bist du ohne dein Unternehmen? Ich glaube, ich kann es immer noch nicht so richtig beantworten. Noch nicht.
[00:01:25] Ich stelle mich immer noch vor als die Gründerin von Bears with Benefits. Und das bin ich ja auch noch. Das werde ich ja auch immer sein. Das muss immer sein. Den Foundatitel gibt man nie ab. Den Foundatitel gibt man nie ab. Den kann einem auch keiner nehmen. Und ich bin ja auch noch im Auftrag des Unternehmens tätig und bin immer noch das Gesicht der Brand. Deswegen ist es, glaube ich, auch noch okay. Aber je mehr die Monate und Jahre jetzt ins Land ziehen, desto mehr fragt man sich natürlich, was wird in Zukunft auf der Visitenkarte stehen.
[00:01:49] Und werde ich vielleicht irgendwann auch einfach mal als Marlena Hinn auf eine Konferenz eingeladen und nicht als die Gründerin von Bears with Benefits. Brauchst du noch eine Visitenkarte? Ja, doch. Also ich komme noch nicht in den Raum und jeder weiß, wer ich bin. Ich finde, man hat es über die Jahre schön gesehen, dass es mehr geworden ist. Klar, gerade auch unter Frauen, wo wir mit dem Produkt eben auch einfach sehr präsent sind. Aber ja, doch. Brauche ich, glaube ich, schon noch.
[00:02:15] Aber was ich mit dem Post auch sagen wollte, ist eigentlich, dass man im Gespräch mit anderen GründerInnen ja auch sehr viel hört, dass ganz viele nach dem Exit oder nach dem operativen Ausstieg in ein totales Loch fallen. Und halt nicht mehr gebraucht werden jeden Tag, der Kalender auf einmal leer ist. Das verspüren schon sehr, sehr viele. Wie war dein persönliches Loch? Gab es das? Es gab es ehrlich gesagt gar nicht so richtig. Nach dem Exit schon gleich gar nicht. Da haben wir eigentlich weitergemacht wie bisher. Sind ja auch noch ein paar Jahre in der Geschäftsführung geblieben.
[00:02:44] Aber auch jetzt nach dem operativen Ausstieg. Ich habe mich zum einen natürlich direkt ins nächste Projekt geschmissen, was in dem Fall Hausbau war. Aber eben auch, weil ich die Kinder hatte und halt diese zweite Rolle als Mutter schon hatte. Und das ist jetzt irgendwie so wirklich literally der Grund, morgens aufzustehen, weil die Frühstück von mir haben wollen. Ja, das interessiert jetzt herzlich wenig, wo ich gerade in meinem Leben stehe und dass ich eigentlich nicht mehr arbeiten müsste. Sondern die wollen es immer noch von mir. Und ich glaube, das hat es aufgefangen.
[00:03:10] Ist auch witzig. Ich habe so ein Unternehmerforum, wo meine Jungs quasi alle Firmen gegründet haben, wo wir uns seit 15 Jahren einmal im Monat treffen quasi. So meine Peergroup quasi. Da haben wir neulich auch ein Gespräch geführt. So hier Purpose, was macht man eigentlich? Viele haben die Firma verkauft. Und so einer hat gesagt, ja, also wenn du Kinder hast, dann stellst du dir diese Purpose-Frage ja auch nicht mehr. Weißt du, das ist für die Kinder los. Ja? Ja, ich brauche irgendwie Purpose im Leben, wenn du Kinder hast. Und ich nehme das auch so wahr. Ja, stimme ich komplett zu. Die Kinder sind der Purpose. Ja. Gehst du denen auf die Nerven, wenn du so viel zu Hause bist? Oder sind die happy?
[00:03:37] Die sind, glaube ich, happy. Die sind ja tagsüber in der Einrichtung, in Kita und Kindergarten oder jetzt bei Schuler, Betreuungseinrichtung. Und dadurch nehmen die das, glaube ich, nicht so wahr. Ich fahre die da hin und dann meistens fahre ich auch gar nicht mehr nach Hause zurück. Meistens habe ich schon irgendwas zu tun. Was muss ich über deine Kindheit, über deine eigene Kindheit wissen, um zu verstehen, was für eine Gründerin du geworden bist? 2018, als du angefangen hast mit deiner Firma.
[00:04:01] Ich glaube, ich bin sehr behütet aufgewachsen. Also mir hat es an nichts gefehlt. Akademikerhaushalt. Mein Vater war Notar in München. Gründerinnen sagt das was. Da geht der Lifecycle eines Startups los und im besten Fall endet er da auch. Ja, ich war die Älteste von drei Kindern. Also die älteste Tochter, die sich alles erkämpfen muss. Und die auf der alle Erwartungen lasten. Das glaube ich schon. Also wir hatten schon einen gewissen Leistungsdruck zu Hause.
[00:04:29] Und so Lob und Anerkennung gab es für gute Leistungen, gerade auch schulisch. Das schon. Aber gerade mein Vater hat mir auch immer Perspektiven eröffnet. Also ich habe mich dann ja gegen ein Jurastudium entschieden, obwohl das alle immer gedacht haben. Und habe Kommunikationswissenschaft studiert. Irgendwas mit Medien, wie man so schön sagt. Und habe dann in einer super kleinen Agentur angefangen, direkt nach dem Studium. Und für halt kein Gehalt, wie das da so ist. Sehr wenig Gehalt.
[00:04:59] Und nach ein paar Jahren hat mein Vater zu mir gesagt, okay, wenn du da jetzt bleiben willst, wenn du da was reißen willst, dann musst du dich halt beteiligen. Und das war für mich so, was? Das ist ja interessant. Also du hast Unternehmertum auf eine Weise vorgelebt bekommen. So Notar ist ja erstmal auch selbstständig. So musst du irgendwie also gucken, dass da Kunden reinkommen. Richtig. Gut bezahlt, denke ich jedes Mal, wenn ich so eine Rechnung sehe. Aber ist ja durchaus unternehmerisch. Okay, und er hat gesagt, hier angestellt sein ist das eine, aber quasi Equity aufbauen, Anteile aufbauen ist das andere. Exakt.
[00:05:29] Sehr interessant. Und dann habe ich das gemacht mit seiner Unterstützung. Und das war der erste Schritt ins Unternehmertum. Und alles andere kam daher. Erklär mal Bears with Benefits für jemanden, der das noch nie gehört hat. Ja. Bears with Benefits. Ich habe übrigens auch welche dabei. Sollche dabei? Ich habe es mal wieder verpasst. Ich habe noch nie einen gegessen. Ich esse mal gerne einen. In neun von zehn Podcasts vergesse ich es dir mitzubringen, aber jetzt können wir mal ein paar. Geil, wir sind zehn von zehn. Okay. Okay, mega. Amazing Hair. Also ich sehe Biotin ist hier drin. Das ist ein Gummibärchen. Kann ich es aufmachen?
[00:05:58] Gerne. Genau. Also es sind Nahrungsergänzungsmittel, auch hochdosierte Nahrungsergänzungsmittel in Form von Gummis. Das haben wir nicht erfunden. Das war in den USA bereits ein Riesending damals 2018. Ich habe es auch ehrlich gesagt da gesehen. Ich war privat. Danke gerade nicht. Kannst du die noch essen? Ich kann die essen. Ich esse die auch jeden Tag. Nee, nee. Nur beim Sprechen nicht unbedingt. Cool, gut point. Aber sprich du mal weiter.
[00:06:25] Ja, es ist super wichtig, dass die gut schmecken. Das ist ja der ganze Punkt. Nee, also ich war privat in den USA, in New York, habe da irgendwie bei CVS im Regal gesehen. Ah krass, hier gibt es ja alle Nahrungsergänzungsmittel irgendwie in Gummy-Form. Und das ist ja mega smart. Weil ganz viele Leute haben ja Probleme damit, Tabletten zu schlucken oder auch einfach keine Lust drauf. Es fühlt sich ja immer irgendwie nach Medizin an und nach was Negativen.
[00:06:43] Du weißt aber, andersrum auch bei Supplements geht es wirklich um Consistency. Darum langfristig dran zu bleiben und das auch irgendwie erstmal aufzubauen. Und dann ist das ja hier mega best of both worlds. Du hast irgendwie einen kleinen Treat im Alltag. Es macht Spaß, es macht Freude und dann vergisst du es auch nicht. Und gleichzeitig ist es ein mega Trägermedium für jede Art von Vitamine und Nahrungsergänzungsmittel. Muss auch gar nicht erst vom Magen aufgebrochen werden. Du hast es direkt in den Pektin hier. Ohne jetzt technisch zu werden, ich fand es mega.
[00:07:11] Ja, Lorraine, meine Co-Founderin auch. Also da waren wir uns irgendwie direkt einig, dass das geil ist. Ihr kanntet euch aus dem Agenturumfeld? Ja, ganz genau. Sie hat mich damals eingestellt. Also sie war die Frau vom Gründer oder am Anfang noch Freundin vom Gründer der Agentur. Wir haben lange Jahre zusammengearbeitet. Wir wussten, dass wir ein super Team sind. Und dann kam irgendwann so der Punkt, wo wir gesagt haben, wir arbeiten wahnsinnig viel im Konsumgüterbereich. Wir stoßen immer wieder an dieselben frustrierenden Stellen.
[00:07:39] Ja, wenn zum Beispiel für Danone gearbeitet, da kommt dann die Marktforschung. Und nach der Marktforschung ist jede Idee kaputt und irgendwie zu, wie hat hier Max Wittrock gesagt, Vanille-Eiscream. Ja. Das ist das, was wieder rauskommt. Also es ist einfach nur noch Lähm. Es hat nie ein Edge, es ist nie digital von vorne herein gedacht. Und da dachten wir, boah, dann probieren wir es doch mal selber. Schauen wir mal, wie weit wir kommen. Und hier war das Produkt, da war unsere Idee. Und dann geht es auch noch darum, eine schöne Brand zu kreieren. Und das war ja nun unser Vorteil.
[00:08:09] Krass. Und jetzt heute, wenn wir Vorspulen auf, Stand heute 2026, acht Jahre nach Gründung. Wo steht die Firma? 60 Millionen Umsatz. Krass. In zehn Ländern inklusive der USA. Wow. Also ja, das hat sich ganz gut entwickelt. Und sehr profitabel? Profitabel. In Europa Marktführer. Okay. Marktführer in der Kategorie Supplement Gummies. Ja. Okay.
[00:08:31] Und jetzt kann man sagen, geil, so eine Supplement Brand, wenn sie funktioniert, weiß man, hat hohe Margen, ist logistisch, ist einfacher als irgendwie so eine dreiteilige Eckcouch zu verschicken. Also es gibt so ein paar Sachen, wo man sagt, ah, das ist ein cooles Geschäftsmodell. Auf der anderen Seite ist es aber super hart. Also weil der Markt ist ja extrem umkämpft. Viele wollen da rein. Es gibt Lohnhersteller, die füllen dir jede Pille in irgendeiner Weise ab. Also wie setzt man sich da durch?
[00:08:54] Richtig. Also ja, die Einstiegshürden scheinen erstmal wahnsinnig niedrig. Deswegen gehen auch viele in den Markt. Alles, was du gerade gesagt hast, ist richtig. Es ist ein Produkt, das du immer wieder bestellst im Idealfall. Das heißt, du hast die Retention eigentlich gleich eingebaut. Auf dem Papier erstmal alles mega. Haben wir auch so gesehen, obwohl das waren eigentlich alles so Added Bonuses. Das war jetzt gar nicht so unser Businessplan, diese ganzen Sachen. Wir fanden einfach das Produkt so spannend.
[00:09:18] Und wir wollten ja damals was für Amazon machen. Wir hatten ja überhaupt keinen Plan. Es war nie der Plan, hier eine europaweite D2C-Brand aufzubauen. Das kam dann irgendwie alles zu unserer Wege. Wir dachten erstmal Amazon. Wie kam es dazu? Wie kam es zu Amazon? Ja, mein Mann hat bei Amazon, das war sein erster Job nach dem BWL-Studium, der war so New Accounts Manager bei Amazon. Der hat Brands ongeboardet auf Seller Central für zwei, drei Jahre.
[00:09:44] Zum Zeitpunkt der Gründung war er da schon gar nicht mehr, aber dadurch habe ich gesehen, ah ja, guck mal, da kommen immer neue Brands. Das sind alles irgendwelche jungen Menschen mit so ein paar SKUs und da kannst du wirklich was reißen relativ schnell. SKUs, Stockkeeping Units, so Produkte im Grunde. Also da kommen Brands rein, die Listen, was funktioniert. Ist ja interessant, den Einblick in den Maschinenraum zu haben. Also auch so ein Grund, warum Leute anfangen der Karriere VC werden können, zu sagen, geil, da sehe ich erstmal irgendwie tausend Businesspläne und kriege erstmal Einblick, was funktioniert, was funktioniert nicht.
[00:10:10] In dem Fall war dein Mann quasi drin und hat gesehen, tausend Brands, was funktioniert, was funktioniert nicht. Richtig. Und wir dachten, ja, okay, also das kriegen wir jetzt ja irgendwie auch noch hin. Amazon, muss man auch echt sagen, wurde schwerst vernachlässigt zu dem Zeitpunkt. War ja schon eine riesen E-Commerce-Maschinerie, aber die traditionellen Brands haben sich ja alle ein bisschen zu gut dafür gefühlt, ehrlich gesagt. Ich hab da teilweise besser gerankt, wenn jemand Gummibärchen eingegeben hat als Haribo und so weiter.
[00:10:33] Ja, also die Story stimmt. Und das lag einfach nur daran, dass Haribo Amazon ignoriert hat und dann kommen halt irgendwelche Reseller mit einem shitty Produktlisting und dann kannst du dich halt mit einem guten Produktlisting tatsächlich vorne dran setzen. Ist heute so wahrscheinlich nicht mehr möglich. Die meisten Großen haben es inzwischen auch geschnallt, wie wichtig dieses Ökosystem ist, aber das wurde schon viel gesnuppt damals, sowohl von großen, bekannten Brands als auch von neuen Brands,
[00:10:59] die gesagt haben, nee, da kannst du ja keine Brand aufbauen, das muss irgendwie D2C passieren. Aber warum nicht? Du hast eine riesige Reichweite, eine riesige Sichtbarkeit, der Traffic ist schon da, du hast das gesamte Frontend, du hast die Logistik, so what's not to love. Du kannst es halt wirklich mal auch für Marktforschung benutzen. Du baust ein MVP, wirfst es drauf, da hast du wirklich keine großen Einstiegskosten oder Einstiegshirnen und dann kannst du halt iterieren mit dem ganzen Feedback, was du bekommst, weil du kannst viele Zahlen auslesen und du bekommst sofort Reviews.
[00:11:26] Und das hilft dir alles, dieses Produkt zu verbessern und irgendwie marktfähig zu machen. Was musst du dir anders machen als Amazon First Brand im Vergleich zu einer Brand, die D2C, Direct-to-Consumer anfängt, über einen eigenen Shop verkauft oder die in Retail geht? Also was waren die Amazon-spezifischen Sachen, die ihr umgesetzt habt? Also ganz ehrlich, ich habe mir damals ein Buch bestellt, das war so Seller Central for Dummies, blöd gesagt, hieß glaube ich anders, aber egal.
[00:11:49] Selbstes Thema und habe erstmal geguckt, ja gut, was musst du machen, wie muss so eine Produktdetailseite aussehen, wie muss die gepflegt sein, was sind irgendwie die wichtigen Dinge. Dann machst du eine gute Keyword-Recherche und schreibst deine Texte. Aber was für uns, glaube ich, der größte Amazon-Hack war, war das Packaging, also der Look von diesem Produkt.
[00:12:08] Wenn du damals an Supplements denkst, es war ja noch nicht so der krasse Hype-Markt, es gab eigentlich so die etablierten Brands und dann gab es ein paar erste mehr so Öko-Brands, die mit grünen Blättern, die so da reingegangen sind. Aber es war eigentlich erstmal alles weiß. Und wir haben, als wir dieses Packaging entwickelt haben, hatten wir immer die Amazon-Search-Overview-Seite auf dem Desktop und haben das da reingesetzt. Und haben geguckt, wie guckt das im Thumbnail aus, knallt das da raus für dieses Keyword, für dieses Keyword.
[00:12:35] Wie sieht die Suchergebnisseite aus und knallt mein Produkt da raus. Das erste war noch pink-orange, wesentlich knalliger als das eben auch noch. Und es hat rausgeknallt. Ach krass, okay, das rollt jemand durch und bleibt hängen. Ja, und wir haben geguckt, kannst du herlesen, kannst du Biotin lesen? Und dann verstehst du in der ersten Sekunde, was dieses Produkt mir sagen soll und was der Inhaltsstoff ist, den ich vielleicht gerade gesucht habe in der Suchergebnisseite.
[00:12:59] Wir haben direkt gesehen, okay, Biotin 10.000 MCG, das ist irgendwie das Long-Tail-Keyword Mikrogramm in dem Fall. Also die Dosierung beim Biotin war tatsächlich wichtig. Also haben wir das Produkt so entwickelt, dass es dieser Dosierung entsprochen hat. Und haben das Biotin klar, gut lesbar, hoher Kontrast da vorne drauf geknallt. Und das waren, glaube ich, wirklich so die Hacks am Anfang, die dafür gesorgt haben, dass das auch geklickt wurde. Und dass die Leute da irgendwie Aufmerksamkeit drauf bekommen haben. Weil du weißt ja, Aufmerksamkeit ist irgendwie das höchste Gut heute. Scroll, scroll, scroll. Da klickst du drauf.
[00:13:28] Ihr habt reverse-engineert vom Amazon-Algorithmus und von den Produktseiten. Ja. Wie können wir auffallen? Und rein zufällig hat das Ganze dann auch im Shell funktioniert. Ja, okay, das könnte man auch sagen. Du gehst durch den Supermarkt durch und willst Zahnpasta verkaufen, schaust dir das Zahnpasta-Regal an. Wie sieht das alles aus? Und kannst dir überlegen, okay, wie steche ich jetzt hervor? Absolut. Okay. Du hast geschrieben, Community ist unser größtes Kapital. Was bedeutet das? Ja, wir haben gerade am Anfang wahnsinnig nah an der Community aufgebaut und mit der Community.
[00:13:57] Also wir haben das direkt Instagram, das war so unser Kanal. Wir haben immer so die Zielgruppe definiert. Okay, das sind Millennials, vielleicht auch Frauen, die gerade Mütter werden. So wie wir halt selber auch. Wir haben es ja auch ein bisschen für uns gemacht. Wo findest du die erstmal? Auf Instagram. Deswegen war das so der Social-Media-Kanal unserer Wahl. Und haben da halt mit Content und Follower-Aufbau begonnen. Und haben ehrlich gesagt jede Produktentwicklung an dieser wachsenden Community abgetestet. Also wir hatten immer Freitag Sprechstunde.
[00:14:24] Da konnte jeder im Fragensticker seine Fragen reinschreiben oder seine Produktideen. Und jedes der ersten zehn Produkte kam aus diesem Fragensticker eigentlich raus. Wir haben ausgewertet, was wird am häufigsten genannt. Was suchen die Leute? Was wollen die Leute? Das war mega wichtig. Wir haben auch eine ganze Sprechstunde, als wir dann eine Ernährungswissenschaftlerin an Bord hatten, haben wir so eine ganze One-on-One-Sprechstunde angeboten. Die haben teilweise eine Stunde mit der telefoniert. Null skalierbar haben wir auch keinen Cent mit verdient.
[00:14:50] Aber wahnsinnig wichtiger Input, Feedback von den Kunden halt auch wirklich das zu bekommen. Und so haben wir Produkte entwickelt. So haben wir Auslandsmärkte bestimmt. Das kam alles irgendwie so aus der Community raus. Und das heißt primär online, primär Instagram. Und Kommunikation heißt, ihr habt eine Frage in den Raum gestellt und habt Antworten gekriegt. Also quasi nicht, ich bespiele die Community 1 zu N wie ein Newsletter, sondern ich frage, was wollt ihr haben, was findet ihr gut? Ja, und unsere allererste Angestellte nach quasi nicht anderthalb Jahren war auch eine Social-Media-Managerin.
[00:15:19] Weil wir schon gesehen haben, wir müssen davon mehr machen. Und das war jetzt natürlich der klassische Founder-Content. Also das ist ja heute, heute musst du als Gründerin dich ja quasi schon vor die Kamera stellen. Das war jetzt noch nicht so. Wir haben das auch nicht total gescheut, aber es war überhaupt nicht auf uns basierend. Ja, wir wollten immer eine Brand von Frauen für Frauen sein. Das war uns auch wichtig, weil die Zielgruppe eben auch so total weiblich ist. Aber wir waren nie so im Zentrum der Brand, würde ich sagen. Was würdest du heute, wenn dich eine Gründerin fragt,
[00:15:45] also hey, ich bin bei Null und baue eine Consumer-Brand und ich will auch eine Community aufbauen. Was gibt es dir heute auf dem Weg, was vielleicht anders ist als damals? Ja, ich finde das schon, dieses Community First, was einige gerade fahren, finde ich mega spannend. Also die Laura Ditscher zum Beispiel von Nuller. Ja, bin ich beteiligt. Ah, wusste ich jetzt gar nicht. Finde ich halt mega geil, noch vor dem Launch schon so Community aufzubauen.
[00:16:12] Und irgendwie jetzt 5000 oder mehr Follower zu haben, bevor irgendjemand auch nur dieses Produkt überhaupt mal kaufen konnte. Die macht Energydrinks für Frauen, das ist der Kontext. Also healthy energy, low sugar und... Also nochmal viel krasser, ja, allein in der Produktentwicklung vorher schon so stark andere Menschen oder eben aus der Zielgruppe andere Frauen mit einzubeziehen. Also das ist schon ein Lehrstück für mich. Hä, die sagt im Pitch-Tech gibt's einen Sly, da steht drauf so, meine Co-Founderin sind 200 Frauen. Das stimmt, also in diesen WhatsApp-Gruppen, das ist echt eine Aktivität, also das ist crazy.
[00:16:41] Die schicken da immer diese brennenden Herzen immer und kommentieren. Ja, das ist doch geil, so musst du es doch machen. Die züchtet sich da so eine Follower-Armee ran, auf eine positive Weise, dass sie dann auch sagen kann, guck mal, hier ist ein Launch, kommentier da mal drunter und so weiter. Was ja auch für einen Algorithmus gut ist, einfach quasi eine Schwungmasse von ein paar hundert Frauen in dem Fall zu haben, die sie supporten können. Ja, also das ist Next Level, kudos, echt. Ja, okay, witzig, dass du dir als, freut mich natürlich, haben wir nicht abgesprochen.
[00:17:07] Jetzt erzähl mal über Channels, also wir haben über Amazon gesprochen, da seid ihr gestartet, so später auch D2C gegangen, was eine interessante Reihenfolge ist, also quasi erst über den Marktplatz, dann über den Shop und jetzt auch große Retail-Präsenz. Wie schaust du jetzt im Nachhinein auf die Reihenfolge dieser Channels? Die Frage stellen sich ja viele, soll ich direkt den Handel? Stellt sich die Laura übrigens auch, kriegt jetzt Anfragen von irgendwelchen Edeka-Märkten und so und überlegt sich so, soll ich mich da als listen lassen oder nicht? Oder soll ich nur über meinen eigenen Shop verkaufen oder vielleicht in Pilates-Studios? Ich weiß es also so.
[00:17:34] Was gibst du der Laura auf dem Weg, wenn es um die Auswahl der Kanäle geht? Erstmal immer Ja sagen. Ja sagen? Ja, ich finde schon, also zu Sichtbarkeit würde ich niemals Nein sagen. Und ein Handel ist auch erstmal immer Sichtbarkeit. Wir haben das fast schon als Marketing-Tool gesehen für uns. Unser Weg war ja tatsächlich erst Amazon, dann Retail, dann D2C. Das wäre auch gar nicht anders gegangen. Wir haben so vier Monate auf Amazon verkauft und 50 Stück am Tag dann irgendwie verkauft.
[00:18:03] Das war schon eine ganz schöne Baseline. Da hat mir ein Freund geschickt, hey, hier gibt es einen Startup-Wettbewerb bei Douglas. Die suchen jetzt irgendwie junge Beauty-Brands. Wäre doch was für euch. Ihr seid doch eine junge Beauty-Brand. Ja, okay, cool. Einsendeschluss übermorgen. So wie sie mal ist. Dann klopfen wir jetzt mal ein Pitch-Deck hier irgendwie raus. Haben uns beworben, haben das Ding gewonnen. Tina Müller, Schirmherrin, hat uns dann auch total protisiert. Das war mega geil. Wir wussten nicht, was es zu gewinnen gibt. Es gab zu gewinnen eine deutschlandweite Listung bei Douglas.
[00:18:33] Hast du nachausgefunden? Ja. Und wer sind wir dann jetzt zu sagen? Nee, also ich möchte strategisch eigentlich gerade die Tussi machen. Das wäre ja schön blöd gewesen. Und mit welchem Geld überhaupt? Also diese Douglas-Listung, das war natürlich eine sechsstellige Bestellung. Weil das ist ja der Punkt, du brauchst Working Capital. Du bist seit tausenden Filialen im Zweifel oder in hunderten Filialen. Ja, genau. Und da war der Cash. Und dann haben wir halt echt ein Jahr lang das gemacht. Und von Douglas, ehrlich gesagt, mit der Sichtbarkeit von Douglas kam DM, kam Rossmann, kam BIPA in Österreich. Das kam inbound zu uns.
[00:19:05] Deswegen eins bedingt das andere. Und das hat uns dann wirklich den Cashflow eingebracht, um überhaupt die Tussi machen zu können. Also wir haben dann schon gesehen, ja, das ist jetzt alles super cool, aber du bist in einer hohen Abhängigkeit gerade von zwei Channels, die dir das auch jeden Tag wieder wegnehmen können, wenn sie lustig sind. Das ist ja die große Gefahr. Ah, du sagst bei Amazon, ja, das ist gut, um zu starten. Aber so, Amazon macht auch Basic Brands, also quasi die Eigenmarken und so weiter. Der Handel macht das genauso. Die können dich runterlisten im Zweifel, die wollen dann Geld für Adspend.
[00:19:34] Also so, du bist in einer massiven Abhängigkeit und hast dir gesagt, okay, das müssen wir hedgen auf eine Weise. Ganz genau, das wollten wir diversifizieren wirklich. Wir haben gesagt, okay, dann ist doch jetzt T2C jetzt der Moment gekommen. Jetzt können wir uns das leisten, überhaupt mal einen Shop hinzustellen und eben auch Kundenakquisitionen zu betreiben. Ist ja klar, dass du den Traffic dann erstmal einkaufen musst. Und dann hatten wir halt wieder wahnsinniges Timing-Glück, weil wir diesen Shop gelauncht haben in Deutschland. Ich glaube, vier Wochen später kam Corona, kamen die Lockdowns.
[00:20:02] Und dann ist natürlich der Retail erstmal abgekackt. E-Commerce ist halt völlig abgegangen. Da kam dann wirklich die große Welle, die wir definitiv auch mitgeritten sind. Und erst jetzt siehst du halt wieder die Verschiebung langsam zurück zu einer Multichannel-Welt. Aber für uns war das immer gut so, dass wir diesen Split hatten. Auch wenn wir zwischenzeitlich bei 80 Prozent D2C waren, hatten wir immer Amazon und den Handel auch stabilisieren, weil das mehr EBDA bringt, ehrlich gesagt.
[00:20:31] Mehr Profit für uns bringt als D2C. Wirklich? Ja. Wieso ist das so? Weil man sollte ja meinen, also viele sagen ja D2C super, weil du kannst die ganze Marge überhören. Du hast die Herstellermarge und die Handelsmarge. Jetzt sagst du, ah nee, mein Gewinn ist höher auf den Plattformen, die selber Händler sind. Warum? Ja, weil das ein Trugschluss ist. Weil wer hat denn eigentlich die Marge? Meta hat die Marge. Influencer haben die Marge. Dein Marketing-Spend wächst und wächst halt. Also wenn du heute 35 Prozent Marketingkosten bei D2C hast, bist du ein Rockstar.
[00:20:59] Wahrscheinlich gehst du gerade eher Richtung 50 Prozent oder mehr. Wahrscheinlich bist du auf der ersten Order gar nicht mehr profitabel. Das hast du halt nicht im Handel und bei Amazon. Im Handel, ja, du gibst die Handelsmarge ab, aber dann kommt ja nichts mehr. Du hast keine Marketingkosten. Ja, wenn du cool drauf bist, gibst du den 5 Prozent. Du machst mal irgendwie einen Handzettel oder eine Promo. Du hast keine Logistikkosten, keine Nennzwerken. Du schiebst da die Paletten rein und fertig. Genau, fertig. Du hast keine Payment-Kosten. Ja, also diese ganzen Dinge. Du hast keine Retouren. Du hast keine Retouren, wenn du es gut verhandelst.
[00:21:27] Du hast relativ niedrige Personalkosten, ehrlich gesagt. Das kannst du, also wenn du jetzt nicht gerade Apotheke machst oder auch so ganz kleinteiligen LEH für Drogerie, haben wir selber gemacht das ganze erste Jahr. Jeden Lieferschein, das ist ja nicht viel. Das ist interessant, weil die These in genau dieser Zeit, so 2020, 2021, die Zeit der D2C-Brands, wo alle gesagt haben, ja, ich kaufe mir eine Matratze jetzt online und meinen Koffer und meine Brille und was auch immer. Da gibt es in jeder Kategorie mehrere Brands, die auch groß geworden sind. Die Funding aufgenommen haben, können wir auch gleich drüber reden.
[00:21:55] Aber die These war ja immer, okay, wenn du deine Kunden direkt adressierst, dann hast du die Daten von denen, dann kannst du besser CRM machen, denen E-Mail schicken und so weiter und du hast im Endeffekt eine bessere Marge. Aber es hat sich so entwickelt, dass du sagst, nee, die ganze Marge ist eigentlich bei Meta und Google und so weiter angekommen. Ich befürchte ja. Krass. Okay. Deswegen eine schöne Mischkalkulation. Ist eigentlich gut, weil andererseits kannst du halt über Handeln nicht so krass wachsen. Die Skalierbarkeit ist ein bisschen kleiner, weil der Self-Space begrenzt ist. Du musst halt viel mehr kämpfen, um da jetzt irgendwie eine breite Produktpalette reinzukriegen.
[00:22:21] Das ist halt Vorteil D2C. In deinen eigenen Shop kannst du stellen, was du willst. Die Leute kaufen mehr als ein Produkt. Du kannst hohe Wagenkörbe erreichen. Wir kaufen dann halt nicht eins für 25 Euro, sondern mindestens zwei für 50 Euro plus. Da kommen da halt die Margen her. Wie bleibt man am Retail drin? Weil gefühlt sind die ja super offen, Produkte initial zu listen und auszuprobieren. Und die haben alle ihre Startup-Programme. Und also gefühlt testen die super viel.
[00:22:49] Aber wie kriege ich es hin, da jetzt auch über mehrere Jahre auch einen guten Platz im Regal zu behalten? Ja, agree. Also ich glaube, es ist leichter, in den Retail reinzukommen, schwerer denn je, dort zu bleiben. In unserem Fall war es fast schon so eine Art Nicht-Angriffspakt. Was heißt das? Also große FMCG-Giganten haben ja einen Außendienst, haben ja Leute, die quasi so im täglichen Kontakt mit dem Retail stehen. Wir hatten das gar nicht. Wir haben das Produkt initial da reingebracht. Ich nehme jetzt einfach DM als Beispiel.
[00:23:16] Du machst am Anfang eine Testlistung, stehst du normalerweise auf so einem Tim-Tisch, musst dich da durchsetzen. Also wenn sich dann das gut verkauft, dann hast du eine Chance auf die permanente Regallistung. Welche KPI schauen die sich an, wenn du da im Review bist nach zwei Wochen? Was sagen die dann? Die haben sich die Sales pro Tag an. Also die haben eine gewisse Menge geordert und gucken, ob das weggegangen ist oder dann auch rumsteht. Was ist da gut und was ist schlecht? Boah, das kann ich dir nicht sagen. Ich weiß gar nicht mehr, was die erste Order war. Kann ich dir nicht mehr sagen. Ja. Ich weiß noch ziemlich genau, was beim Teleshopping die KPI ist, nämlich 1000 Euro Umsatz pro Minute.
[00:23:46] Aber bei DM weiß ich gar nicht mehr, auf was die… Aber es sind meistens so, es sind auch teilweise so ein- oder zweistellige Zahlen. Es ist nicht so, dass du da 100 Units am Tag verkaufst, sondern es ist teilweise so irgendwie… Also 5 bis 20 oder sowas oder? Also 30 am Tag bei dem Tim-Tisch, wenn ich mich jetzt recht erinnere. Bin ich aber nicht lügen. Ja, genau. Und dann haben wir eben auch mit dem Haarprodukt, und das war glaube ich auch unser großes Glück, wir sind mit diesem Haarprodukt ins Haarregal gekommen.
[00:24:12] Das war der Einkäufer, der uns damals angesprochen hat, weil wir noch gar keine großartig größere Produktpalette hatten. Und wir stehen bis heute da bei den Trockenshampoos im Shampoo-Regal, was eines der… Du stehst nicht im Nahrungsergänzungsregal, sondern du stehst neben dem Shampoo. Ja. Und das ist halt eines der höchstfrequentiertesten Regale im ganzen Drogeriemarkt. Das ist halt für uns einen unfassbaren Wert, dass wir da drin stehen können. Und nicht bei allen im Nahrungsergänzungsregal, was eine Shit-Show ist, ehrlich gesagt. Ja, so bunt und unaufgeräumt.
[00:24:40] Und oft ist es halt auch im Untergeschoss oder so, hat gar nicht mehr so die Frequenz. Und das ist halt super für uns. Wir haben denen halt eine gute Marge gegeben, haben da gar nicht groß rumverhandelt und haben gesagt, das ist jetzt hier eigentlich Marketing-Placement, das darf da stehen. Und da seid ihr dann auch die Einzigen in der Kategorie, die da stehen. Ah, okay. Ist natürlich auch wieder optimiert von der Regalfläche, wenn man da drauf schaut, okay, wie falle ich auf? Also erstens bin ich eine komplett andere Kategorie. Richtig. Ich bin keine Spülung, sondern ich bin Gummibärchen. Da gucken Leute erstmal hin und dann kannst du das Packaging natürlich optimieren und da ist ein Bär drauf.
[00:25:10] Ach, verstanden, okay. Was hast du über Verhandlungen gelernt mit Retailern? Du bist eine gute Verhandlerin, habe ich mir sagen lassen. Wer sagt das? Ich habe meine Quellen. Das ist witzig. Ich würde von mir selbst sagen, ich bin eine miserable Verhandlerin. Das ist mir nämlich super unangenehm. Ach du, es ist ja, wie kannst du da gar nicht verhandeln? Du kriegst einen Margenvorschlag und dann kannst du noch einen Gegenvorschlag machen, was du besser findest. Aber das ist schon sehr, sehr narrow. Und über UVPs darfst du sowieso nicht sprechen.
[00:25:40] Das ist ja bei Todesstrafen verboten. Deswegen, das ist halt immer so ein bisschen Rumgeeiere. Aber ich muss ganz ehrlich sagen, es gibt über den Handel und über die Verhandlungen ja krasse Horror-Stories. Die sperren dich in den Raum ohne Getränk und lassen dich ja drei Stunden warten. Was ich nicht alles gehört habe. In der Situation waren wir nie und wir waren auch nie in Karlsruhe oder wo die Firmensätze so sind. Bei Dm in der Zentrale. Bei FIFA waren wir mal in Wien tatsächlich. Aber das war ein sehr angenehmes Gespräch. Also das fand ich voll in Ordnung. Okay.
[00:26:11] Und wie kann man da, also über was redest du da eigentlich? Über die Marge zum einen? Ja. Aber auch so, in welchem Regal stehe ich? Gibt es Promomöglichkeiten? Gibt es einen WKZ-Werbekostenzuschuss? Also was sind so die Variablen in so einem Gespräch überhaupt? Ja, also wir haben da ehrlich gesagt relativ deutlich gemacht, wir könnten euch diese Marge geben. Aber darüber hinaus ist nicht viel Spielraum. Und das meinte ich vor allem mit nicht Angriffspakt. Die haben die genommen und haben uns in Ruhe gelassen, was jetzt irgendwelche Promos angeht. Und wir haben sie in Ruhe gelassen, was Preiserhöhungen angeht. Zumindest für viele Jahre.
[00:26:39] Bei anderen Retailern war es anders. Da haben wir dann auch Promos gemacht. Auch Amazon würde ich inzwischen auch als Retailer betrachten, weil wir da auch in den Vendor irgendwann gewechselt sind. Das heißt, die kaufen auch direkt bei uns ein. Da wiederum machen wir super viele Promos. Die haben halt ständig irgendwelche Prime Day, Black Friday, Spring Deals, you name it. Und das heißt, da fragen die dann, hey, können wir hier Rabatt geben? Oder macht ihr da mit? Genau. Du hast mir gesagt, der Supplementsmarkt, wie wir ein bisschen drüber gesprochen haben, ist auch eine Schlangengrube. Auf eine Weise. Ja. Das haben wir im Vorgespräch gesagt.
[00:27:10] Ja, ist so. Also wird, glaube ich, unterschätzt. Wir haben vorher gesagt, es gibt niedrige Einstiegsbarrieren. Also man denkt erstmal, das wird ja auch immer so gern gesagt, der Supplementmarkt in Deutschland ist überhaupt nicht reguliert. Das ist wilder Westen. Da kann jeder erstmal rein mit einem Produkt. Würde ich ein bisschen widersprechen. Also es stimmt, du kannst ein Produkt erstmal auf den Markt schmeißen und musst nur eine Anmeldung ausfüllen dazu. Recht viel mehr wird nicht geprüft, aber der Markt reguliert sich dann relativ schnell selbst.
[00:27:39] Also gerade in Deutschland geht es halt ziemlich schnell, dass du Abmahnungen einfahren wirst für irgendeinen Makel, den dein Produkt mit Sicherheit auch haben wird. Und das bekommst du von Wettbewerbern, das bekommst du von Verbraucherschutzverbänden, das bekommst du vom Landratsamt. Also es gibt tatsächlich mehrere Gegner, sage ich jetzt mal, die da regulierend wirken auf diesem Markt. Erklär mal, wie die alle angreifen. Die greifen unterschiedlich an. Die greifen alle postalisch an und unter dem Deckmäntelchen von Anwaltskanzleien.
[00:28:09] Muss man dann erstmal rausfinden, von dem es eigentlich kommt. Also ja, es gibt ein paar Fallstrecke. Also der größte ist auf jeden Fall die Health Claim Verordnung, die europäische Health Claim Verordnung. Dass du nicht sagen darfst, guck mal, wenn du dieses Gummibärchen isst, dann werden deine Haare voller oder wie auch immer. Das wäre jetzt schlecht. Korrekt, ja. Alles was ich sagen darf ist beispielsweise, Biotin trägt zum Erhalt normaler Haare bei. Also ein schöner Behördensatz, mit dem sich jetzt erstmal nicht besonders viel anfangen lässt. Der kippt wahrscheinlich auch nicht so gut.
[00:28:37] Auf europäischer Ebene ist für jedes Vitamin, für jeden Mineralstoff, für jeden Kofaktor, egal was, festgelegt. Was du sagen darfst und was eben auch nicht. Und für ganz viele Stoffe gibt es überhaupt keine Health Claims. Also um mal ein paar Hits der letzten Jahre zu nennen, Kollagen, Ashwaganda, kein einziger Health Claim zugelassen auf europäischer Ebene. Das heißt, sobald du den Mund aufmachst, bist du eigentlich abmahnfähig mit deinem Produkt. Manche segeln da Härte am Wind als andere auf jeden Fall.
[00:29:05] Aber es ist immer schön, kommt mal wieder eine neue Influencerin mit ihrer Supplement Brand auf den Markt und sagt hier so, ich als Mutter empfehle mein Omega-3-Gummy, bei das meinen Kindern beim ADHS hilft. Zack, Abmahnung. Dann fällst du vom Stuhl, ja. Zack, Abmahnung. Wir haben sie nie verschickt, ehrlich gesagt. Ich halte das für schlechtes Karma. Wir haben uns da echt rausgehalten, aber der Markt regelt das. Okay. Und dann kriegt man so einen Brief, was steht da drin?
[00:29:28] Dann kriegst du so ein 90-seitiges Dokument in der Regel, wo irgendjemand sich abgearbeitet hat an jedem einzelnen Detail. Das ist schon Wahnsinn. Dann ist da meistens eine rasend hohe Summe erwähnt, die an Strafzahlung fällig wird, wenn du das jetzt nicht so unterschreibst und unterlässt für die Zukunft. Also das ist wahnsinnig einschüchternd am Anfang. Wie bist du damit umgegangen, als du zum ersten Mal so ein 90-seitiges Ding da auf dem Tisch hattest? Ja, das hat uns umgehauen. Was stand da für eine Summe drin? 250.000 Euro.
[00:29:58] Bei irgendwie 30.000 Umsatz gerade im Monat. Und das kam auch relativ schnell. Das war glaube ich nur auf der Amazon-Produktdetailseite basierend, was wir da schon irgendwie alles an falschen Aussagen drauf hatten. Also klar, am Anfang haut ich das um, aber dann bist du halt dazu gezwungen, dir auch relativ schnell einen guten Lebensmittelrechtler zu besorgen. Und irgendwann ist es nur noch Montag. Anwalt auf Speed Dial. Einfach weitergeleitet, die E-Mail, kommentarlos. Hier ist wieder was Neues. Kümmer dich drum.
[00:30:28] Okay, was Meta im Marketing abzwackt, so verdienen die Anwälte auf beiden Seiten bei den Abmahnungen. Ja, es bleibt nicht aus. Und ich meine, das sind die einen Sachen, ja, wenn du irgendwie einen falschen Health Game drauf hast. Oder auch Produktkennzeichnung, Label-Kennzeichnung. Auch da gibt es natürlich viele Fallstricke. Eine viel zu kleine Schrift oder was weiß ich. Was kann da zu klein sein? Pflicht alles kann zu klein sein. Außer her.
[00:30:51] Da kriegst du Bilder, wo jemand mit einem Lineal hier neben dem Mikroskop das irgendwie daneben hält und sagt, das ist jetzt aber keine 3,3 Millimeter groß. Das muss aber so und so sein. Und gerade wenn du im Handel bist, die laufen da rum und ziehen Proben, gucken sich das exakt an. Ja, das ist die Reihenfolge der Ingredients, die dann irgendwie nicht stimmt. Das sind aber auch so banale Sachen, wie das wir in Deutschland herstellen. Und dann ein Made in Germany Claim hergestellt in Deutschland draufschreiben.
[00:31:20] Das darfst du aber gar nicht, wenn du nicht beweisen kannst, dass nicht jede einzelne Zutat des Produktes auch in Deutschland hergestellt wurde. Was natürlich gar nicht möglich ist. Die Stärke oder was weiß ich wird immer aus China kommen. Also es gibt wirklich tausend Sachen, die man falsch machen kann und es wird immer noch was gefunden, auch wenn du denkst, jetzt müssen wir ja irgendwann mal rechtlich sicher sein. Ja, das bleibt echt nicht aus. Aber es gab eben auch krasse Sachen.
[00:31:43] Es gab auch wirklich Klagen von Pharmakonzernen, wo dann irgendwie der Inhouse-Jurist gerade Lust hat, kleine Startups fertig zu machen und total unfundierte Klageschriften schickt. Und dann hast du wirklich so einen Prozess, so ein Gerichtsverfahren und musst Gutachter beauftragen. Und der Anwalt hat auch mal richtig was zu tun, nicht nur auf eine Abmahnung zu antworten. Und dann gewinnst du das in erster Instanz und es kommt aber nochmal eine Berufung.
[00:32:08] Und im Zweifel, am Ende entscheidet das in Deutschland ein Richter, der sieht hier auch nur Gummibärchen mit Vitaminen. Kenn ich nicht, mag ich nicht. Finde ich im Zweifel auch erstmal schlecht. Das kann dir halt immer passieren und dann ist deine Geschäftsgrundlage weg. Das ist halt super gefährlich und das hat uns schon irgendwann Angst gemacht, ganz ehrlich. Wie kann man sich da absichern als Founder? Oder ist das einfach Teil des Deals, wenn du in dem Bereich unterwegs bist? Ehrlich gesagt, das ist Teil des Deals. Ich glaube, damit haben auch alle zu kämpfen. Krass. Also Socken verkaufen ist manchmal einfacher.
[00:32:38] Okay, da kommt die Verbraucherzentrale nicht. Welcher Teil? Ich weiß es nicht. Müssen wir Johannes von Sox mal fragen. Es gibt bestimmt so Bündchen-ISO-Werte oder so. Genau, genau. Welcher Teil der Kritik an der Supplement-Branche ist gerechtfertigt? Also ja, es steht und fällt mit den Health Claims. Viele gehen viel zu wild rein oder nehmen halt eine kleine Herstellerstudie und basieren darauf die wildesten Claims.
[00:33:05] Und da gibt es sehr, sehr große Player, die sich sehr, sehr weit aus dem Fenster gelehnt haben. Und wo das komplett einkalkuliert ist, dass da immer irgendwie fünf Verfahren parallel laufen. Okay. Das ist de facto so. Und wenn jemand sagt, hier ein Melatonin, das heilt Krebs oder verhindert Krebs, weil du ja in Schichtarbeit ein höheres Krebsrisiko hast. Und wenn du Melatonin machst, kannst du aber schneller einschlafen, wenn du außerhalb deiner Schichtarbeit schlafen willst. Boah, das ist schon hart an den Haaren herbeigezogen. Aber das ist alles da gewesen, auch von großen Playern.
[00:33:35] Krass. Ja. Wie arbeiten Brands da drumherum? Ich frage mich also, wenn du keine Health Claims machen kannst, was ich oft sehe aufs Abkommen-Seite, das ist so Vorher-Nachher und so Customer-Testimonials und so weiter. Da schiebst du natürlich so ein bisschen die Beweislast zum Kunden und gibt es ja quasi einfach nur wieder, was der gesagt hat. Also ist das so der Way to go? Oder wie arbeiten Brands da in einem legalen Framework drumherum? Ja, also Influencer und Leute, die auf ihren Kanälen in deinem Namen sprechen und von ihren persönlichen Erfahrungen berichten. Das ist auf jeden Fall ein Weg. Das haben wir ja auch sehr stark gesehen. Ganz ohne ist es auch nicht.
[00:34:05] Also du kannst auch Second Party sozusagen dafür zur Verantwortung gezogen werden. Weil du bezahlst ja auch ein Stück weit. Weil du sie bezahlst, ganz genau. Performance-Based oder irgendwie fix oder wie auch immer. Ganz genau. Das gleiche gilt für Ärzte. Also empfohlen von Dr. XY geht auch nicht. Hast du auch gleich wieder irgendwie ein Thema. Das ist tatsächlich gar nicht so einfach. Du bist ein bisschen darauf angewiesen, dass die Leute auch selber recherchieren. Und so einen Wirkstoff auch einfach mal bei Google eingeben oder inzwischen in die AI.
[00:34:32] Und das ist glaube ich unter anderem das Geheimnis von einem Sunny Natural, um das jetzt mal zu nennen, dass sie auf Google so gut gerankt haben und das SEO-mäßig so gut angestellt haben. Für die Wirkstoffe? Ja. Dass wenn die Leute nach einem Wirkstoff bereits gesucht haben, also gerade schon rausgefunden haben, was er eigentlich tut und was er kann, dann halt direkt auch mit dem Listing da zu sein, dann musst du auf deiner eigenen Seite gar nicht mehr viel sagen. Weil du den Trust von Google quasi erbst ein Stück weit. Okay, wenn du bei Google oben bist, dann wird das schon irgendwie gut sein. Weil der Konsument bereits informiert zu dir kommt.
[00:35:02] Und du nicht mehr diese Education-Arbeit leisten musst, die du nicht leisten darfst. Wenn euch die heutige Founder Mode-Folge gefällt oder euch jemals eine Founder Mode-Folge gefallen hat, dann drückt den Abo-Button, um nächsten Freitag darauf hingewiesen zu werden, dass es eine neue Folge gibt, wo wieder spannende Erfahrungen, Storys und Insights drin sind, mit denen ihr euer Unternehmen aufs nächste Level bringen könnt. Drückt den Abo-Button und wir sind euch für immer dankbar. Bei uns war Bootstrapping zuerst keine bewusste Entscheidung, niemand hat uns ernst genommen.
[00:35:32] Was als Limitation begann, wurde unser größter Hebel. Ja, es war nie der Plan. Also wir hatten ja nie den Plan, große Start-up zu gründen. Deswegen haben wir uns auch über die Finanzierung überhaupt keine Gedanken gemacht. Wir waren nicht mehr Anfang 20, wir kamen nicht von der Uni. Es war okay für uns, da einfach mal ein bisschen Geld selber reinzustecken. Wie viel habt ihr reingesteckt? Die GmbH-Gründung. 25.000 oder? Genau, hat erstmal gereicht.
[00:35:59] Und ehrlich gesagt, ja, über Amazon haben wir daraus direkt 50.000 gemacht und so weiter und so fort. Also das hat halt echt ganz gut funktioniert bei uns. Und dann kam natürlich der Moment mit dieser ersten großen Douglas-Order, da musste nochmal ein Darling gegeben werden. Das habe ich dann gemacht. Aber die Order war ja da. Das war ja klar, wir müssen nur irgendwie diese 60 Tage überbrücken, bis sie bezahlt wird. Und du hattest Ersparnisse und hast gesagt, okay, gut. Richtig. Da habe ich mir gar keine großen, also im Nachhinein überhaupt keine großen Gedanken drüber gemacht. Das ist ja jetzt eine 60-Tage-Zwischenfinanzierung.
[00:36:28] Wir haben irgendwie zweieinhalb Prozent drauf, gut ist. Ja, das war unser Weg des Bootstrappings. Aber natürlich ist das später auch schwieriger geworden. Ja, je mehr du dann wächst. Wir sind ja jedes Jahr 100, 150 Prozent gewachsen. Die Warenvorfinanzierung alleine wird natürlich irgendwann kritisch und erfordert größere Summen, die du auch irgendwo auftreiben musst. Das ist ja immer das Verrückte in dem Bereich. Du denkst, okay, du wächst, alles ist super, du machst mehr Umsatz, aber damit wächst natürlich auch die Liability auf der anderen Seite, weil das Lager wird größer und du brauchst genau das, du brauchst Working Capital. Ganz richtig.
[00:36:57] Und es war da eine Zeit lang insofern Bootstrapping wieder willen, als das ist ja 2018 bis 2022. Das war ja VC-Hochzeit. Das waren ja wirklich diese crazy Zeiten, wo jeder Geld eingesammelt hat. Es lag irgendwie auf der Straße und du wurdest wirklich als Start-up nicht ernst genommen, wenn du nicht ein Funding hattest. Dann warst du eine fixe Idee, aber du warst kein Start-up. Hat dich das beschäftigt? Total. Wir dachten ja irgendwie, also es ist uns auch wirklich im Alltag begegnet, dass ich mal gesagt habe, wie, ihr macht das alleine, aber habt ihr keinen Investor?
[00:37:26] Ja, aber die und die haben gerade das und das eingesammelt. Das war so präsent auch. Krass. Ja, okay, dann sind wir wohl nicht, dann brauchen wir das wohl auch. Und irgendwann dachten wir auch, dann nimmt es halt jemand anderes. Also dann zieht halt auch jemand an uns vorbei mit einer gleichen Idee. Es ist ja per se jetzt erstmal nicht schützenswert. Holt sich die fünf Millionen und knallt die raus und zieht vielleicht an uns vorbei. Da hatten wir natürlich schon auch Sorge vor. Und dann haben wir halt angefangen, diese Gespräche zu führen und sie anzunehmen und mit Business Angels und VCs zu sprechen.
[00:37:54] Ich glaube, aber auf der anderen Seite haben wir das aber total halbherzig gemacht, weil wir ja auch unsere Freiheit und unsere Selbstbestimmung total geliebt haben und gar nicht abgeben wollten, weil wir das Geld ja auch nie so wirklich gebraucht haben. Deswegen glaube ich, wir waren in der Zeit schrecklich schlechte Fundraiser und schlechte Verhandler, weil wir eigentlich gar keinen Bock drauf hatten, aber auf der anderen Seite dachten, wir müssen doch. Und uns auch ehrlich so viel Mist anhören mussten in dieser ganzen Phase. Was war das Absurdeste, was ihr euch angehört habt?
[00:38:24] Also ich meine, es ist halt erstmal diese Grundthese, wie ihr seid profitabel. Warum das denn? Also wenn ihr Profit macht, dann fragt nur irgendjemanden, wie viel? Lass das mal lieber sein. Dann wachst ihr auch einfach. Am Ende beim Verkaufen noch ein Ebit Multiple, ganz schlecht. Was ist denn das denn? Ganz genau. Dann musst du ja einen Gewinn bewertet. Das ist ja eben ganz falsch, ja. Oder auch wirklich so von oben herab. Das heißt nur, ihr wachst nicht schnell genug. Okay, wir dachten immer, ein Unternehmen soll irgendwie Profit machen. Ich dachte, das wäre irgendwie der ganze Sinn der Sache.
[00:38:53] Ey, ehrlich, also das war krass. Wir haben uns auch, ich meine, das hat man schon echt gemerkt. Viele haben ja erstmal so ein rosa Produkt hier, Gummibärchen, zwei Frauen. Und warum sprecht ihr eigentlich nur Frauen an? Was soll denn das? Warum macht ihr denn den Markt so klein? Nö, 50 Prozent der Weltbevölkerung, verstehe. Das ist natürlich kein richtiger Addressable Market. Übrigens so witzig, auch bei Laura, was gerade sagst du, die macht ja quasi, die adressiert auch Frauen. Okay, das ist Hälfte der Weltbevölkerung. Und auf Facebook und auf Instagram die ganze Zeit Kommentare von Männern.
[00:39:22] Die sagen, hier hast du eine BWL-Vorlesung nicht aufgepasst. Da, wieso schneidest du die Hälfte der Zielgruppe ab? So viel Spaß bei der Insolvenz. Das geht den ganzen Tag so. Männer fühlen sich extrem getriggert von Frauenprodukten. Aber das ist ja voll ein Algorithmus, mega geil. Also die kommentieren ja die ganze Zeit. Super, da werden die Posts ausgespielt. Wir drehen das jetzt so Jujitsu-mäßig um quasi. Nehmen die Kommentare, veröffentlichen die dann wieder. Hab ich gesehen. Dann finden sie Frauen wieder gut und so. Das ist ja Ragebait auf eine total verrückte Weise. Auf eine total verrückte Weise. Ich kann das immer gar nicht glauben, dass die wirklich Zeit aus ihrem Tag draus nehmen,
[00:39:51] um das da drunter zu kommentieren. Ja, das sind NPCs. Haben wir vorhin drüber geredet. Ich glaube nicht, dass das wirkliche Menschen sind. Ich glaube, das sind so wie im Computerspiel so die Statisten. Also wir sitzen da und kommentieren. Wir haben das nie bekommen, weil wir immer Meta direkt nur auf Frauen ausgespielt haben. Damit haben wir uns das ein bisschen erspart. Vielleicht war es auch ein Fehler. Vielleicht war das auch witzig gewesen. Ich habe das zum ersten Mal gemerkt, als wir dann die Pressemitteilung zum Exit rausgegeben haben. Dann hat Gründerszene das veröffentlicht. Und da waren auch Facebook-Kommentare drunter. Also wirklich so, was soll der Scheiß?
[00:40:21] Die hätten mal lieber putzen gehen sollen. So unterste Schublade. Oh mein Gott. So hart frauenfeindlich auch, dass du dir dachtest, okay, wow. Das sind keine Reha. Das sind NPCs. Ich sag's dir, das sind keine Menschen. Irgendwas stimmt da nicht. Hoffen wir es mal, ja. Genau, wo waren wir gerade? Beim Fundraising. Und ihr seid in Gesprächen drin. Irgendwann gab es den Punkt, dass ihr euch bewusst dagegen entschieden habt zu sagen. Wir haben diese ganzen Gespräche und ihr habt denen dann aktiv abgesagt. Was war der innere Dialog oder euer Co-Founder-Meeting, wo ihr gesagt habt, nee, komm, wir gehen
[00:40:49] jetzt den Bootstrap-Weg all in und wir beschäftigen uns gar nicht mehr mit Geldraising. Ja, genau das. Irgendwann ist es uns zu blöd geworden. Also du kannst dir auch nur so und so viele Absagen anhören und so und so viele, ja, das ist jetzt okay, jetzt habt ihr hier eine Million Umsatz, okay, jetzt habt ihr fünf Millionen Umsatz. Auf 10 werdet ihr es nicht schaffen. Das schaffen noch einige, aber das werdet ihr nicht schaffen. Das war auch wirklich viel so, relativ abschätzend. Und dann haben wir immer gesagt, hey, weißt du was, denen zeigen wir es jetzt. Natürlich schaffen wir das. Wir schaffen es auch alleine. Wir suchen uns jetzt alternative Funding-Möglichkeiten.
[00:41:17] Wir nehmen jetzt hier irgendwie so ein Corona-KfW-Kredit. Revenue-Based-Financing kam relativ stark in der Zeit, weil es ja noch Niedrigzinsphase war. Aber wir kriegen das jetzt auch so laufend hin. Und dann sehen wir halt mal, wer hier zuletzt lacht. Also das hat uns am Ende auch wirklich angefeuert, das halt dann alleine hinzukriegen. Geil, diese Revenge-Energy. Ja, das war schon eine harte Revenge-Energy, muss ich echt sagen. Und wir fanden auch, ich meine jetzt hier irgendwie ein paar Angels, die auch mit Know-how da was reinbringen.
[00:41:47] Da spricht ja überhaupt nichts dagegen. Aber die VCs, immer wenn dann da doch so ein Termsheet kam und man da so ein bisschen Gedingungen verhandelt hat, ich fand das halt auch echt fies, was da drin stand. Also so Thema Liquiditätspräferenzen und so. Das war auch so founderfeindlich teilweise. Damit haben wir uns einfach nicht wohl gefühlt. Das muss man gut verstehen, was das heißt. Das sind so Klauseln, wenn man die zum ersten Mal liest, so dann kann man es nicht richtig richtig einordnen. Heute ist geil mit AI, da kannst du es in den Cloud reinschmeißen. Da sagt dir, ist das marktüblich oder nicht?
[00:42:14] Dann sagt der, nein, wenn die Lickpref nicht anrechenbar ist oder was auch immer. Da gibt es dann so spezifische Regelungen, dann ist es schlecht. Ich hatte Gott sei Dank meine Notar zu Hause. Okay, praktisch. Das hat sehr viel geholfen. Nee, und wir haben auch echt gemerkt, was würde denn jetzt passieren? Was ist denn, wenn wir jetzt die 5 Millionen nehmen? Das liegt ja nicht auf dem Konto, das muss auch gespendet werden. Das heißt, mehr Spend, mehr Burn und Profitabilität. Und im Zweifel wird es uns heute gar nicht mehr geben.
[00:42:41] Also ich sehe schon viele Startups, die damals das Geld genommen haben, obwohl sie es vielleicht nicht gebraucht hätten. Die sind heute in einer absoluten Pat-Situation. Das ist interessant. Wir haben neulich mit Jenny von Gitti gesprochen und die hat Geld in der Zeit geraced und sagt, heute in der Rückschau, ja, wahrscheinlich war es zu viel, weil wir haben dann halt so viele Initiativen gestartet, hier noch ins Ausland expandieren, hier weitere Produkte, hier mehrere Channels. Und dann hast du natürlich auf der einen Seite die Verlockung, diese ganzen Sachen zu machen, weil du hast ja die Kohle, auf der anderen Seite auch den Druck, weil du willst sie ausgeben.
[00:43:06] Und die Direction Company jetzt gedreht, aber Podcast muss man reinhören. Wenn unser Podcast online geht, dann ist der wahrscheinlich auch schon online, aber die ist da durch ein echtes Tal der Tränen gelaufen. Das glaube ich sofort. Weil wenn du erstmal unprofitabel bist, ist es nicht so einfach wieder zu drehen. Also wenn der Tanker erstmal fährt, ist das schwer aufzuhalten. Und ich glaube, viele sind heute, da liegt noch Geld auf dem Konto, alles gut, aber du bist grenzprofitabel, es ist halt nicht verkaufbar.
[00:43:33] Und irgendwann dragt sich das halt auch so raus. Also wir hätten da leicht reintappen können in die Falle. Und ich bin froh, dass wir es nicht gemacht haben und dass wir es auch so geschafft haben und uns halt auch immer voll fokussieren mussten darauf. Also immer wirklich, so jedes Produkt hatte seinen Sinn, jeder Markt hatte seinen Sinn, jeder Channel. Wir konnten auch nicht overboard gehen. Wir mussten das immer mega performancegetrieben machen. Für jeden Euro oben rein mussten irgendwie zwei unten rauskommen. Sonst hat es halt nicht funktioniert.
[00:43:59] Und andersrum gedacht, im FMCG-Bereich bei Fast Moving Consumer Goods, wann ist Bootstrapping der falsche Weg? Bei Fast Moving Consumer Goods? Ey, ganz ehrlich, das ist zu schaffen. Dann fängst du halt nicht mit D2C an. Das ist ja genau das. Klar, da hast du hohe Einstiegskosten. Da musst du jeden Kunden erstmal einkaufen. Dann nimm einen anderen Weg. Dann starte auf Amazon und schau erstmal, ob du einen Product Market Fit hast und lern erstmal. Und wenn du da gar keinen Umsatz machst, vielleicht hast du ihn auch einfach nicht. Vielleicht ist das Produkt noch nicht ganz richtig. Dann arbeite nochmal dran. Ja.
[00:44:27] Also ich finde bei, wie gesagt, gegen Seedstrapping, nicht jeder hat die Mittel, um erstmal überhaupt die Gründung reinzugeben und die erste Produktbestellung und so weiter. Alles fein, sich am Anfang eine kleine Runde einzusammeln. Aber der Weg muss sofort Richtung Profitabilität gehen. Nicht so nächste Runde, nächste Runde. Das halte ich bei Konsumgliedern für Quatsch. Das ist, glaube ich, ein gutes Stichwort Seedstrapping zu sagen, ja gut, vielleicht brauche ich ein bisschen Geld. Vielleicht brauche ich 50.000, vielleicht 100.000, vielleicht sogar eine halbe Million. Aber das kann ich von Privatpersonen raisen.
[00:44:56] Das raise ich in der Regel von Angels, nicht von Funds. Da habe ich den Vorteil, das sind Leute, die verfügen über ihr eigenes Geld. Die entscheiden auch anders als ein Fonds, der fremdes Geld verwaltet. Und die haben auch eine ganz andere Exit-Erwartung. Plus man kann sagen, wenn da 500 Euro reingeflossen sind und man die Firma am Ende selbst für 5 Millionen verkauft, für 10 Millionen verkauft, dann sind ja alle happy. Also dann kriegt man es ja irgendwie hin, dass die alle einen guten Return machen. Wenn erst mal 5 Millionen oder 10 Millionen reingeflossen sind, dann zwinge ich mich ja
[00:45:22] selber auch dazu, die Firma für 100, 200, 300 Millionen zu verkaufen und habe diese Fahrtabhängigkeit. Flo Heinemann sagt immer Fahrtabhängigkeit. Wenn ich Venture Capital raise, habe ich diese Abhängigkeit, auf diesem einen Pfad zu sein. Ganz genau. Und wie viele von diesen Exits gibt es denn in Deutschland, in Europa? Die kann ich ja in einer Hand abzählen. Also die Wahrscheinlichkeit ist halt so, so, so gering. Von den Kleinen gibt es viel, viel mehr. Deswegen, am Ende sind Konsumgüter kein BC-Case, wenn man es mal so runterdampfen will. Für wie viel habt ihr verkauft?
[00:45:49] Die Parteien haben stillschweigen vereinbart über den Kaufpreis. Für einen mittleren, achtstelligen Betrag. Okay, okay. Ihr hättet damals so 15 Millionen Umsatz gemacht oder so? Genau. Und in der Kategorie, also so im Food-Beverage-Bereich, so sind Malte bis auf den Umsatz meistens so zwischen 2 und 5x. 5 wäre schon hoch, 2 wäre vielleicht ein bisschen niedrig, sagen wir mal 3x und bist da irgendwie bei 40, 50 Millionen oder so. Das ist meine Serviettenrechnung. Okay. Wir lassen das mal so stehen. Und das Geile ist, du teilst die Summe durch 2 und fertig. Korrekt.
[00:46:19] Mega! Congrats! Das war natürlich schön, ja. Völlig richtig. Da habe ich dann auch meine 150.000 Darlehen endlich wieder rausbekommen. Und noch ein bisschen mehr. Und noch ein bisschen mehr. Nein, natürlich war das der Wahnsinn. Also ich glaube auch dieses ganze VC-Gedöns, das ging dann so schleichend über schon mehr in Richtung Exit-Prozess. Und ich habe ja auch wirklich sämtlichen Respekt vor VC's verloren, ehrlich gesagt. Und von den Leuten da.
[00:46:49] Ich habe mich da bei den PEs wesentlich wohler gefühlt. Ich habe gedacht, boah, die stellen ja mal die richtigen Fragen. Aha. Wie C's im Vergleich zu PEs? Die PEs, die kaufen die ganzen Firmen, Private Equity, die kaufen Mehrheiten, VC's machen Minderheit. Okay. Die kaufen halt vor allem Profitabilität. Die gucken dann auf genau diese Werte und gucken irgendwie auch mal wirklich in den Maschinenraum von so einem Start-up. Und da hat man gesehen, okay, die interessiert es jetzt auch gar nicht, ob das Produkt rosa ist und ob es nur für Frauen ist und was weiß ich. Die gucken auf die nackten Zahlen und auf die Relevanzzahlen. Das steht unten rechts.
[00:47:18] Und dann hat das auf einmal funktioniert. Da wurden wir ernst genommen. Und dann haben wir da einen schönen Prozess gemacht. Auch einen schnellen. Man sagt ja, Firmen werden gekauft und nicht verkauft. War das bei euch auch so? Ja, also wir haben ja einen tollen Partner gefunden, muss ich sagen. Wir haben ja nicht an Private Equity verkauft. Zumindest nicht so in erster Linie, wenn man einen Strategen verkauft aus Frankreich, der wiederum Private Equity Owned ist. Ein Brandhouse mit anderen Brands, hauptsächlich Pharmacy Brands aus Frankreich.
[00:47:46] Und das war, wir sind rückbeteiligt. Also es war ganz wichtig, dass wir als Founder auch drinbleiben, zumindest fürs Erste, committed bleiben, weitermachen. Von so einem Kaufpreis, wie viel geht in die Rückbeteiligung? Wie viel ist Cash? Ein Drittel. Okay, ein Drittel. Bei uns war, darüber kann ich sprechen, es war ein Drittel Sofortpayment sozusagen, ein Drittel Earnout aufs nächste Jahr, gestaffelt auch nochmal und ein Drittel war die Rückbeteiligung. Was sind die Kriterien für den Earnout? Was musst du da im nächsten Jahr erreichen?
[00:48:14] War bei jedem Bieter ein bisschen unterschiedlich tatsächlich. Also eine Earnout-Komponente hatte eigentlich jeder mit drin. Oft war es EBITDA-based. Entweder aufs laufende Jahr oder dann aufs nächste oder auf beides, je nachdem, alles für Handlungswache. In unserem Fall war es Umsatz aufs nächste Jahr. Und allein das fanden wir total geil, weil auch das ist irgendwie founder-friendly, start-up-friendly. Das ist founder-friendly. Die wollten wir unser Wachstum weiterhin sehen. Nicht nur, dass wir es jetzt melken und irgendwie maximal EBITDA rausbekamen.
[00:48:44] Das war direkt so ein Kriterium, wo wir gesagt haben, ja geil, mit dem Umsatz waren wir uns halt sicher, dass wir das nochmal reißen können. Das war auch okay. Also auch die niedrigste Stufe wäre wirklich machbar gewesen. Wir sind halt nochmal 120 Prozent gewachsen hier. Wir haben die oberste Stufe bei weitem übertroffen. Geil. Das hört man auch nicht so oft. Ne, hört man tatsächlich nicht so oft. Was hat es mit dir gemacht, dieses eine Incentive zu haben? Ich frage mich, wir haben einmal eine Firma gekauft und da haben wir dann gedacht, wir sind schlau. Wir machen im ersten Jahr einen Umsatz-KPI, im zweiten Jahr EBITDA.
[00:49:12] Im ersten Jahr willst du wachsen, danach willst du Geld verdienen. Der Founder hat Sales-Leute eingestellt, haben Fließbahn, riesen Organisation. Die waren alle völlig ineffizient, aber haben ja einen weiteren Euro reingebracht. Am 31.12. hat er die alle rausgeschmissen. Wirklich. Und dann hat er auch so, ja okay. Es gibt diesen Warren Buffett-Satz, show me the incentives, I show you the behavior. Und in dem Fall war es radikal. Also ist ja auch schwer, so einen Founder zu steuern in dem Fall.
[00:49:40] Was hat es mit dir gemacht, diese eine KPI zu haben? Also wir waren echt confident, dass wir das schaffen können. Tatsächlich hatten wir noch eine Restriktion, 35 Prozent Marketingkosten. Okay, das ist gut. Also wir hätten Kennzahlen-Paar gehabt quasi, zu sagen, maximier den Umsatz unter der Voraussetzung, du könntest sonst auch 120 Prozent ausgeben. Genau, wir hätten jetzt nicht in völlige Unprofitabilität da für uns stürzen können, was über die Marketingkosten ja absolut gegangen wäre. Das war die Restriktion. Und ehrlich gesagt, das waren dann die KPIs, die wir dem Team ausgegeben haben.
[00:50:09] Darauf waren alle inzentiviert, dass wir diesen Umsatz schaffen mit diesen Marketingkosten. Und boom. Okay, das ist clever. Das ist so ein Learning. Das ist so eins von diesen Golden Nuggets, so quasi Kennzahlen immer im Paar zu definieren. Zu sagen, guck mal, das eine, was auch ein Stück weit das andere ausschließt. Also Gegensätze zu haben. So macht den Umsatz hoch. Aber unter Voraussetzung, das hätten wir machen sollen bei der Firma, die wir gekauft haben. Weil dann haben wir irgendwann, der hat ja auch einen Businessplan abgegeben. Und da waren ja gewisse Kosten drin. Und dann machen wir irgendwann ein Review und sagen, okay, du hast jetzt hier doppelt so viel ausgegeben, wie das in deinem Businessplan steht. Dann hat er gesagt, ja, ist doch super. Wir konnten die Vertriebsleute schon früher einstellen.
[00:50:39] Ist doch top, dass wir so gut verankommen. Ich dachte, oh fuck. Ja, das ist geil, echt. Hat der uns das auch noch positiv verkauft? Also ich meine, das hätten wir niemals gemacht. Wir sind viel zu ehrlich und zu nett, glaube ich. Aber wir sind natürlich auch in diese Falle getappt, dann erstmal nicht mehr diese krassen Cash-Restriktionen zu haben. Und dann zu sagen, oh, das Team, die mussten jetzt so lean arbeiten die ganze Zeit. Jetzt darf das mal ein bisschen wachsen. Jetzt darf wieder mal seine Wunschliste abgeben.
[00:51:03] Und wir stellen ein paar mehr Leute ein und wir onboarden noch einen ERP, machen hier mal einen Beratungs-Bast, weiß ich. Also das ist halt schon, wie auch beim VC, sobald das Geld da ist, fängst du es an für Dinge auszugeben, die du eigentlich nicht brauchst. Und da muss man schon sehr drauf achten, dass du trotzdem fokussed bleibst und eigentlich diesen leanen Start-up-Way of Working nicht aufgibst. Was war für dich der größte Struggle im Aufbau deiner Firma? Was war das härteste in der Rückschau?
[00:51:32] Also für mich war es schon die Vereinbarkeit. Ich habe ja in der Zeit zwei Kinder bekommen. Douglas Listing und Schwangerschaftstest im selben Monat, hast du mal erwähnt. Wow. Ja, ist richtig, in der gleichen Woche sogar. Krass. Und dann DM Listing ging live, der Thementisch, am Tag der Geburt von meinem ersten Sohn, weiß ich noch. Ich bin vormittags zum Storecheck und nachmittags gehen die Wehen los.
[00:51:59] Nicht dein Ernst, nicht dein Ernst. Vormittags am Thementisch und nachmittags im Kreißsaal. Richtig. Ja, so ist das dann. Ja, und auf der einen Seite sage ich, eine Selbstständigkeit ist das Beste, was du haben kannst, wenn du Karriere und Kinder machen kannst. Weil du hast die Selbstbestimmung, das auch einfach selbst zu planen. Und ich glaube, es ist wesentlich einfacher, seine Corporate-Karriere weiter zu verfolgen.
[00:52:23] Auf der anderen Seite, und ich glaube, den Struggle kennt jeder, hast du halt immer ein schlechtes Gewissen an irgendeiner Front. Du hast immer das Gefühl, du bist an beiden Fronten nicht genug. Du bist nicht genug für die Kinder da, du bist nicht genug fürs Business da, du könntest an allen Ecken und Enden mehr machen. Und ich hatte auch immer irgendwie die Angst, dass mir einer der Bälle runterfällt beim Jonglieren. Dass ich irgendwas einfach total verkacke. Also ich entweder einen wichtigen Business-Termin verpasse oder die Kinder vor der Kita stehen und nicht abgeholt werden. Ja, das ist ja wirklich, you drop the ball.
[00:52:54] Das war so eine konstante Angst, die ich hatte. Und ich habe auch mich total vernachlässigt in der Zeit. Du kannst das schon jonglieren, diese beiden Themen, aber es gibt immer irgendwas, was runterfällt. In meinem Fall war es jede Form von Selfcare, Sport. Ich habe nichts davon gemacht. Ich habe nur zwischen diesen beiden Welten gelebt. Oder auch eine Partnerschaft. Ich bin natürlich abends nicht mit meinem Mann noch auf ein Glas Wein in die Küche gegangen, sondern ich habe mir einen Laptop gesetzt. Das ist halt dann irgendwie auch nötig.
[00:53:20] Und jeder, der sagt, wenn du nur gut genug organisiert bist, ist das alles easy, der lügt in meinen Augen. Es ist ein Struggle. Immer. Ich bereue es 0,0. Ich bin so dankbar, dass ich beides gleichzeitig machen konnte. Aber es war mein größter Struggle. Und wenn heute eine Gründerin vor dir steht und sagt, ich habe schon ein Kind oder ich will ein Kind haben und trotzdem diese Firma gründen oder gerade deswegen auch die Firma gründen, um selbstbestimmt zu sein. Sie fragt dich Hand aufs Herz. Sag mir mal wirklich, wie es ist und was kannst du mir mitgeben?
[00:53:50] Was sagst du ihr? Ja, machen. Dann doch wieder. Nein, man darf davor auch keine Angst haben. Man muss es auf sich zukommen lassen. Und für mich ist es 0,0 Kriterium, jetzt irgendwo nicht zu investieren oder so. Wir hatten jetzt auch schon den Fall, dass eine von zwei Gründerinnen ihr zweites Kind bekommen hat. Die Frauen, die ich heute kennenlerne, die sind so ambitioniert. Die kommen super schnell zurück. Du merkst gar nicht, dass sie weg sind. Teilweise zu schnell. Also ich sag dann auch echt, relax mal ein bisschen. Überleg dir das gut.
[00:54:19] Also mach ruhig noch zwei Monate. Ich sehe es wirklich 0,0 als Limitation machen. Und so praktische Tipps, die du dann auf den Weg gibst, zu sagen, gut, wie… Ja, was sind die praktischen Tipps? Ich meine, klar musst du irgendwie schauen, dass du dein Village hast. In meinem Fall war es, dass wir meinen Eltern hinterhergezogen sind an den Stadtrand und ich die irgendwie einen Kilometer weiter hatte. Das hat dir gemacht, okay. Ja, und dass meine Mama halt mega viel geholfen hat oder ich den Tag einfach dort verbracht habe, wenn man irgendwie so meine Calls machen konnte.
[00:54:48] Und das alles, klar, das braucht es schon. Alleine wirst du es nicht reißen können. Auch Augen auf bei der Partnerwahl, sag ich da immer. Also schau, dass du auch irgendwie einen Partner findest, der nicht sagt, mein Job wird immer wichtiger sein und Kinderpflege ist irgendwie Frauensache, sondern der auch gewillt ist, Care-Arbeit irgendwie fährt. Habt ihr euch dann irgendeinerweise abgewechselt oder wie war so der Disagreeable? Nee, ehrlich gesagt nicht, weil mein Mann tatsächlich in der Festanstellung war und auch, so ehrlich muss man auch sein, wesentlich mehr verdient hat als ich so im laufenden Business. Jetzt nicht mehr? Jetzt nicht mehr.
[00:55:19] Grüß an deinen Mann. Jetzt arbeitet er auch nicht mehr. Sehr gut. Nee, also das war schon okay und er war auch fairerweise wirklich in einer Immobilienbranche, im Unternehmen, wo es jetzt nicht normal war, 600 Eltern Zeit zu nehmen, sagen wir es mal so. Und das war auch völlig okay, wie gesagt, wir hatten unser Village, wir haben uns organisiert bekommen und wir hatten immer wieder Phasen, die Exit-Phase zum Beispiel. Da haben wir ganz klar gesagt, ich bin jetzt Prio ein halbes Jahr.
[00:55:46] In dieser Zeit muss ich in der Lage sein, jedes Meeting anzunehmen, jederzeit irgendwo hinfliegen zu können, egal wann wie wo und you will make that happen. Und es hat auch genauso funktioniert. Natürlich gibt es da Phasen, wo du das machen musst. Aber dennoch, es geht allein darum, dass diese Bereitschaft da ist, dem anderen auch Space zu geben. Es muss jetzt nicht 9 to 5 sein, sondern auch darüber hinaus einfach auch Dinge mitzudenken, sich auch um Dinge mitzukümmern. Da würde ich schon die Augen noch offen halten.
[00:56:15] Wie hast du deinen Resilienzmuskel trainiert? Resilienz ist ja auch eine Sache, die man trainieren kann. Leute um dich herum sagen, du bist sehr resilient. Das hat die Denise gesagt, deine PR-Managerin, die deinen LinkedIn-Account betreut. Denise Haberkamp, kleiner Shoutout. Wie trainiert man Resilienz? Ich habe die nie aktiv trainiert, muss ich dir ganz ehrlich sagen. Ich würde auch unterschreiben, dass ich ein sehr resilienter Mensch bin und dass ich gerade Stress in der Arbeit immer als positiven Stress wahrgenommen habe. Meistens.
[00:56:45] Und mir das Spaß gemacht hat und mir Energie gegeben hat, es mir geraubt hat. Welcher Glaubenssatz steckt da dahinter? Schwer zu sagen. Ich bin schon mit einem Glaubenssatz aufgewachsen, dass Leistung wichtig ist und von mir verlangt wird. Der Satz beim Psychologen heißt, ich muss leisten, um geliebt zu werden. Ob es jetzt so heavy ist, weiß ich gar nicht. Aber klar, das war schon irgendwie ein Anspruch bei uns zu Hause. Und das kann aber auch einen Druck auslösen?
[00:57:13] Das kann Druck auslösen, absolut. Ich muss halt sagen, mir ist es auch immer relativ leicht gefallen. Ich musste mich jetzt nicht massiv ins Zeug legen, um irgendwie ein gutes Abi zu schreiben oder ein gutes Studium hinzulegen. Gott sei Dank. Ich hätte zum Beispiel sportlich nie die Leistung bringen können. Ich bin fundamental unsportlich, so gut wie allen Sportarten. Wenn mein Vater darauf Wert gelegt hätte, hätte man ein Problem gehabt. Dann säße ich wahrscheinlich heute auf der Couch. Aber ich weiß nicht. So ist mir immer vieles auch zugeflogen und hat gut für mich funktioniert.
[00:57:42] Und wie gesagt, deswegen habe ich glaube ich auch immer gerne gearbeitet und es hat mir Spaß gemacht. Und ich habe diesen Stress gar nicht so negativ wahrgenommen. Und das ist glaube ich ein Zeichen von Resilienz. Klar, man kann auch Dinge dafür tun. Man kann meditieren, man kann Breathwork machen, man kann journalen oder projektmetisch mit Tools nutzen, um sich zu organisieren. Hast du solche Habits oder irgendwelche Routinen? Wenig. Ich versuche da jetzt reinzufinden. Also ich bin ja jetzt im The Year of Selfcare auf jeden Fall.
[00:58:11] Das ist deine Überschrift. Ja, ich werde nächstes Jahr 40. Tatsächlich ist es gerade mein erklärtes Ziel, in der besten Form meines Lebens zu sein, mental und körperlich für diesen 40. Geburtstag. Und ja, jetzt probiere ich mich schon ein bisschen aus. Was machst du da alles? Also wir haben ja in eine Breathwork-App investiert, in Regulate, vor ein paar Monaten. Und das finde ich super spannend. Ich hatte vorher schon mal so hier und da ein paar Touchpoints damit, aber ich habe es jetzt nicht wirklich aktiv angewendet. Aber ich finde es mega spannend, was man damit erreichen kann.
[00:58:40] Wir haben mit Björn Keule neulich hier gesprochen im Podcast. Kennst du den? Der hat Industrial Brands gemacht und ist so voll auf dem Breathwork-Trip und hostet selber Retreats und baut dann spannendes Business quasi. Also nicht digital, sondern in der physischen Welt. Ja, also man denkt ja erstmal, das ist irgendwie Voodoo, aber ist es überhaupt nicht. Es ist ja auch total durch Studien belegt, was es auswirken kann im Körper. Da geht es ja letztlich auch einfach um Sauerstoff-Level. Finde ich super spannend. Das ist eigentlich ein einfaches Tool. Weil ich werde nie die Person sein, die sich eine Stunde auf die Meditationsmatte setzt und an die Wand startet.
[00:59:10] Oder irgendeinen Retreat macht, wo du auf zwei Quadratmetern im Dschungel sitzt. Man hört ja die wildesten Geschichten. Aber so ein bisschen atmen zwischendrin. Also interessant, es hat was Meditatives, aber es ist eine Aktivität. Also du steuerst da was. Genau, du kannst dich hoch und runter regulieren im Wesentlichen. Du kannst deine Performance steigern, du kannst aber auch deine Entspannung steigern. Oder allgemein Resilienz einfach für Stresslevel und da aktiv regulierend eingreifen. Finde ich mega. Was machst du noch außer Breathwork? Was sind so Pilates?
[00:59:40] Auf so diesen Geräten? Ja, tatsächlich. Kleines Trendopfer. Ja, ja. Auch ein geiles Business. Haben wir ein paar Mal drüber gesprochen schon im Podcast. Diese Studios. Bist du da auch schon investiert? Gibt es so ein paar Ketten, oder? Genau. Nee, habe ich nicht. Ja, Krisentrend gerade. Alles, was Brick and Mortar ist. Oder wie heißt das jetzt? Four Walls. Four Walls. Ja, genau. Früher hieß es genau Brick and Mortar. Ja, also ich finde es super, dass wir nach Corona zu irgendeiner Form von Normalität zurückkehren.
[01:00:09] Aber mit dem Leiden des E-Commerce, dem aktuellen, siehst du halt, dass es auf der anderen Seite dann wieder nach oben geht. Leute wollen sich treffen. Leute wollen sich treffen. Ich habe auch das Gefühl, das ist wirklich eine reine Vermutung, aber die Leute verbringen weniger Zeit an ihren Handys. Wenn ich mir gerade die Kennzahlen von einigen Influencern angucke und wie die Reichweiten einbrechen, dann ist das vielleicht ein Indikator dafür, dass die Leute entweder mehr Zeit auf anderen Apps verbringen. Das ist mit Sicherheit auch so. Aber vielleicht verbringen sie auch einfach mehr Zeit weg vom Handy, was ja sehr schön wäre. Das ist auch mal gut. Ja.
[01:00:37] Und während deiner Zeit als operative Faunerin, was würdest du sagen, was war die persönliche Veränderung, die du durchlaufen musstest, um das Wachstum deiner Firma zu ermöglichen? Wie bist du persönlich an der Aufgabe gewachsen und hast dich geändert?
[01:00:55] Ich bin, glaube ich, jemand, der diese Zero-to-One-Phase sehr gut begleiten kann und machen kann. Das habe ich inzwischen für mich festgestellt. Es gibt diese magische Zeit eines Startups so zwischen fünf und zehn Mitarbeitern. Fünf und 15 Mitarbeitern vielleicht. Das ist die geilste Zeit. Also es ist die geilste Zeit. Witzigerweise sind sich da die meisten einig. Alle sitzen in einem Raum, jeder kriegt alles mit. Du musst nichts durchkommunizieren. Alle arbeiten an den gleichen Projekten.
[01:01:23] Ganz genau. Abends machst du zwei Flaschen Cremant auf. Du brauchst nicht eine Präsentation mit deinen Leitwerten oder was weiß ich, weil du lebst sie einfach. It is what it is und jeder zieht mit. Und in der Phase ist es mir auch leicht gefallen, das vorzuleben und die Leute mitzureißen. Das war einfach völlig intrinsisch.
[01:01:41] Und ich finde halt in dem Moment, wo du wächst und es mehr und mehr Personal wird und du gezwungen bist, Strukturen einzuziehen, auch Hierarchien einzuziehen und das viel aktiver vorleben musst und viel aktiver die Leute da eben auch mitziehen und motivieren musst, habe ich schon gemerkt, dass es mir immer weniger liegt. Also das war auf jeden Fall meine Growth Zone, wo ich aus meiner Komfortzone raus musste in diesem ganzen Thema People Management.
[01:02:08] Und ich habe das auch gemacht, bis zu einem gewissen Grad. Und ich habe mich auch angestrengt, darin besser zu werden und Dinge zu machen, die ich eigentlich nicht gerne tun würde. Ich habe eigentlich überhaupt keine Lust, One-on-Ones zu machen und irgendwie Feedback zu geben. Ich möchte einfach, dass die Leute gut funktionieren und ansonsten so an meinem eigenen Volk arbeiten. Aber ich habe auch gemerkt, als der Punkt da war, wo ich keinen Bock mehr hatte, mich da weiterzuentwickeln, wo ich irgendwie gesagt habe, ich könnte das jetzt noch weiter lernen und besser werden, aber ich will es eigentlich gar nicht.
[01:02:38] Und das ist vielleicht auch der Punkt, wo du sagen musst, dann ist jemand anderes jetzt besser für den Job geeignet. Das ist bei mir auch so. Also ich denke genau das Gleiche. Ich habe dann auch immer gedacht, also am Anfang, du brauchst ja keine Führungsfähigkeiten. Wenn fünf Leute da im Raum sind, musst du ja niemanden führen, die verstehen, was los ist. Du musst ja nicht irgendwelche OKR-Meetings und All-Hands und was weiß ich was machen, sondern es ist ja quasi ein Team und sehr viel funktioniert implizit. Irgendwann brauchst du diese Führungsfähigkeiten. Ich habe dann auch diesen Struggle gehabt zu merken, ah fuck, ich bin da ja gar nicht gut drin. Die Leute sagen, ja, du kommunizierst nicht gut, ich weiß nicht, wohin die Firma sich entwickeln soll, mir fehlt die Vision.
[01:03:08] Ich dachte, was für eine Vision, wir müssen ja arbeiten. Und dann habe ich auch angefangen, Bücher zu lesen, Seminare zu machen, mit anderen Faunern zu sprechen und diese Muskel zu trainieren bei mir. Ich dachte mir dann auch immer, ja gut, vielleicht bin ich bei einer Schulnote vier bis fünf und ich kriege es jetzt irgendwie hin auf eine drei bis vier. Und wenn ich mich richtig anstrengen und quäle, dann komme ich auf eine drei plus. Aber irgendwie ist es doch einfacher, jemanden zu heiern, der eine eins bis zwei ist. Ja, genau so ging es mir auch. Und die haben ja auch Bock drauf. Es gibt ja genug Leute, die mögen One-on-ones und die mögen wiederkehrende Tätigkeiten und die mögen diese ganze Kommunikation. Genau so ging es mir auch.
[01:03:38] Wie bist du dann damit umgegangen? Ja, ich glaube, ich habe halt irgendwann gemerkt, okay, der Punkt ist da. Und der Punkt war bei Loros und mir auch an derselben Stelle, da muss man sagen. Wir hatten da jetzt nicht komplementäre Skills, in dem Sinne, dass sie gesagt hat, cool, jetzt ist meine Phase gekommen, jetzt mache ich hier weiter. Nee, wir waren beide Zero-to-One-Founder, glaube ich. Du und uns wurde die Tür halt irgendwann aufgemacht von Seiten des Eigentümers oder wir haben ein bisschen dran getreten auch vorher, dass es vielleicht Zeit ist.
[01:04:06] Wir haben gar keine Ausschreibung gemacht damals, sondern auch unsere jetzige CEO fiel uns so ein bisschen in die Hände über eine Empfehlung von einer Business Angel, die wir gut kannten. Und direkt gesagt, oh, guck mal, das macht ja total Sinn. Die hat ja genau das Skillset, das uns irgendwie gerade fehlt. Wäre das nicht eine gute Idee? Und dann war der Punkt heute gekommen, wo wir die Transition gemacht haben. Das ist ja auch aus Sicht von einem Käufer oft eine gute Entscheidung. Man hat ja dann so ein bisschen diese verrückten Founder, die ja sowieso irgendwie selbstbestimmt sind und auch ein Stück weit unemployed.
[01:04:35] Ich würde auch immer sagen, ich bin kein guter Mitarbeiter in irgendeiner Organisation. Und gleichzeitig sagst du, gut, wenn du so einen Konzern führst, ich hatte dann Schröer verkauft an die Außenwerbefirma und saß dann in diesen M&A-Meetings auf der anderen Seite vom Tisch und hat da so ein bisschen zugehört, wie die drüber nachgedacht haben, Firmen zu kaufen. Und dann haben die sich halt auch so Fragen gestellt, so sinngemäß, ja, wenn ich dem Geschäftsführer sage, springen, springt der. Dann sagst du, ja gut, ein angestellter Geschäftsführer, ein Manager, der springt. Und so ein Founder mit 20 Millionen auf dem Konto, der sagt im Zweifel halt, fuck you.
[01:05:01] Also die Steuerbarkeit von so einer Person ist ja auch ein Thema und dann ist natürlich auch andere Sachen, irgendwie Reporting-Anforderungen und so weiter. Oft merkt man dann so, ja. Ja, klar. Wenn du erstmal wieder Rede leistest und sagst, nee, finden wir aber anders, merken die auch irgendwann so, die werden langsam ein bisschen störrisch hier.
[01:05:19] Und es gab auch den Moment vor zwei Jahren, als klar war, dass wir USA launchen werden, da stand mal so kurz die Idee im Raum, dass einer von uns nach New York geht und jetzt USA aufbaut und einer Europa weiterführt. Und da waren wir beide so, no. Kein Abenteuer. Nicht mehr, wir sind irgendwie settled hier. Ja, und ich glaube, das war auch der Moment, wo unser Eigentümer gemerkt hat, ah, mit denen ist es nicht mehr so ewig zu rechnen.
[01:05:46] Was war genau der Moment, du hast LinkedIn-Post geschrieben hier, dein bester LinkedIn-Post überhaupt, 424 Likes haben wir analysiert, hat Denise bestimmt auch ein bisschen geholfen. Mein persönlichstes Learning aus acht Jahren Gründung, die Erkenntnis nicht mehr die beste Person für den Job zu sein. Was war genau der Moment, wo standest du, wie sah der Raum aus, wann hat sich die Erkenntnis breit gemacht, nicht mehr die richtige Person zu sein?
[01:06:10] Naja, ich glaube, das ist schon eine Erkenntnis, die langsam wächst, als dass einen jetzt auf einmal der Blitz trifft und man weiß, oh, ich sollte dich mal ein anderes einstellen. Ja, ich weiß noch, dass es ein Meeting in Paris gab und wir irgendwie schon mit so einem mulmigen Gefühl dahin geflogen sind. Ich weiß noch, Loras Urhering im Taxi hat auf einmal einen Notfall ausgeschlagen. Nicht dein Ernst. Wie geil ist das? Und das war eigentlich auch das Meeting, wo sie sagten, so people miss you, ihr seid nicht mehr so anwesend, wie ihr sein solltet.
[01:06:39] Wollen wir jetzt mal langsam irgendwie gucken. Und ich weiß, dass sich einfach in uns eine große Erleichterung breit gemacht hat und das war so das Gefühl, dass gesagt hat, ah, das ist richtig. Das ist in jeder Hinsicht positiv, was wir hier gerade besprechen und das ist genau der richtige Schritt jetzt. Und dass das resoniert, ist auch klar, weil das ist ja nicht nur ein GründerInnen-Thema, sondern das kennt ja jeder. Das kennst du auch, wenn du einen Job kündigst nach vielen Jahren und den nächsten Schritt machst, das ist dann auch so ein Abschied.
[01:07:07] Oder wenn du eine Partnerschaft beendest, das sind ja alles dieselben Prozesse. So ein schleichendes Bewusstwerden, das ist nicht mehr ganz richtig hier und das geht vielleicht besser. Am Anfang mulmig und dann befreiend. Ja. Der Aura-Ring hat den persönlichen Exit vorhergesagt. Das wird mein LinkedIn-Post. Da hatte ich auch meinen sehr Erfolg.
[01:07:26] Ich würde sagen, mein eigentlich erfolgreichster LinkedIn-Post, der ist aber schon ein bisschen her über ein Jahr, war mein Aura-Ring, der immer, das war aus dem Screenshot, der immer angezeigt hat, dass ich vormittags im Büro, im Wellness bin quasi, in völliger Entspannung. Und morgens und nachmittags mit den Kindern kommen die Stresslevel, ja. Das würde mein Aura-Ring auch anzeigen, wen ich einen hätte. Wenn du mal in Ruhe im Büro sitzt, einen Kaffee trinkst, der nicht kalt wird und ein erwachsenes Gespräch führst, das kann auch recht entspannend sein. Das ist krass mit kleinen Kitzke. Ich denke auch immer, der Montag ist der neue Freitag.
[01:07:56] Korrekt. Endlich wieder Zoom-Call. Oh mein Gott. Klingt auch ein bisschen fies, aber ist ja ein Stück weit so. Achso, boah. Ja. Hattest du Mentoren oder Mentorinnen, von denen du gelernt hast? Du warst deine Co-Fordnerin bei einer? Ja, definitiv. Meine größte, auf jeden Fall. Großes Vorbild für mich. Sie hat mein Einstellungsgespräch damals geführt. Was ist dir hängen geblieben von ihr, was du sonst nicht gelernt hättest? Ich fand sie einfach so cool. Sie war cool, girl. So relaxed.
[01:08:24] Und sie hatte ja damals auch schon so ein kleines Unterwäsche-Startup. Und ich fand irgendwie alles cool an ihr. Aber ich hab dann natürlich viel mehr darüber hinaus von ihr gelernt, ihre Arbeitsweisen. Sie wird nicht umsonst der Terrier genannt. Der Terrier? Ja. Scheiße, dass sie sich so in Dinge festbeißen kann. Ich hatte mal einen Anwalt, den hab ich so genannt. Ich glaub, sie wird bestimmt auch eine gute Anwältin geworden. Also sie kann sich wahnsinnig in Dinge festbeißen und Deep Dives machen und lässt sich halt nicht abspeisen mit so, das ist halt jetzt so.
[01:08:53] Die Zahlen sind gerade schlecht, weil das Wetter ist zu gut. Es ist halt gerade ein bisschen Sommerpause. Nein. Höchstwahrscheinlich kannst du graben, graben, graben und findest noch ein paar andere Fehler, an denen es gerade liegt. Das ist eine geile Fauna-Eigenschaft. Ja, es ist total ihre größte Eigenschaft und die größte Skill, glaube ich. Ich bin ein bisschen mehr pragmatisch. Ich hab vielleicht auch oft was Beschwichtigendes reingebracht, wenn sie mehr Highs und Los hatte. Also das hat schon sehr gut gematcht. Aber du, ganz ehrlich, rückblickend in diesen zehn Agenturjahren, ich hab alles von ihr gelernt, was ich kann.
[01:09:22] Für wen bist du heute das, was Laurence für dich war? Ähm, ich versuch's zu sein jetzt für junge Gründerinnen. Ähm, ich versuch's zu sein im Rahmen von der TU München beispielsweise, an der Unternehmertum. Darf ich öfter mal ein Seminar geben, eine Case Study machen und mich irgendwie eine Stunde löchern lassen von den Studierenden, die dort ja meistens irgendwie entweder bereits gegründet haben oder begleitet werden oder planen, das zu tun. Und das macht mir wahnsinnig viel Spaß.
[01:09:51] Ich treff mich auch mit vielen anderen Gründerinnen. Also ich glaub, ich bin generell ein offenes Buch. Was fragen die dich? Was so verschiedene Themen angeht. Es kommt total drauf an, in welcher Phase sie gerade stecken. Also ja, oft geht's um Vereinbarkeit und wie hast du dies und jenes gemacht? Es geht viel um den Exilprozess. Also wenn das relevant wird. Ehrlich gesagt sind wir ja Teil der wenigen weiblichen Gründerinnen, die ein Unternehmen verkauft haben. Da gibt's leider, leider wirklich wahnsinnig wenige davon. Eben auch nicht gemischte Founderteben, sondern wirklich rein weibliche.
[01:10:19] Das heißt, da kommen viele Anfragen dann zu uns. Da bin ich auch immer wirklich happy, mich drüber zu unterhalten und drüber zu sprechen, wie dieser Prozess auch für uns aussah. Also ja, es ist ein Fondes. Wenn dir eine Gründerin ihr Business pitcht, was ist die erste Frage, die du ihr stellst, um rauszufinden, ob es für dich ein Investment sein könnte? Wozu sie mein Geld braucht. Die Bootstrapperin investiert in Startups. Da muss man auch sagen, okay, was ist da los? Ja, also wie gesagt, Seedstrapping. Ja, macht Sinn. It's okay. Spricht erstmal nichts dagegen.
[01:10:49] Ich glaube auch, es ist tief in uns drin der Wunsch gewesen, was ans Ökosystem zurückzugeben. Ich sehe mich in Zukunft jetzt nicht als Business Angel, als mein Hauptjob. Das wird's nicht werden. Aber wahrscheinlich ist ein frisch geexiteter Founder die Nummer 1 Zielscheibe, wenn es um Angel Investments geht. Also wenn ich ein Founder wäre auf der Suche nach Investments, dann würde ich mich mal umgucken, wer gerade den Exit gemacht hat. Am besten Cash noch auf dem Konto. Immer Leute, die gerade frisch ist. Cash ist frisch da.
[01:11:19] Die Leute denken, mir gehört die Welt. Ich weiß alles. Du hast sehr gute Chancen. Also unser erstes Investment war auch sechs Monate nach dem Exit und die Idee war so, ah Lea, so viel Kramer investiert auch. Okay. Das ist der Trust, der sich vererbt wie bei Google auf die Brands. In dem Fall die Lea auf dem Cap Table. Ganz genau. Und wenn du fragst, wozu brauchst du mein Geld? Was ist die Antwort, mit der man sich direkt disqualifiziert?
[01:11:46] Also ich mag keine VC-Modelle, ja wirklich, wo es dann nur darum geht, nächste Runde, nächste Runde und in zehn Jahren ist irgendwie vielleicht der Weg zur Profitabilität. Das macht für mich überhaupt keinen Sinn. Gerade weil wir ja dann auch wieder im Konsumgüterumfeld viel unterwegs sind mit unseren Angel Investments. Ich mag es auch nicht, direkt so einen riesen Teamaufbau zu sehen. Also ich brauche fünf Leute für XY, weil ich schon finde, gerade in der heutigen Zeit mit AI, du kannst sehr viel erst mal selbst machen. Ihr habt die erste Millionen selbst gemacht. Ja, zu zweit. Zu zweit.
[01:12:17] Nebenher. Ohne AI. Ohne AI tatsächlich noch, ja. Aber auch einfach mit Fleiß, so blöd es klingt, ja. Es ist halt Arbeit, aber ich bin der festen Überzeugung, wenn du deine eigenen Operations nicht kennst, dann kannst du deine Firma nicht groß werden lassen, dann kannst du sie nicht skalieren. Du musst alles irgendwie mal selbst gemacht haben, um das zu verstehen, um den Maschinenraum zu verstehen. Kannst du mal einen Freelancer dazu holen, klar, aber wenn du nicht verstehst, wie auch Marketingkanäle funktionieren, wie willst du denn dann das überblicken und irgendwie wachsen lassen?
[01:12:46] Das ist schon super wichtig, das alles erst mal selbst zu machen. Und echt, none of it is rocket science. Schon gar nicht in Zeiten von AI. Welche Antwort hat dich überzeugt auf die Frage, wofür brauchst du mein Geld? Erzähl mal von den letzten Investments, die du gemacht hast. Also ganz klar, es ist ja wirklich Basics, Setup und Waren, Vorfinanzierung. Okay. Das ist es erst mal. Und dann möchte ich, wenn ich auf einen Businessplan schaue, einen relativ straighten Weg zur Profitabilität sehen. Liest du Businesspläne? Ja, natürlich. In welcher Form hättest du die gerne? Also schaust du eine Excel oder ein Word-Dokument? Nein, eine Excel-Dokument. Okay.
[01:13:16] Also nicht, dass ich jetzt der krasse Finance-Nerd wäre, wirklich nicht. Aber ich kann inzwischen den Businessplan lesen. Worauf schaust du da als erstes in der Excel? Umsatzentwicklung und dann unten die EBIT-Entwicklung der nächsten Monate und Jahre. Das würde mich schon interessieren. Und auch ist das realistisch? Was sind die Annahmen dahinter? Ist es zu viel oder ist es zu wenig? Was sind die Annahmen dahinter? Hat die Person eine gute Einschätzung davon, was ihre Kacks sein werden, ihre Kundenakquise kosten? Oder ist das vielleicht ein bisschen far off?
[01:13:45] Denkt die, sie wird in einem Jahr 20 Millionen machen? Wahrscheinlich eher nicht. Steht da drin, dass sie nur 200.000 macht. Finde ich unterambitioniert. Und so, ich möchte schon, dass da ein Grundverständnis da ist für die KPIs und ich sagen kann, ja, das ist plausibel. Wenn alles super läuft, kann das so passieren. Ja, ich finde auch immer, es ist ja auch eher ein Test, gar nicht so sehr auf, ist dieser Plan jetzt korrekt oder nicht. Ich meine, das ist eh die Zukunft. Das kann eh keiner seriös sagen. Aber die Frage dahinter ist ja eher, mit welchen Annahmen gehst du rein? Wie ist die Denkweise?
[01:14:14] So bist du da abgeklärt oder total naiv? Also es ist ja eher quasi die Frage des Handwerks. Wie schaust du auf dein eigenes Business? Ja, völlig richtig. Und fairerweise, ich habe ja schon gesagt, ist wieder nicht unbedingt nur zur Zukunft drin. Wir haben einen kleinen Fonds aufgesetzt, der alle raus und ich zusammen und ein bisschen investiert. Wir machen das zusammen. Wie viel wollt ihr investieren? Die Panda Ventures. Panda Ventures. Okay. Projekt Panda war unser erster Projektname für die Bärchen. War auch unser, im M&A-Prozess machst du ja auch einen Projektnamen.
[01:14:41] Gibt es immer den Codenamen, dass du wie C nicht über den Firmennamen sprichst. Ganz genau. Der war dann auch sofort Panda, haben wir uns einmal angeguckt. Panda. Geil. Und so ist die Ventures auch entstanden. Ja, also wir haben ein paar Investments gemacht, aber wie gesagt, ich sehe da nicht unbedingt unsere Zukunft drin, weil das haben hier ja auch schon klügere Menschen gesagt. Du musst schon auch gewillt sein, dann da ein Portfolio aufzubauen von 30, 40 Investments, damit es überhaupt langfristig Sinn ergibt. Das sind wir, glaube ich, nicht. Auch nochmal weitere Runden mitzugehen, auch das sind wir nicht unbedingt.
[01:15:10] Und wenn ich dann halt leider auf die Bewertungen sehe, mit denen wir schon rein starten, Pre-Revenue, wenn da schon so hohe Zahlen stehen, dann denke ich mir auch wieder, wo soll denn da für mich ein Business Case draus werden. Jetzt verwässert das noch dreimal und für wie viel willst du dann irgendwann verkaufen? Brauchst ja wieder 100 Millionen Exit, damit das noch irgendwie Sinn ergibt am Ende des Tages. Also ich tue mir echt ein bisschen schwer mit dem Modell. Und zu Company Building, also im Sinne von, du bist so eine Art Co-Founderin, aber mit Geld und kannst deine Erfahrung auch einbringen,
[01:15:39] aber hast dafür auch einen höheren Stake als so der typische Angel. Sind das Themen, die du dir anschaust oder wie denkst du über sowas nach? Ja, also habe ich so das Thema Advisory Shares, ja. Dass man sowas macht, finde ich schon spannend. Es ist noch nicht dazu gekommen, ehrlich gesagt. Aber klar, es gibt immer mal wieder Modelle, wo ich schon sage, finde ich richtig spannend. Okay, gib mir die Modelle. Die Modelle? Was findest du spannend? Wenn du sagst, morgen neu gründen mit allem, was du heute weißt, was sind coole Themen? Du musst ja nicht mal selber machen. So hier hören viele Leute zu, die suchen Ideen,
[01:16:08] also dann können wir das zusammen investieren. Oder eben Panda Ventures. Was sind die coolen Themen im Consumer-Bereich, wo du sagst, oh, da müssen wir mal hinschauen? Genau, also erstens mein Herz hängt am Consumer-Bereich auf jeden Fall. Das sind die Sachen, die ich spannend finde. Ich gehe auch nach wie vor mit offenen Augen durchs Drogeriemarktregal. Ich finde immer, das ist eigentlich die beste Inspiration, zu gucken, welche Regale sind eigentlich unterinnoviert, sehen seit 20 Jahren gleich aus, sind vielleicht von zwei, drei Playern dominiert und wo kann man halt auch mal irgendwie mit Innovation rein. Oder auch, wo kann man einfach was Existierendes nehmen, um Ranten für eine andere Zielgruppe.
[01:16:38] Das sind eigentlich, finde ich, die spannenden Modelle. Ich sehe das aktuell im Bereich Oral Care, Mundpflege, Mundhygiene, ganz klar. Da gibt es schon erste Themen. Also es gibt erste Doktor-Brands in München, Dr. Katharina Brost zum Beispiel, die schafft das, eine Zahnpasta mit echt cleanen Ingredients für 25 Euro, glaube ich, zu verkaufen. 25 Euro für eine Zahnpasta? Das geht doch nur in München. Ich würde sagen, ihr Shop sagt was anderes. Okay, good point.
[01:17:05] Artem von Diana Zulöwen, da habe ich sofort gesagt yes. Hast du investiert? Nee. Wir haben uns danach getroffen. Wie machst du Sachets? Nimmst du so einen Pulver? Ja, das ist, glaube ich, jetzt ein erstes Produkt. Aber da gerade das Rubbing reinzugehen, in den Markt ja wirklich davon irgendwie Procter und was weiß ich total beherrscht ist, wo seit Jahren keine Innovation stattgefunden hat, wo du die Ingredients scheiße, wenn man ehrlich ist, wenn du mal hinten drauf guckst, sind da ganz viele Sachen drin in der klassischen Zahnpasta, die sind sehr schlecht für dich und deinen Körper.
[01:17:35] Also du kannst clean reingehen, du kannst functional reingehen. Es gibt im Ausland schon Modelle, wo zum Beispiel Probiotika zugesetzt sind in die Zahnpasta, die dann für die Mundflora oder über die Schleimhaut schon aufgenommen werden. Du kannst mit ganz anderen Geschmäckern reingehen. Wir haben hier irgendwie Sperment als Standardflavor für Zahnpasta. Können Sie auch Tiramisu machen. Können Sie alles machen. Also da ist, glaube ich, die Chance gerade wide open, mit was Coolen reinzugehen. Okay, interessant. Und du sagst, wenn du sowas beurteilst, würdest du sagen, es ist ein bisschen boring, es ist unterinnoviert, hast du gesagt,
[01:18:05] sehr eingespielt und quasi so hygienisch-medizinisch und das könnte man irgendwie ein bisschen cooler. Disruptions hat bisher keiner gemacht. Genau, einfach teilweise ist es ja wirklich nur so ein lifestyligerer Approach. Also ich meine, guck, wir sehen es ja ständig, im Supplementmarkt sehen wir es ständig. Es gibt keine Innovation im Supplementmarkt, wenn wir ehrlich sind. Ab und zu findet mal jemand ein neues Trägermedium. Super. Aber was die Wirkstoffe angeht, wir kennen alles seit Jahrzehnten oder sogar seit Jahrhunderten. Es geht eigentlich immer nur darum, klar, es gibt neue Studienerkenntnisse,
[01:18:33] das zu nehmen und auf eine neue Zielgruppe zu framen. Guck dir die Elektrolyte-Drinks gerade an. Das kennen wir seit Ewigkeiten. Das haben wir uns in der Apotheke geholt, wenn wir wieder Magen-Darm-Grippe aus dem Kindergarten irgendwie daheim hatten. Oder zu viel getrunken haben am Abend davor. Nee, gar nicht so wirklich. Das ist halt schon wieder der neue Ansatz. Auf einmal kam raus, ah ja, das ist ja auch ganz gut für einen Kater. Also können wir es doch direkt als Antikatermittel vermarkten. Oder als Performance-Unterstützung für Sportler. Das ist einfach nur ein Rebranding für eine neue Zielgruppe. Das Produkt ist exakt das Gleiche geblieben. Finde ich auch wirklich geil. Ich habe heute Morgen einen Drill getrunken. Wir hatten ja hier David Rost
[01:19:02] und mit André Schürrle zusammen macht er diese Brand. Und wie findest du es so? Ich finde es super. Ich denke, ich nehme da einen Schluck aus dem Mittelmeer, weil das halt so salzig schmeckt. Aber ich finde es für einen Sport, für einen Podcast, ich habe irgendwie das Gefühl, das ist gut. Aber ich trinke ja Salz. Und ich denke mir so, wie geil, wie die das hinkriegen, dass sie mir so ein Päckchen Salz von drei Gramm Holy Shit. Und ich finde es auch noch geil. Lusch hatten wir auch hier im Podcast. Die beiden Mädels, Cherie und Lotte, die das machen, in ein bisschen anderen Kategorien. Ja, der Markt ist sehr spannend. Aber so gibt es jetzt auch schon ein paar.
[01:19:33] Ich finde noch wahnsinnig spannend Personal Care für Twins. Für was? Twins sind 8- bis 13-Jährige. Also die Gruppe vor den Teenagern. Vor allem Mädchen natürlich immer, wenn es um Personal Care geht. Kinder kommen immer früher in die Pubertät heutzutage. Die werden auch immer früher natürlich irgendwie so in den Sog von Social Media reingezogen. Und wenn du dich mal am Wochenende in den DM-Markt stellst, bist du mal wieder so Gruppen von jungen Mädchen sehen, die da abhängen
[01:20:02] und ihr ganzes Taschengeld ausgeben für Produkte, die überhaupt nicht für ihre Haut geeignet sind. Da ist gerade auch ein großer Gap wirklich für Personal Care, für Hautpflege, aber auch schon für dekorative Kosmetik, die keine Kinderschminke ist, die aber gute, clean ingredients hat, die auf diese Haut auch abgestimmt ist. Da wird gerade eine ganz neue Zielgruppe geschaffen oder die gibt es halt jetzt. Das, was vor 20 Jahren die Teenager waren, wo dann Claire Asiel reinkam oder ein Baby Young Care, das sind jetzt diese Twins.
[01:20:32] Da gibt es glaube ich auch gerade eine massive Marktschance. Und das geht hin bis zu so First Period Kids und solche Sachen. Das kannst du in jede Richtung spielen. Das finde ich super, super spannend. Würde ich mir gerade definitiv angucken. Und wenn ich nochmal Supplements machen müsste. Jetzt. Dann würde ich gerade GLP-1 Companions machen. Uh, finde ich super. Abnehm-Spritze? Also Abnehm-Spritze greift um sich. Die Pille kommt ja auch nächstes Jahr raus.
[01:21:01] Dann wird es nochmal ein Stück mehr demokratisiert. Wir wissen aber, dass es mit Nebenwirkungen einhergeht. Zum einen die Spritze selbst, zum anderen dann durch die rapide Abnahme. Also du hast irgendwie Nausea, ja, Spindel, du hast Verdauungsbeschwerden, du hast Haarausfall, du hast vielleicht Muskelspund. Das sind alles ganz klassische Themen, die du heute schon durch Nahrungsergänzungsmittel sehr gut targetieren kannst. Da könntest du jetzt wunderbar mit einer Brand reingehen, die genau auf diese Zielgruppe targetet, ja, die irgendwie so drei Komplexe mitgibt,
[01:21:30] genau auf diese Themen abgestimmt. Da sehe ich gerade eine Riesenchance für eine geile Brand. Habe ich bisher nichts gesehen. In den USA? Ich glaube, ich gibt es schon eine, aber selbst da, also ist mir jetzt noch keine bekannt, die da gerade irgendwie schon richtig groß ist. Ja, krass. Gibt es bestimmt schon, aber hier? Ja, wir haben eine GAP1-Folge gemacht mit einem Arzt, hier auch in den USA. Sehr krass, die Quote von Leuten, die schon mal Abnehmenspritzen genommen haben, ist ja irgendwie 20, 30 Prozent der Bevölkerung oder sowas ja gut ist. Du sagst, okay, gut, die nehmen ab, den Kalorienbedarf geht runter, viele von den chronischen Erkrankungen
[01:22:00] können dadurch präventiv gelöst werden und so weiter. Also, glaube ich, eines der größten Wundermittel in Anführungszeichen der letzten Zeit, aber geht damit einher, dass du sagst, gut, nimmst weniger Kalorien zu dir, musst dann gucken, dass deine Nährstoffe gedeckt sind, das Protein auch gedeckt ist, ist super schwer, genug Protein reinzukriegen, wenn du einfach weniger isst. Genau, und möchte ich da jetzt 15 Nahrungsergänzungsmittel dafür verschrieben bekommen? Nein, ich hätte gerne irgendwie zwei oder drei Komplexe, die die wichtigsten Themen abdecken und dann kannst du hier wirklich Trittbrettfahrer eines der größten globalen Gesundheitstrends sein. Okay, finde ich geil. Oral Care, Twins,
[01:22:30] habe ich ein neues Wort gelernt? GLP1 Companions. Okay, wer in dem Bereich was machen will, soll ich mal melden, schick mal eine Nachricht und dann... Ja, also, wer mir bitte keine Nachricht schicken soll, ist Gründer von Supplement Brands, weil ich habe mein Non-Compete. Das ist eine LinkedIn Message, die ich ungefähr dreimal die Woche eintippe. Danke für dein Pitch, Dick, es tut mir leid, ich habe mein Non-Compete. Wie lange Geld dann in Non-Compete noch? Noch eine Beile, glaube ich, solange wir reinvestiert sind, auf jeden Fall. Was denkst du zu dem Trend, ich glaube, das ist auch eine starke Meinung,
[01:22:57] Celebrity Brands gründen Consumer Marken, also es gibt ja genug Beispiele, im Supplements Bereich ist eine der aktuellsten, wahrscheinlich IM8 mit David Beckham zum Beispiel, das ist jetzt irgendwie rot und nicht mehr grün, aber im Grunde ist es quasi auch wieder ein bisschen alte Wein in neuen Schläuchen und es gibt es ja immer wieder, dass Celebrities entweder ihre eigenen Brands starten oder sich dranhängen an eine bestehende Brand. Was ist dein Take darauf? Wenn wir eine dieser Firmen starten, würdest du das von Anfang an mit einer Influencerin, mit einem Influencer machen? Es kommt ein bisschen drauf an,
[01:23:26] also wenn die Influencerin nur Brandface sein möchte und das so ein Media for Equity Deal ist am Ende des Tages, halte ich davon nicht so rasend viel. Die wird beschränken, wie viele Posts sie davon macht und das tritt sich dann irgendwann auch aus und wir haben selber gemerkt, der Influencer kann so groß sein, wie er will und so tollen Brandfit haben erstmal auf dem Papier. Der kann auch total im Boden, das kann überhaupt nicht funktionieren und dann hast du eine Menge Geld versenkt und du hast irgendwie überhaupt nichts davon als Brand. Ist uns selber oft genug passiert. Da ist es immer die Schlagzahl,
[01:23:56] die Menge, die es am Ende des Tages ausmacht. Deswegen, das würde ich nicht machen. Wenn eine Influencerin dann einen relevanten Business-Gedanken dahinter hat und auch wirklich gewillt ist, da als Co-Geschäftsführerin aktiv zu sein, langfristig und auch genau weiß, was das mit sich bringt, so ein Start-up, dass du da nicht im ersten Jahr irgendwie Geld rausziehen kannst, dann ist das was anderes, aber das tun halt die wenigsten. Also ich glaube, viele denken wirklich, jetzt ist Zeit, die Reichweite zu kapitalisieren und warum soll ich da eigentlich immer nur einen kleinen Cut kriegen, kann ich doch auch gleich selber machen und wir haben genug gesehen,
[01:24:25] die damit auch wirklich an die Wand gefahren sind. Gerade so im Fashion und auch im Konsumgüterbereich. So einfach ist es dann halt doch wieder nicht. Und ich meine, gerade im Profisport ist das sehr absurd. Also jeder, der irgendwie seine Profikarriere beendet, bringt im nächsten Moment eine Supplement-Brand auf den Markt oder eine Protein-Bar-Brand. Ich verstehe schon, dass es naheliegend ist und dass du dich viel damit beschäftigt hast im Laufe deiner Karriere. Aber ich glaube, echt viel davon ist White Label. Da schreibt dir jemand, hey, Bock auf eine Opportunity, wir managen das alles für dich und tun so,
[01:24:55] als ob das deine Brand wäre. Und ich glaube, dass das fällt öfter, dass es funktioniert. IM8, vielleicht eine römliche Ausnahme. Die sind ja schon auf über 100 Millionen Revenue, soweit ich weiß. In kurzer Zeit, in Jahr 2 oder 3 oder so. da sage ich jetzt okay, Haken dran. Ist auch fair, AG1 hat funktioniert, da kann auch mal ein Gegenspieler dazu. Aber da die Kommunikation, die ich gesehen habe, ohne die jetzt vollständig analysiert zu haben, war auch immer ohne David Beckham. Also da gab es genug Ads, die auf andere Themen abgezählt sind und die ihn gar nicht mitgeschleppt haben.
[01:25:24] Das muss man jetzt gar nicht unbedingt wissen, dass das seine Brand ist. Und das ist natürlich gut, sich davon auch gar nicht so abhängig zu machen, sondern das erstmal auch parallel aufzubauen. Das Gefühl habe ich schon. Ja, okay. Also du würdest sagen, eine Person, die sich einbringt, die das nicht quasi als so eins von vielen Merchandise-Produkten sieht, sondern sagt, komm, das ist wirklich mein Ding. Die muss den Willen haben, das auch über Jahre durchzuziehen, auch wenn das erstmal null Euro bringt. Ja. Würdest du das mit einer Celebrity machen oder mit mehreren? Ich habe tatsächlich gestern gerade mit David T. von Drill gesprochen, genau der Frage, also würdest du lieber
[01:25:53] eine so Leuchtturm-Celebrity nehmen oder so fünf, die vielleicht ein bisschen kleiner sind? Also das sehen wir ja auch gerade der Celebrity Investor und why not? Also wenn ich mir Free Bears angucke aus München, die Porridge Company, die Harry Kane und jetzt aber auch Sally von Sallys Welt, also ganz verschiedene, die alle für sich Sinn machen für eine Co-Creation und das Gesicht irgendwie auf die Packen zu packen, aber die auch eben wirklich investiert sind. Das ist jetzt schon ein relevanter Case, das können die noch ein paar Mal machen. Warum soll ich denn irgendeinen VC mit an Bord nehmen, wenn ich auch eine sehr reiche
[01:26:23] Einzelperson mit einer hohen Reichweite mit an Bord nehmen kann, die eine Audience mitbringt, die am Produkt nochmal mitwirken kann, für die das einfach ein Angel Investment ist, finde ich durchaus spannend, warum nicht? Was sollte Laura machen mit ihren Female Energy Drinks? Was würdest du ihr mitgeben zum Thema Celebrity Partnerschaften? Ja why not? Also wenn sie da eine Runde macht, dann finde ich das schon super spannend. Ist auch ein bisschen der Höhle der Löwen Effekt, da auch direkt einen Celebrity Investor mit einer gewissen Strahlkraft zu haben. Also wenn du schon weißt, du wirst Runden machen wollen oder müssen, auch der Lea so viel
[01:26:53] Kramer Effekt, wie wir ihn vorher hatten, der existiert, ja. Lea so viel Kramer Effekt. Dann hängt sich dann jeder dran, gucke ich nicht mehr ganz so genau auf den Businessplan. Lea ist demnächst im Podcast, bleib dran. Jetzt abonnieren, dass ihr den Lea so viel Kramer Effekt nicht verpasst, wenn die Folge in ein paar Wochen rauskommt. Liebe Grüße. Was ist eine Wahrheit, für die du stehst, die viele andere nicht teilen? Was ist dein Contrarian Belief? Um zurück aufs Thema Vereinbarkeit zu kommen,
[01:27:22] you can have it all, but not at the same time. Okay. Das ist schon was, wofür ich sie erstere. Ich sehe oft gegenteilige Meinungen, ja. Wenn du dich nur irgendwie gut genug organisierst, kannst du alles haben als Frau heute, musst nur, musst es nur genug wollen. Das sehe ich nicht. Da will ich ehrlich sein. Das hat bei mir nicht funktioniert, das passiert bei so vielen anderen nicht. Ich glaube, die Dinge folgen irgendwie sequentiell aufeinander, aber es wird immer Standbeine geben, die leiden und die du nicht haben kannst. Verfolgt den Satz.
[01:27:52] Der Exit hat mir alles gegeben, außer Purpose. Den nimmt er dir erstmal. Den nimmt er dir. Da musst du dir einen anderen suchen. Und den musst du jetzt wieder aktiv suchen. Der musst du wieder aktiv suchen. Ich habe den schon gefunden, aktuell in meiner Familie, in meinen Kindern. Wir haben es ja eingangs gesagt. Das ist der stehende Purpose. Ich bin dankbar, dass der da war. Als Fallback, wenn man so will. aktuell ist mein Purpose irgendwie die beste Mutter für meine Kinder zu sein. Sei es nur, indem ich ausgeglichen bin
[01:28:21] und so wenig Stress wie möglich und so gesund wie möglich. Das ist jetzt mein Purpose. Aber irgendwann wird bestimmt auch wieder ein Business Purpose hinzukommen. Kannst du dir vorstellen, nochmal voll aktiv zu gründen? Ja, ich kann es mir schon vorstellen, aber nicht jetzt. Also jetzt ist nicht die Zeit. Jetzt ist dieses Kapitel erstmal abgeschlossen und jetzt ist eben Zeit für die Kinder, Zeit für mich, Zeit für Familie und wenn die größer sind, das geht ja schnell genug. Und mich vielleicht auch nicht mehr so brauchen, dann kann auch wieder Zeit für Business sein und dann kann ich mir das durchaus nochmal vorstellen.
[01:28:52] Aber ich muss es auch nicht. Ich muss mir nichts mehr beweisen. Finde ich gut. Das finde ich schon auch wichtig. Weil ich bin so dankbar dafür, wie alles gelaufen ist. Es war in vielerlei Hinsicht ein Best-Case-Szenario. Wir sind so oft offene Türen eingerannt. Wir hatten so viel Timing und Glück und ich will nicht sagen, dass wir nicht Skill hatten und das nicht gut gemacht haben. Das haben wir ganz bestimmt. Aber ich würde niemals verkennen, wie viele Faktoren damit reinfließen, damit das so funktioniert und an wie vielen Stellen es auch hätte schief gehen können. Ich bilde mir nicht ein, dass wir die krassesten Fauna der Welt sind
[01:29:21] und dass ich das jetzt einfach so reproduzieren kann. Deswegen bin ich dann es auch gut. Lena, schön, dass du da warst. Wo finden Leute dich online? Wer soll sich melden? Wer soll sich nicht melden? Also keine Supplement-Fauna auf der Suche nach Investment. Das bringt gerade nichts. Du, melden darf sich jeder gerne, wahrscheinlich am besten auf LinkedIn, der Bock hat, irgendwie an die Themen anzuknüpfen, die wir heute so gesprochen haben. Ich bin available für Lunch, für Keynotes, für Boardseats.
[01:29:52] Also ja, wer Lust hat, meldet euch. Von best. Schön, dass du da warst. Vielen, vielen Dank für die Einladung. Danke dir.

