Eine Milliarde Views – Kunst trifft Business! Jungkünstler Tim Bengel im Interview | E 22
Founder Mode21. Februar 2025
22
01:14:13

Eine Milliarde Views – Kunst trifft Business! Jungkünstler Tim Bengel im Interview | E 22

In dieser Folge von Founder Mode tauchen wir ein in die Welt der Kunst und Kreativität mit Tim Bengel, einem der bekanntesten jungen Künstler Deutschlands. Tim ist nicht nur Künstler, sondern auch Unternehmer und Kunstinvestor. Wir sprechen über seinen einzigartigen Weg in der Kunstwelt, seine viralen Erfolge und seine innovativen Geschäftsansätze.


Themen der Folge:

  • Der Anfang:

Wie Tim Bengel als Kind begann, Museen zu hinterfragen und sich als Ziel setzte, selbst dort vertreten zu sein: “Wenn ich selbst mal im Museum hänge, werde ich wohl wissen, was Kunst ist.”

  • Der Durchbruch:

Sein Weg zum Erfolg mit Sand, Gold und Klebstoff – und wie ein virales Facebook-Video mit 18 Millionen Views in einer Woche seine Karriere veränderte.

  • Viraler Content:

Warum Authentizität und der Überraschungsmoment der Schlüssel zu Tims viralen Hits sind – und warum professionelle Videos oft weniger erfolgreich waren.

  • Avocado-Bagel aus Gold:

Eine Skulptur aus 7 kg massivem Gold – was das Kunstwerk über Statussymbole und die Verbindung von Kunst und Medien aussagt.

  • Filderkraut-Festival:

Wie Tim ein vergessenes Gemüse mit einem Festival, einer Ausstellung und einer Edelstahl-Skulptur ins Rampenlicht brachte.

  • Direktvertrieb in der Kunstwelt:

Warum Tim den klassischen Galerien oft den Rücken kehrt und lieber direkt an Kunden verkauft – inklusive limitierter Drops.

  • Business-Ideen:

Boutique-Gyms mit besseren Fitnessräumen, Biodiversitätszertifikate und eine Rundum-Gesundheitslösung – Tims Ideen für die nächste Generation von Gründern.


Mehr zu Tim Bengel gibt’s hier:

https://www.timbengel.com/ 

https://www.instagram.com/timbengel/?hl=de 


Mehr Infos zu Feliks und Moritz findest du hier:

https://www.linkedin.com/in/eyser/ 

https://www.linkedin.com/in/moritzblees/ 


Marker:

(00:00:00) Tims Weg zur Kunst

(00:06:37) Sand, Gold und der Durchbruch

(00:13:23) Virale Kunst und Reichweite

(00:17:38) Kunstpreise und Nachfrage

(00:24:09) Der goldene Avocado-Bagel

(00:28:48) Das Filderkraut-Festival

(00:43:52) Galerien und der Kunstmarkt

(00:49:09) Unternehmertum neben der Kunst

(01:04:07) Business-Ideen für die Zukunft

[00:00:00] Das erste Video hatte dann trotzdem auf meinem Account schon irgendwie 50.000 Views und das würde ich halt am Ende nie sagen wollen, dass ich sag okay diesen einen Traum habe ich nie probiert weil ich Angst hatte und dann haben wir uns irgendwann gesagt ja wir wollen noch was schaffen das bleibt weil dieses Festival diese Ausstellung ist ja irgendwann vorbei wir machen das eine Hommage als Public Sculpture für das Filter Crowd. Meine Galeristen sind immer noch wichtig also du kommst zum Beispiel ohne eine Galerie nicht auf eine Kunstmesse.

[00:00:26] Willkommen bei Founder Mode dem Entrepreneurship Podcast bei dem Sand zu Gold wird heute zu Gast Tim Bengel Einem Künstler der früh gelernt hat wie er Aufmerksamkeit über Instagram und verschiedene andere Kanäle für seine Kunst akquirieren und dann am Ende auch monetarisieren kann. Er arbeitet mit Sand und Gold macht Skulpturen aus Edelstahl und sogar aus purum gegossenen Gold

[00:00:50] und warum er seit Jahren nicht hinterher kommt eigentlich all die Nachfrage die er kreiert zu befriedigen. Viel Spaß dabei! Cool Tim, schön dass du da bist. Du bist Künstler, du bist Unternehmer, du bist auch Kunst Investor darüber wollen wir heute sprechen und verstehen wie der Kunstmarkt funktioniert, wie du bekannt geworden bist, wie man mit Kunst Geld verdienen kann oder auch nicht was du sonst unternehmerisch gerade machst.

[00:01:17] Also glaube ich alle spannende Storys, die wir von dir heute hören wollen. Ich erinnere mich, wir haben uns beide in Stuttgart kennengelernt, wir kommen ja beide aus Stuttgart und dann hast du mich gefragt, nachdem wir uns gar nicht so lange kannten, hast du gesagt, ey ich hab da diese Tour und geh nach New York und San Francisco und mach da so meine Art Tour, willst du mitkommen?

[00:01:35] Und ich hatte zu dem Zeitpunkt, ich hatte meine Firma verkauft, hatte ein bisschen Zeit und dachte mir, okay das klingt auf jeden Fall wie ein gutes Abenteuer mit dem Shootingstar der Kunstszene in die USA zu gehen und sind wir da hingeflogen, gelandet und nach New York und sind sein Mittagessen gegangen. Und das werde ich nicht vergessen, wie wir da saßen mit dem, wie hieß er? Mit dem Jens. Mit dem Jens, ja der deutsche Konsul, oder? Ja genau, der deutsche Konsul in New York. Cooler Typ auf jeden Fall.

[00:02:03] Cooler Typ und wir sind Mittagessen gegangen in so ein französisches Bistro und deine Mission bestand darin, ihn zu überzeugen, dich ins Museum zu bringen. Dann hast du gesagt, hey ich bin junger Künstler und wie wird ein Künstler bekannt und relevant, indem er im Museum hängt. Also jetzt haben die Museen, stellen normalerweise eher tote Künstler aus, so kann man gleich darüber sprechen, wie man sonst im Museum kommt, aber du hast dir überlegt, hey ich will ins Museum und dann aber auch nicht in irgendeinem Museum, sondern ins MoMA.

[00:02:29] Dann hast du überlegt, wie kommt man ins MoMA, so da stehen jetzt wahrscheinlich viele Schlangen, die ihre Kunst da aushängen wollen, aber das MoMA entscheidet selber. Deine Idee fand ich sehr kreativ. Du hast gesagt, zum Jens, lieber Konsul, wenn die deutsche Regierung dem MoMA ein Kunstwerk schenkt, dann müssen die das ja annehmen. Das ist ja besser, als wenn ich als Tim da ankomme und denen das Bild schenke.

[00:02:52] Lieber Jens, willst du nicht, ich gebe dir ein Bild von mir und du schenkst es dem MoMA offiziell im Namen von Deutschland und dann hängen die das auf und haben wir beide was davon. Ich dachte so, das kann jetzt nicht sein, dass das der Plan ist, mit dem wir nach New York sind. Also wenn es funktioniert, ist es mega. Und es hat am Ende nicht funktioniert, muss man vorab sagen, aber danach sind ein paar andere Sachen. Das fand ich erstmal eine sehr gute Idee und man muss halt auch mal ein bisschen kreativ um die Ecke denken, dachte ich mir.

[00:03:23] Weil sonst ist der Weg ins MoMA wirklich sehr steinig bis fast unmöglich. Und ja, so ein bisschen out of the box denken. Und der hat darüber nachgedacht. Ja, manchmal. Und er saß dann da, da hat er überlegt, ja, was können wir machen? Und ja, MoMA, da kenne ich aber im anderen Museum, da kenne ich auch noch eine Person. Also er hat dann angefangen, darüber nachzudenken, wie man dich da bekannt machen kann. Was ist draus geworden? Bist du mit dem Jens da in Kontakt? Ja, der musste dann leider aus New York weg, weil die müssen ja alle vier Jahre in eine neue Stadt. Und er ist dann nach Honduras gegangen.

[00:03:54] Und ja, da habe ich mich besucht. Bin ich jetzt in Honduras in einem Museum? Bist du jetzt da im Nationalmuseum? Mal, mal. Nee, deswegen ist der Kontakt da jetzt ein bisschen abgebrochen nach New York. Aber so ist es halt in der Kunstwelt. Also es läuft halt so viel über Kontakte, über Vitamin B. Das ist auch nicht so, dass man sagen kann, die beste Kunst hängt in MoMA oder in den großen Museen, sondern das sind auch alles Künstlerinnen und Künstler, die dadurch irgendwelche Kontakte halt platziert wurden.

[00:04:23] Wie bist du den Künstler geworden? Gib uns mal den Download, die drei, vier wichtigsten Bullet Points. Und was bisher geschah, wie du zur Kunst gekommen bist. Was bisher geschah? Ja, also ausgelöst wurde sozusagen mein Interesse an Kunst wirklich schon in der Kindheit. Da war ich mal mit sieben oder acht Jahren hier bei uns in der Staatsgalerie in Stuttgart. Warst du bestimmt auch schon mal, Felix? War ich auch schon. Und damals hingen wirklich so halb abstrakte, missabstrakte Kunstwerke von Kandinsky.

[00:04:51] Ich glaube, Cy Twombly hatte da mehrere Werke hängen. Und im Endeffekt waren das so dreimal drei Meter große Bilder, wo ein orangener Fleck drauf war. Und ich stand da halt als kleiner Junge davor und konnte überhaupt nicht fassen, warum die Erwachsenen so toll und außergewöhnlich fanden. Und warum die Staunen vor so einem orangenen Fleck standen und den untersucht haben. Und da habe ich dann halt meine Mutter gefragt, meine Kunstlehre, so was ist denn überhaupt Kunst?

[00:05:18] Und wieso hängt jetzt genau dieser orangenen Fleck im Museum? Und was ich halt total interessant fand, ist, dass jeder Erwachsene mir eine andere Antwort gegeben hat. Und das ist ja im Unterschied zu einem mathematischen Problem, da kannst du jeden Erwachsenen fragen, was ist zwei plus zwei? Sagt dir jeder das Gleiche. Aber auf die Frage, was ist Kunst und wie kommt man ins Museum und wie wird man Künstler, sagt dir jeder Erwachsene was anderes. Und das hat es damals für mich schon total spannend gemacht, mir diese theoretischen Fragen zu stellen.

[00:05:47] Und ich habe dann erst mal probiert, als kleiner Junge selber ins Museum zu kommen. Habe gedacht, okay, wenn ich selber mal in die Museen komme. Das war schon immer dein Ding, in die Museen zu kommen. In die Museen zu kommen, ja. Also ich fand das einfach interessant. Ich dachte, wenn ich halt irgendwann mal im Museum hänge, dann werde ich ja wohl wissen, was Kunst ist, weil ich ja Kunst gemacht habe, die im Museum hängt. Was war damals dein Hack? Damals war mein Hack einfach das, was da hängt, zu imitieren. Weil ich dachte sozusagen, okay, Museen zeigen halt gerne Bilder mit Flecken drauf.

[00:06:16] Das mache ich selber Bilder mit Flecken drauf. Und habe sozusagen meine eigenen Kandinsky's und Sidewombly's gemacht, die eigentlich sehr gute Imitate waren. Und habe die in den Museum geschickt. In die Staatsgalerie, ans Kunstmuseum, ans Ritter Sportmuseum. Das ist auch hier ein Museum für moderne Kunst. Und die haben tatsächlich die einzigste Rückmeldung mir gegeben. Haben gesagt, wir können es leider nicht ausstellen. Aber hier als Dankeschön habe ich fünf Kilo Schokolade.

[00:06:47] Das war immerhin noch was Nettes. Und mit der Zeit habe ich dann immer weiter drüber nachgedacht. Ich meine, da war ich acht Jahre alt. Und dann irgendwann halt während dem Abi habe ich gedacht, okay, die Künstler, die ja heute in den Museen hängen, die haben ja damals niemanden imitiert. Sondern es waren Künstler, die sind halt neue Wege gegangen. Und die wurden damals oft halt eher schräg angeguckt bis sogar verachtet.

[00:07:12] Also die Impressionisten, die wurden damals vom Fouetot als geisteskranke Strömung bezeichnet. Und heute hängen die in den Museen. Und deswegen, wenn man wirklich so einen Anspruch hat, dann darf man heute auch niemanden imitieren und die Sachen, die gut laufen, nachmachen. Sondern man muss sich einen eigenen Weg suchen. Wie ging dein eigener Weg los? Erstmal eben mit der These, dass ich gesagt habe, okay, ich will was Uniques schaffen. Eine eigene Handschrift entwickeln.

[00:07:43] Oder vielleicht sogar eine eigene Technik. Und habe dann während dem, eigentlich so in der Oberstufe irgendwie damit angefangen, so nebenher immer das zu machen. Und habe da wirklich lange gebraucht, bis ich dann auf diese Technik gekommen bin, mit der ich jetzt auch erfolgreich bin, mit Sand und Gold. Also ich nehme Klebstoff, Sand und Gold und verklebe das zu einer Art Collage, wo dann am Anfang viele Portraits entstanden sind.

[00:08:12] Von Portraits bin ich dann Richtung Architektur. Und das hat sich dann immer weiterentwickelt. So auch mal ein bisschen ins Organische, ins Abstrakte rein. Jetzt bin ich gerade an neuen, an eher so Fantasiewelten dran. Aber immer in der gleichen Technik. Schwarzer Sand, weißer Sand und Blattgold wird kombiniert. Und dann sind die Kunstwerke halt sehr, also hohen Kontrast haben die natürlich. Und sind sehr minimalistisch.

[00:08:39] Also es sind eben nicht wie jetzt oft Gemälde, die ja irgendwie leuchtende Farben verwenden oder so. Sondern schwarz-weiß-gold. Passt auch zu mir persönlich, ehrlich gesagt. Ich bin jetzt auch nicht so der bunte Vogel. Und ich glaube, das ist auch nochmal was, wo zur Authentizität dazugehört. Dass die Kunst zum Künstler passt. Also man merkt irgendwie, kommt es aus einem raus. Und bei dieser Technik, das war das erste Mal, wo ich gefühlt habe, hey, das passt auch zu mir.

[00:09:11] Und ja, das war so 2015 ungefähr, wo ich das erste Bild in dieser Technik vollendet habe. Damals noch ohne Gold, weil ich mir da gar kein Gold leisten konnte. Nur Sand. Nur Sand, genau. Und da habe ich dann auch gemerkt, da fehlt noch so ein bisschen das i-Tüpfelchen, wo dann nachher das Blattgold wurde. Und ja, dann stand ich da, hatte erst mal ein gutes Ergebnis. Und musste dann halt gucken, okay, wie bringe ich diese Nachricht in die Welt. Genau.

[00:09:39] Also weil ich habe dich ja nicht kennengelernt in Stuttgart und bin mit dir erst mal zum Konsul geflogen. Sondern ich habe dich in Köln kennenlernen dürfen auf einem Event, den Felix damals organisiert hat. Und da hast du darüber geredet, wie es eigentlich ist, seine Kunst direkt zu vermarkten, beziehungsweise Content zu produzieren, der von sich aus irgendwie dazu führt, dass die Menschen sich mit dieser Kunst beschäftigen.

[00:10:07] Und das fand ich eigentlich das Spannendste an dem Ganzen. Weil ich war zu dem Zeitpunkt ja noch irgendwie so in so einer D2C-Welt drin. Das bedeutet, früher gab es ja auch irgendwie eine Modemarke, die halt gesagt hat, sie macht eine Kollektion und dann geht sie auf die Partner zu. In deinem Fall wären es jetzt Galeristen, da wären es jetzt Modehäuser gewesen. Die muss man bezirzen und die helfen einem, das dann zu verkaufen.

[00:10:29] Und dann ging man in die Welt, dass man gesagt hat, naja, man schafft eigene Reichweite und man verkauft es direkt an die Kunden und an die Endkonsumenten. Und mein Verständnis war, und jetzt berichtige ich mich, wenn ich falsch liege, dass du einen ähnlichen Weg gegangen bist. Dass du quasi jetzt Galeristen gar nicht so unbedingt brauchtest, um dich als Tim Bengel bekannt zu machen, durch die Art, wie du da Inhalte geschaffen hast. Und da wäre jetzt meine Frage, A, ist das so und B, was für Inhalte waren das dann?

[00:10:57] Ja, also man muss vielleicht erst mal sagen, ich komme nicht aus einer Künstlerfamilie oder aus irgendeinem künstlerischen Umfeld. Also ich wusste nicht mal, wie das hätte laufen sollen. Und im Endeffekt habe ich sozusagen versucht, aus den wenigen Mitteln, die ich hatte, sozusagen das Beste zu machen. Und war am Anfang auch erst mal viel Klinkenputzen. Also ganz am Anfang habe ich einfach irgendwelchen Journalisten vielleicht mal geschrieben,

[00:11:24] hey, wollt ihr mal einen Artikel über meine Sachen schreiben? Und dann musst du halt ein paar Klinken putzen und irgendeiner sagt dann halt ja. Und dann war dann echt so, ich glaube 2015, ein Artikel in der Stuttgarter Zeitung, auf den haben sich dann schon Leute gemeldet. Also dann gab es so, ich glaube, zwei, drei Leute, auch so vom Killesberg, die dann gemeint haben, hey Tim, wir haben da den Artikel gelesen, kannst du nicht mal bei uns unser Wohnzimmer angucken? Wir brauchen dafür auch noch ein Bild.

[00:11:54] Und dann habe ich halt gedacht, okay, komm, die Stuttgarter Zeitung, die wird von was auch immer 50.000 Leuten gelesen. Und darauf melden sich zwei Leute. Wenn ich jetzt aber 500.000 Leute erreiche, dann melden sich halt umso mehr Leute. Und dann habe ich überlegt, okay, ich habe zwar kein Geld, aber wie erreiche ich vielleicht trotzdem mehr Menschen? Und dann ist es ja einfach eine Korrelationssache, dass sich dann noch mehr Leute bei mir melden.

[00:12:17] Und damals, so 2015, 16, da war Instagram noch nicht so groß, aber Facebook, da waren eigentlich alle auf Facebook. Und ich habe dann einfach angefangen, erst mal Fotos hochzuladen von fertigen Kunstwerken. Und habe dann aber schnell gemerkt, dass die Leute gar nicht so richtig verstehen. Wenn du jetzt nur ein Foto von meinen Kunstwerken siehst, dann verstehst du nicht, dass die zum Beispiel aufwendig aus Sand und Gold hergestellt sind. Und habe dann überlegt, wie kann ich das besser kommunizieren?

[00:12:43] Habe dann Videos gedreht aus dem Atelier, wie man halt sieht, wie ich da erstmal den Klebstoff auftrage, wie ich ein bisschen Sand in die Hand nehme, wo man einfach dann merkt, okay, da entsteht gerade was. Und dann haben halt meine Bilder noch diesen coolen Moment, wenn man halt diesen überschüssigen Sand runterkippt nach der ganzen getanen Arbeit. Dann sieht man am Ende zum ersten Mal das Motiv in voller Pracht sozusagen.

[00:13:09] Und dieser Überraschungsmoment, der hat halt richtig gut funktioniert auf Social Media. Und wurde selbst auf meinem Mini-Facebook-Account, was ich damals hatte, also so über Klinkenputzen, habe ich mir da echt so vielleicht 2000 Follower erarbeitet. Und das erste Video hatte dann trotzdem auf meinem Account schon irgendwie 50.000 Views. Also so eine Reichweite wie die Stuttgarter Zeitung, sage ich jetzt einfach mal.

[00:13:39] Und unter diesen Leuten, die das geguckt haben, war zum Glück auch ein Redakteur oder eine Redakteurin von Business Insider Magazine New York, die mir dann eine E-Mail geschrieben haben und so gemeint, können wir dein Video verwenden? Wir würden das gerne reposten oder wir würden das nochmal aufbearbeiten mit ein bisschen mehr Text und ein bisschen mehr, ja, damit das Storytelling da ein bisschen besser klappt. Und haben dann einen Artikel drüber geschrieben inklusive einem Video.

[00:14:06] Und das Video, das hatte halt innerhalb von einer Woche 18 Millionen Aufrufe. Und ich habe denen auch alles gestartet, habe gesagt, macht, macht, was ihr wollt mit dem Video. Hauptsache, ihr taggt mich, also verlinkt meine, meine Page. Das haben die dann auch gemacht. Deine Facebook-Page. Genau, meine Facebook-Page. Und die hatte, ich glaube, also ich habe auf Facebook immer noch mehr Follow wie auf Instagram. Allein einfach von diesem viralen Hit von damals, weil das ging damals eben los mit diesen 18 Millionen in der einen Woche.

[00:14:36] Aber ich glaube, über die Jahre danach sind es, glaube ich, knapp eine Milliarde Views gewesen, die verschiedene Plattformen mit meinen Videos generiert haben. Eine Milliarde Views. Ja, also nicht auf meiner Seite, aber eben auf anderen Seiten, die so viralen Content eben teilen. Leider auch oft dann ohne diesen Tag. Ich meine, das wäre dann nochmal, wenn es ja wirklich jeder getaggt hätte, wäre es natürlich nochmal krasser gewesen.

[00:15:02] Aber irgendwie als bildender Künstler 500.000 Follower auf Facebook zu haben, das ist auch nicht alltäglich tatsächlich. Und ich meine, ich habe dafür 0 Euro bezahlt. Muss man überlegen, was man irgendwie für eine Milliarde Views zahlen müsste, wenn man das als Ad schalten würde. Ja. Und dadurch kamen dann sehr viele Leute natürlich auf mich zu. Also Galeristen, Kunsthändler, Kaufinteressenten, andere Medienleute vom CDF-Heute-Journal.

[00:15:30] Also dann kamen sozusagen in der Welle auch die ganzen klassischen Medien. Dann ging die Lawine los. Und wenn wir mal doppelt klicken auf diesen Moment, wo du viral gegangen bist, jetzt im Nachhinein. Was glaubst du, warum haben deine Videos so gut funktioniert? Jetzt kann man sagen, das war eine Plattform, die noch up and coming war vor zehn Jahren. Facebook, dann war es ein Format, was up and coming war. Video, wahrscheinlich heute wie LinkedIn-Video zum Beispiel, ist noch neu, wird von der Plattform gepusht.

[00:15:57] Und dann würde ich sagen, du hast auch ein sehr gutes Talent, das Video so zu designen, dass die Leute über diese Hook sehr gut reingezogen werden. Würde man heute wahrscheinlich sagen. Guter Hook quasi, der Moment, wo du das Bild aufklappst, der Sand fällt runter. Also das ist dein Signature-Moment, den dann hunderte von Millionen, vielleicht Milliarden Leute gesehen haben. Was würdest du sagen, was sind sonst Faktoren, die dazu geführt haben, dass das damals so gut funktioniert hat? Also das eine ist, dass es wirklich self-made außer, also gerade die ersten Videos, die waren halt,

[00:16:26] wir hatten da keine professionelle Kamera oder so. Und ich glaube, da gab es auch keine, ich weiß nicht, wir haben halt irgendeine Handy-Kamera oder so genommen. Und haben dann einfach wirklich so, ein Kumpel von mir damals, der Micky, hat das erste Video gemacht, wo er selber so eine Intro spricht und so, hey Leute, ich bin der Micky, ich bin hier gerade bei meinem Kumpel Tim im Atelier. Komm, wir gucken den mal über die Schulter. Und dein Atelier war quasi das Kinderzimmer, oder? Das Atelier war damals noch das Kinderzimmer, ja.

[00:16:52] Also ich habe da noch zu Hause gewohnt, da war ich so Anfang 20 irgendwie oder mein Studienzimmer, wie auch immer. Und dann habe ich halt da so ein Bild enthüllt oder fertiggestellt. Und das hat halt der Viewer überhaupt natürlich nicht erwartet. Also der denkt ja immer, okay, irgendjemand erzählt mir da jetzt eine Geschichte. Und dann kommt da so ein zwei Meter Kunstwerk dabei raus. Und das passiert halt alles innerhalb von 15 Sekunden. Der Überraschungsmoment. Genau, dieser Überraschungsmoment.

[00:17:21] Deswegen hat das halt gut funktioniert. Und da muss ich sagen, da bin ich selber auch in eine Falle getappt tatsächlich, weil irgendwann habe ich ja ein bisschen mehr Geld verdient und habe mir dann auch richtig professionelle Videografen an die Seite gestellt und so weiter. Und dann sind meine Videos nicht mehr mir reingegangen. Weil sobald dann halt so ein Video perfekt color gecreated ist und ein perfekter Schnitt hat und so weiter und dann auch super mit Musik unterlegt ist, dann gucken die Leute es eine Sekunde an und denken,

[00:17:49] okay, es ist irgendwas Kommerzielles dahinter und scrollen weiter. Das bedeutet, Tim, dir ist aufgefallen in der Content-Produktion, du willst diesen Backstage-Moment, würde ich es jetzt mal nennen, haben. Also du willst dieses Gefühl, du bist gerade mit dem Künstler im Atelier und gerade wird das erste Mal ein neues Kunstwerk revealed. Genau, man ist einfach authentisch bei diesem Moment dabei. Na krass. Und du hast eben geredet von wirklich wahnsinnigen Reichweiten, die du hattest.

[00:18:15] Jetzt hatten wir hier im Podcast auch schon mal das Thema von der Dubai-Schokolade, die ja auch brutale Reichweiten hatte, aber gar nicht das Inventar, um das irgendwie bedienen zu können. Und wie komme ich jetzt von dem Moment, ich meine, du bist jetzt freischaffender Künstler, aus alle Leute sehen dir dazu, wie du ein Bild revealst, zu wie verkaufe ich denn jetzt eigentlich Bilder und wie stelle ich die Geschwindigkeit eigentlich her. Und vielleicht mal kurz zum Einordnen, für was verkaufst du denn ein Bild damals und heute? Also was musst du da auf den Tisch legen aktuell?

[00:18:43] Und damals, also damals waren es vielleicht wenige tausend Euro, also vielleicht so ab 2000 Euro, 5000 Euro, so wo das damals losging. Dann ist es eigentlich, gab es ein paar Meilensteine, sage ich mal, wo die Preise dann gestiegen sind. Also es kam dann wirklich an einem Tag, ich habe da noch einen Tag in Erinnerung, da kamen 600 E-Mails in mein Postfach, also mit Kaufanfragen, mit Interviewanfragen und so weiter.

[00:19:10] Und ich als ordentlicher Schwabe, ich will ja immer Inbox Zero, ich versuche die alle zu beantworten. Also wirklich, und dann habe ich halt irgendwann gemerkt, Nachst du bei jeder E-Mail mal 1000 Euro mehr und mal gucken, ob die beantworten. So kann man es natürlich machen. Aber irgendwann habe ich halt gemerkt, ich sitze hier wochenlang am E-Mails beantworten, ich komme gar nicht mehr zum Kunstmachen. Also ich muss jetzt irgendwie auch das bisschen ignorieren,

[00:19:36] auch wenn das für mich auch unhöflich, also keine Ahnung, auf ein E-Mail nicht zurückschreiben, ist für mich auch ein bisschen unhöflich damals gewesen. Aber es geht dann halt einfach irgendwann nicht mehr. Und es waren dann halt ein paar Anfragen, die ich mir rausgepickt habe, so eine Ausstellung in Asien. Die haben dann aber zum Beispiel gemeint, hey Tim, wenn wir deine Bilder jetzt auf einer, ich glaube es hieß Art, Art Kuala Lumpur oder so, so eine Kunstmesse eben in Malaysia,

[00:20:06] wenn wir die da ausstellen, dann muss dein Bild aber mindestens 20.000 Dollar kosten. Weil sonst lohnt sich das für uns nicht, der ganze Shipping, der Aufwand und so weiter. Dann hast du gesagt, ey, ihr habt Glück, mein Bild kostet genau 20.000 Dollar. Oder wie bist du vorgegangen? Ja, dann haben wir die Preise dahin angepasst. Okay. Und das Gleiche ist dann nochmal so ein Jahr später oder zwei Jahre später passiert, wo ich dann eben die Anfrage aus New York hatte, da eine Ausstellung zu machen. New York ist dann nochmal teurer.

[00:20:36] Und da sagen die halt, oder da hat der Galerist damals gemeint, unter 40.000 Euro oder Dollar pro Bild, lohnt sich das für ihn nicht, eine Ausstellung zu machen. Dann hast du gesagt, naja, 40.000. Heutzutage würdest du auch sagen, also auf jeden Fall mehrere 10.000 Euro pro Bild. Hast du schon mal eins im sechsstelligen Bereich verkauft? Ja, ein Bild wurde auch schon im sechsstelligen Dollar-Bereich verkauft. Wow. Wow, wow, wow. Krass. Und hört man ja auch, dass es Künstlern schwerfällt, wenn die einmal krass gehypt sind

[00:21:06] und dann plötzlich sechsstellig pro Bild sind und dann mal kurz die Nachfrage runtergeht, die echt ein Problem kriegen. Und Künstler deswegen oft probieren oder Galerien den Preis niedrig zu halten, dass die oft gar kein Interesse haben, dass es einen Sekundärmarkt gibt von super teuren Bildern, weil die das eher unter Kontrolle kriegen wollen und ein langsameres, nachhaltigeres Wachstum im Preis erreichen wollen, habe ich auf einem Galeristen gehört. Und ja, da gibt es Geschichten. Also das da von einem Künstler, den habe ich auch mal kennengelernt, der war zwischen, ich glaube in den 10er Jahren oder so,

[00:21:35] so als Superstar, Neuer Basquiat und so weiter schon verschrien und dann hat man im Auktionsmarkt, ich glaube sein Rekord war 300, 400.000 Dollar pro Bild und ist dann wieder richtig gedroppt. Also auf unter 10.000 Dollar. So niedrig, dass halt auch niedriger als seine Preise in der Galerie. Und das ist natürlich voll schade für den Künstler, weil der Künstler im Endeffekt, der sitzt halt im Atelier und malt seine Bilder

[00:22:03] und die Marktmechanismen, die drehen halt irgendwie crazy und pushen den hoch und lassen ihn wieder fallen und irgendwann sitzt er halt im Atelier und kriegt ja nicht mal mehr für 5.000 Dollar sein Kunstwerk los. Und der hatte da wirklich psychische auch Probleme damit, obwohl er gar nichts dafür konnte. Das war einfach so externe Marktmächte. Das ist ein bisschen schade. Naja, deswegen, aber gut, da bin ich dann, damals bin ich dann nach Asien gegangen.

[00:22:32] Man muss auch ehrlich sagen, dass in den ersten Jahren ich in Deutschland nicht so wirklich ernst genommen wurde oder nicht für so interessant befunden wurde. Da habe ich mir echt so Sprüche anhören müssen, wie so ein echter Künstler, der malt mit Öl, ein echter Künstler, der ist nicht auf Instagram und so weiter. Also, der war richtig old school und man wollte von allem Neuen überhaupt nichts wissen. Da waren einfach so Märkte in Asien

[00:23:00] und in den USA, die waren da voll offen dafür. Und deswegen bin ich auch dann 2017 schon nach New York gegangen und hatte da meine, eigentlich meine erste große Ausstellung, also eine Soloshow, wo dann, ich glaube, so 10, 11 Bilder von mir hingen. Auch von einem Galeristen, der dich angeschrieben hatte, über die Presse das mitbekommen hat, gesagt hat, hey, komm mal vorbei. Facebook mitbekommen. Das war, glaube ich, ja, das war 2017 und 2017 wurde ich auch von Instagram eingeladen nach San Francisco

[00:23:31] ins Headquarter, weil anscheinend mein Video, glaube ich, 2016 oder 2017 das drittmeist geguckte Video war auf der Plattform auf Facebook. Holy shit! Also auf Facebook damals noch. Ja, das war schon ganz gut. Und dann hatte ich halt, war das auch eine gute Show damals, seit es im September 17. Da kamen auch Leute zum Teil aus Südamerika nach New York eingeflogen, weil Social Media kennt ja keine Grenzen. Also das war wirklich, ja,

[00:24:00] Leute aus der ganzen Welt wirklich dann da. Und auch Menschen, die davor noch nie in der Galerie waren, die haben gemeint, hey, sie haben sonst diese Angst, über diese Türschwelle so zu schreiten. Weil viele Menschen, die denken dann, sie kennen sich nicht gut genug mit Kunst aus und da sind da diese böse guckenden Galeristen drin und die urteilen dann immer, stehen keine Preise, du traust dich nicht zu fragen. da stehen keine Preise dran

[00:24:29] und so. Also das ist, also das ist überhaupt nicht niedrigschwellig, dieses, dieser Kunstmarkt. und da haben dann viele gesagt, hey Tim, dank dir, weil du das so offen kommunizierst auf Social Media, habe ich mich jetzt zum ersten Mal in meinem Leben in eine Galerie reingetraut. Krass. Und das war auch, war auch ganz schön. Und jetzt hast du diese ganze Nachfrage, Millionen von Leuten die dich sehen, Presseartikel, Leute fliegen nach New York, um deine Bilder zu sehen, aber du kannst nur eine Handvoll produzieren.

[00:25:00] Wie, wie hast du damals darüber nachgedacht und auch weitere, ich sag mal, Produktkategorien dir zu überlegen? Ja, also ich wusste eigentlich von Anfang an, dass ich halt diese Sand- und Goldarbeiten nur selber machen möchte. Also da will ich jetzt nicht, wie manche Künstler, die machen sich halt dann irgendwann so eine Werkstatt, auch gab es ja schon vor ein paar hundert Jahren, dass so ein Rembrandt oder ein Rubens, die hatten dann halt wirklich viele Angestellte und haben dann nur noch die Konzepte entwickelt und die Schüler

[00:25:30] haben das dann im Endeffekt gemalt. Naja, es kam dann, also, weil ich halt sehr in diese Sand- und Goldschublade so ein bisschen drin gesteckt bin, habe ich gesagt, okay, ich will da ein bisschen raus, habe dann da bei der Factory Berlin ja diesen Friedhof aufgebaut, vielleicht haben der eine oder andere den gesehen, also da ging es dann eher um das, also die Frage, die ich mir gestellt habe, wie schaffe ich es so meinen eigenen Lebensweg zu hinterfragen und da gibt es eben so ein philosophisches Gedankenexperiment, wo man sich in seinen eigenen Tod reindenkt

[00:25:59] oder im Buddhismus sogar auch rein meditiert, schon in seinen verwesenen Körper und dann auf sein Leben zurückguckt und guckt, wie will ich eben meinen aktuellen Lebensweg vielleicht ändern oder weiter behalten, damit ich am Ende, wenn ich gehe, zufrieden damit bin und meine Überlegung, wie ich das am besten visualisiere, eben einen Friedhof nach Berlin-Mitte zu bauen, wo dann 100 verschiedene, ja sozusagen, mögliche Fazits liegen, wie so ein Lebensweg

[00:26:29] gelaufen sein könnte. Und man konnte da wirklich drüber laufen vor jedem Grabstein oder auf jeder Marmorplatte kurz vorweilen und überlegen, liege ich da drunter oder nicht? Und da mein Lieblingsstein ist, I was afraid to create, also ich hatte Angst, Dinge zu erschaffen und das ist für mich halt so volles, schöne Mahnmal, weil ich meine, auch als Unternehmer oder als Künstler oder eigentlich, ja wahrscheinlich jeder Mensch hat von einem neuen Projekt immer auch Angst. Angst, dass es sich nicht rechnet, Angst, dass es vielleicht

[00:27:01] die Presse schlecht darüber schreibt oder irgendwas schief geht einfach und das würde ich halt am Ende nie sagen wollen, dass ich sage, okay, diesen einen Traum habe ich nie probiert, weil ich Angst hatte und da gibt es, ich glaube, das war einer der Sprüche und es gab nochmal 99 andere und die halt wirklich in einer Nacht-und-Nebel-Aktion, ich erinnere mich, ich war auch in Berlin, habt ihr diesen Friedhof gebaut und habt da jede Blume eingepflanzt nachts mit so Ja, das war verrückt, 10.000 Blumen,

[00:27:30] die ich gekauft habe, um diesen Friedhof anzulegen, wo zwischendrin diese 100 Marmorsteine waren. Das waren auch spezielle Blumen, du bist ja da auch sehr detailorientiert, dann gab es die Blumen irgendwie nicht, dann musstest du umstellen, also wie war die Geschichte mit diesen Blumen? Das waren so Erika-Blumen, also typische, ja, Friedhofsblumen, die man so kennt und ich habe gedacht, okay, die gibt es 2-3 farbig und eigentlich dachte ich, wenn ich 10.000 Stück habe, kann ich die ja wie Pixel verwenden und habe dann zwei Farben bestellt und die so angerordnet, dass man, wenn man von oben auf den Friedhof guckt, dann war das halt

[00:27:59] ein riesiger Totenkopf. Und das war erst mal nicht... Du hast es schon wieder, ich habe das Gefühl, du hast es auch schon wieder aus dem Video heraus gedacht, also wie sieht der Drone-Shot aus? Der Drone-Shot wäre ein Bullshit. Wollte ich auch gerade sagen, das ist doch schon wieder viral Content. Ja, das ist auch viral gegangen, also das haben auch auf der ganzen Welt Magazine darüber berichtet, waren viele Leute vor Ort und die Leute vor Ort haben sich um den Friedhof tatsächlich gut gekümmert. Also ich dachte eher, da ist mitten in Berlin

[00:28:30] Vandalismusgefahr, aber es ging so weit, dass die Anwohner sogar das Laub weggemacht haben, ohne dass ich das mit denen abgesprochen hätte, aber die fanden das dann auch so gut und ich habe am Anfang ja auch gar nicht meinen Namen an diese Installation geschrieben, weil ich wollte, dass das mal für sich wirkt und weil mit diesen Sachen davor, da gab es einfach viele Leute, die fanden mich gut, ein paar Leute, die fanden mich einfach, einfach per se schon mal schlecht und ich wollte,

[00:28:59] dass jeder mit frischen Augen sozusagen auf dieses Kunstwerk guckt und dann konnte ich mich wirklich daneben in die Factory, auch in das Café reinsetzen und den Leuten so zuhören, was sagen die über das Kunstwerk und manche haben gemeint, das ist so ein riesiger QR-Code, den muss man mit der Drohne abscannen und dann ist man auf irgendeinem Rätsel. Programmiere. Ja, genau. Andere haben gemeint, das ist irgendwie eine Marketingaktion von der Berlin Art Week, die auch parallel stattgefunden hat und so gab es da kleine... Andere haben gedacht, es gibt eine Fibre-Aktion

[00:29:27] vom lokalen Bestattungsunternehmen. Ja, vielleicht auch das. Also es gab danach auch Bestattungsunternehmen, die ein paar Grabsteine in ihren Showrooms aufgehängt hatten, weil die das auch gut fanden, dass man mal irgendwie über das Thema Tod offen spricht oder da zumindest drüber nachdenkt. Okay, und heißt in der Produktreise große Bilder, das waren die ersten Formate Sand und Gold, zweites Medium, Grabsteine auf Marmor. Wie ging es weiter?

[00:29:57] Wie ging es weiter? Also, ja, stimmt, danach kam eigentlich, ja, wollte ich mich mehr mit dem Thema auseinandersetzen und ich interessiere mich ja schon auch für Gesundheit, für Ernährung. Können wir später vielleicht nochmal drüber reden, aber was mich auch interessiert hat, war dieser Hype um die Avocado. Weil die Avocado, die war halt auf einmal überall und als ich ein Kind war, kannte ich noch überhaupt gar keine Avocado. Also, und heute ist halt in keinem Hipster-Café noch die Avocado wegzudenken

[00:30:26] und irgendwie Hashtag Avocado Toast, was auch immer, zwölf Millionen Beiträge. ist halt wie so ein Statussymbol geworden. Da habe ich dann den, dachte ich, okay, auf dieses Statussymbol setze ich nochmal einen drauf und mache den teuersten Avocado Bagel der Welt, habe mir einen echten Avocado Bagel zusammengestellt und den 3D gescannt und dann wie eine Negativform anfertigen lassen und da einfach Gold reingegossen. Im Endeffekt, ich glaube, sieben oder acht Kilo

[00:30:56] Massivgold und das haben wir dann polieren lassen von der Firma Kussmaul. Die macht eigentlich für Rolls-Royce diese Kühlerfiguren, diese Emilies, also da auch wirklich ihr bestes Handwerk drin und haben jetzt so einen totalen funkelnden sieben, acht Kilo schweren Avocado Bagel aus 27 Teilen. Also man kann den immer frisch belegen. Was für eine Versicherung brauchst du, um mit dem Ding unterwegs zu sein, wenn es sieben, acht Kilo Gold sind und was für ein Security-Konzept

[00:31:25] und wie viel bewaffnet ein Secret-Service-Agents. Bist du da? Ja, das ist das Hauptproblem bei dieser ganzen Geschichte. Also der wurde bisher zweimal ausgestellt, einmal in Berlin während der Art Week. Da hatten wir gedacht, okay, ich stelle den jetzt nicht langweilig in irgendeine Galerie, sondern wir haben das Avocado, wie hieß es nochmal? Avocado Show? Avocado Club. Avocado Club. Avocado Club. So ein Restaurant, das eben nur Avocado-Gerichte hat, also total auf dieser Hipsterwelle schwimmt. Das hatten wir komplett gemietet für eine Woche und da dann einfach

[00:31:55] diese, eine Vitrine anfertigen lassen von den Leuten, die eigentlich für die Kronjuwelen die Vitrinen bauen und haben da den Avocado-Bagel reingestellt und da gab es dann halt jeden Tag, er konnte den besuchen, abends gab es Events mit irgendwie echten Avocado-Bagels und da hatten wir auch schon, also das war auch schon nicht ohne, also da war, da waren anscheinend auch so Speer da vom Remo-Clan oder von irgendeinem klar. Hast du da Angst, dass da irgendwie so ein paar schwere Jungs

[00:32:25] aus Neukölln mal anrücken und sagen, hey, den Bagel, den hätte ich jetzt aber mal gerne mitnehmen? Ja, da waren welche da, also wir hatten Security da und es kamen dann, ja, zwei Männer rein, die sich wirklich mehr für die Sicherheit der Vitrine interessiert haben als für den Bagel, die haben wirklich gefragt, ja, wie ist denn das gesichert, kommt da Alarm, wenn man jetzt dagegen kommt und so weiter und irgendwann sind die rausgegangen und unsere Security hat die dann ein bisschen verfolgt, die sind dann so eine, um eine Ecke weiter und die sind dann

[00:32:55] so eine schwarze Limousine mit abduckenen Scheiben eingestiegen und weggefahren. Aber es ist nichts passiert. Aber hier nochmal kurz für mich als Marketer, ne, also ich habe das jetzt eben mal parallel gegoogelt, ein 7 Kilo Gold Bagel beim aktuellen Goldpreis kostet 720.000 Euro Materialwert und ich könnte mir vorstellen, dass auch hier das Medienecho natürlich gewaltig war, ne, wenn jemand so eine Aktion macht

[00:33:24] und das ist ja quasi die dritte Aktion, die schon irgendwie auf den Medienimpact und auf die, auf das, was es so medial mit der Welt machen wird, optimiert war, könnte man jetzt böserweise sagen. Hast du auch so gedacht oder ist das für dich auch mittlerweile einfach Teil deiner Kunst, das Medienecho mitzudenken? Naja, eigentlich ist es eher so, dass ich erstmal die Idee an sich habe und dann im zweiten Schritt überlege, okay, wie kann man das gut kommunizieren?

[00:33:54] Weil ich meine, wenn ich ein Kunstwerk mache und es wird von null Leuten gesehen, dann kann es das beste Kunstwerk der Welt sein, aber es erreicht einfach nichts. Gehört für dich die Reichweite zur Kunst? Ist die Reichweite ein Teil des Werks? Naja, in gewisser Weise muss es auf jeden Fall wahrgenommen werden, das Werk. Man muss da, ja, man muss da irgendwie eine Mitte finden, weil es gibt auf der anderen Seite auch auf Instagram schon wirkliche schlechte Sachen, die Millionen von Leuten erreichen, weil die einfach, ja,

[00:34:24] gut dargestellt werden, was aber keine hohe Kunst ist und auf der anderen Seite gibt es wirklich tolle Künstler, die wissen nicht, wie sie sich richtig auf Social Media präsentieren und haben irgendwie 500 Follower und da darf das Pendel, glaube ich, jetzt in keine Richtung zu stark ausschlagen. Genau. Und um das Produktzeitig noch zu Ende zu bringen, erzähl nochmal von deiner, von deiner anderen Skulptur? Ja, es ging dann eigentlich schon, während dem, während ich den Avocado-Bagel gemacht habe,

[00:34:55] habe ich mir überlegt, warum wir als Gesellschaft so stark das Spotlight auf diese Superfoods, auf diese tropischen Superfrüchte legen, Avocado, Gojibeeren, Chiasamen und so weiter, wenn wir auch so tolle, ja, heimische Gemüseobstsorten, ja, Samen, sowas wie Leinsamen und so weiter haben und habe gesagt, okay, das nächste, als nächstes highlighte ich ein lokales Superfood und habe mich da halt auf Kraut festgelegt. In Stuttgart oder um Stuttgart rum

[00:35:24] wächst halt Filterkraut, das ist der größte Spitzkohl der Welt, kann ich glaube so bis zu 15 Kilo wiegen und der wurde hier von, anscheinend von Mönchen vor 400 Jahren kultiviert. Die Filderebene, wo ich eben bin, ist halt sehr fruchtbarer Boden und deswegen konnte der Krautkopf überhaupt zu groß werden, 15 Kilo und es war bis zu den Weltkriegen eine richtige Spezialität, also es gab eine eigene Eisenbahnlinie von den Fildern nach Stuttgart Mitte, um einfach diese,

[00:35:52] um den Kraut frisch in die Stadt zu bringen. Das ging bis bis nach Paris, als Delikatesse wurde Filderkraut verkauft und auch der König Wilhelm, der, ich glaube der Zweite, hatte einen eigenen Hoflieferanten nur für Filderkraut. Also es war richtig, ein richtig krasses Ding, bis Kraut dann ein bisschen der, der Rufschädigend, ähm, ja eine Rufschädigung hatte, weil nach dem Weltkriegen das das einzigste Essen war, das sich die Leute noch leisten konnten.

[00:36:22] Also es war dann so das arme Leute-Essen und wo die Leute dann wieder Geld hatten, wollte natürlich keiner mehr arme Leute-Essen haben. Und jetzt kommt so ein bisschen wieder mit der, ja, weil alle auf ihr Mikrobiom achten und dann natürlich gerne Kimchi und Sauerkraut essen und ich wollte einfach, ja, Kraut wieder eine Bühne geben, hab dann mich mit dem, mit dem Stadtpalais, das ist so das Museum für Stadtgeschichte in Stuttgart zusammengetan und wir haben das Super-Kraut-Festival ins Leben gerufen. und

[00:36:51] Super-Kraut-Festival. Du hast gesagt, wir müssen das jetzt zurückholen aus der Versenkung des Kraut, wir müssen das wieder an die königliche Position bringen, wo es mal war und als ein Festival veranstaltet zu Ehren vom Kraut. Genau, in die königliche Position, das fand in dem alten, in dem alten Haus vom König statt, also das Stadtpalais ist das alte Stadtresidenz vom König Wilhelm. Also ich hab dann 15 Künstlerinnen und Künstler eingeladen, also wirklich auch große Namen dabei. Wir haben alle

[00:37:20] extra für dieses Super-Kraut-Festival Kunstwerke erschaffen. Nicht alle zum Thema Filterkraut, sondern manche zum Thema Rosenkohl oder Brokkoli oder Chloe Weiss hat ein Selbstporträt mit Grünkohl gemalt und da gab es dann eben eine Kunstausstellung, dann wurde jeden Tag frisch gekocht, also da war dann von Ricky Sorbot, der erste vegane Sternekocher Europas, hat einen Tag gekocht oder Johann Lafer hat einen anderen Tag gekocht. Das war auch der Einzige, der einen Nachtisch mit Kraut hingekriegt hat,

[00:37:50] der hat so eine Art Blumenkohl-Eiscreme gemacht und ja, vor dem Museumsgarten haben wir, also der ist ja mitten in Stuttgart, haben wir ein Spitzkohlfeld gepflanzt, zusammen mit Gemüsering, die die Ausstellung gesponsert haben. Und dann haben wir wirklich gute Fildererde genommen, so eine Art Hochbeet angelegt in den Museumsgarten und haben bestimmt so 200 Krautköpfe gepflanzt zusammen mit Schulklassen und dann haben wir uns irgendwann gesagt, ja,

[00:38:19] wir wollen noch was schaffen, das bleibt, weil dieses Festival, diese Ausstellung ist ja irgendwann vorbei und wir machen jetzt eine Hommage als Public Sculpture für das Filterkraut und da habe ich mich dann mit verschiedenen Materialien auseinandergesetzt und mich dann im Endeffekt für Edelstahl entschieden, weil Edelstahl, klar, das ist erstmal wetterfest, das rostet dir nicht weg und wenn du das halt richtig polierst und schleifst, dann hat es halt eine total schöne Oberfläche, wo sich halt die Architektur, der Himmel, die Menschen, alle spiegeln sich

[00:38:49] darin halt wieder. Wir blenden es ein für die Zuhörer, kommt in den Stream auf YouTube oder schaut es euch auf Spotify an, Tim kann das mal einblenden, das Kunstwerk, dann kann man es genau und weil ich mir dachte, es gibt so viel Kunst im öffentlichen Raum, die überhaupt nicht wahrgenommen wird, da habe ich gesagt, nee, wenn ich Kunst im öffentlichen Raum stelle, dann mache ich das ja für die Menschen auch gewisserweise, für den Platz, für die Stadt und habe mir da eher dann ein bisschen geguckt, weil dieses Edelstahl war in Deutschland nicht so wirklich verbreitet, das ist dann eher eine amerikanische Sache, da gibt es ja

[00:39:19] von Anish Kapur in Chicago zum Beispiel diese Riesenbohne und die hat ja total was mit der Stadt gemacht und das im, wenn du die Chicago spiegeln in der Oberfläche von der Bohne. Wenn du da die, wenn du, keine Ahnung, in Chicago googlest, dann kommen wahrscheinlich 50 Prozent der Fotos sind wahrscheinlich diese Bohne zu sehen und deswegen habe ich da das auch Edelstahl als Material genommen eben in Form von dieser, von diesem Spitzkraut, was aber so abstrahiert ist, es kann halt auch ein Tropfen sein

[00:39:49] oder eine Träne, also das ist einfach auch eine schöne geometrische Form. Und also jetzt so aus der Marketing Perspektive ist ja so Storytelling und Vermarktung schon wieder 10 von 10. Du sagst erstens so Underdog, Underdog Story, wir nehmen das Kraut, das ist da nach dem Krieg PR-mäßig unter die Räder gekommen, wir heben das jetzt wieder in den alten Ruhm hoch, findet erstmal jeder gut, dann veranstaltest du das Festival, wo jeder sagt, okay, ist ja verrückt, Nachwuchskünstler startet Krautfestival,

[00:40:18] dann holst du die ganzen anderen Künstler dazu, was ja nochmal die Legitimität unterstreicht, noch mehr Reichweite bringt, noch mehr PR bringt, weil 15 Künstler werden wahrscheinlich mehr gecovert als einer so in etwa, macht er auch ein bisschen unabhängiger von dir und sagst dann am Ende, hey, wir brauchen noch was, was bleibt und das ist meine Skulptur und damit zelebrieren wir das ganze Ding. Also, phänomenal. Und die Tüpfelchen war noch das Trikot. Also ich habe mir überlegt, wie kann man noch mehr Leute mit dem Thema

[00:40:48] Kunst beziehungsweise Kraut erreichen und habe mich dann mit dem VfB Stuttgart zusammengetan und wir haben diesen, das kennt vielleicht jeder, wenn er so ein Rotkraut in der Mitte durchschneidet, dann sieht man es am besten diese wirklich schönen Strukturen, diese Wellen. So eine Maserung. So eine Maserung, genau, und wir haben diese Krautmaserung eben auf ein Bundesliga-Trikot gebracht, aber in meinen Farben, also wie ich meine Kunstwerke mache in Schwarz, Weiß und Gold, haben dann noch mit einem goldenen VfB Wappen

[00:41:17] und goldenen Punkten, also eben diese drei Farben, sehr edles Trikot gemacht. Wenn du erzählst, ja, dann bin ich zum VfB gelaufen, haben wir uns das überlegt, also wie machst du das denn? Rufst du da bei der Hotline an, stehst du da vor der Tür? Ja, ich war, genau, weil das klingt bei dir ja alles immer so einfach, aber du hast in den letzten 30 Minuten hast du ja hier quasi von drei Virals erzählt, wo du fünf verschiedene Stakeholder aus drei verschiedenen Kontinenten zu Aktionen gebracht hast. Also,

[00:41:47] wie machst du das? Ja, also ich versuche einfach offen, also ich rede auch dann immer offen über meine Ideen, also ich, keine Ahnung, wenn ich da jemand von VfB kennenlerne, dann rede ich halt über Superkraut und dann irgendwann sagen die halt, ja, lass doch mal was zusammen machen und dann ergibt sich das. Und das war auf jeden Fall krass, also ich hätte das nie, nie gedacht, da waren insgesamt, wir haben das Trikot, ging dann irgendwann online, da waren dann 100.000 Leute in der Online-Warteschlange für knapp

[00:42:16] 2.000 Trikots die es gab und es war irgendwie nach 10 Minuten nach Online-Shopperöffnung war es für den dreifachen Preis auf Ebay schon wieder, also da gab es dann irgendwie diese Flipper, was nicht so cool ist, aber da hat man einfach gesehen, dass es dann doch so ein Thema ganz gut ankommen kann und ja, das war jetzt so, noch eine Geschichte zum Thema Kraut irgendwie, ah ja, es gab dann noch eine kleine Limited Edition, das haben echt viele Leute gefragt, so Tim, kann ich diesen, diesen Krautkopf auch für zu Hause

[00:42:46] bestellen und da habe ich dann diese so, das habe ich dann zum ersten Mal gemacht, so ein 24-Stunden-Drop. Okay, also du hast dein erstes kommerzielles Produkt gemacht? Die Skulptur ist, wie groß ist sie? Irgendwie zwei, drei Meter hoch wahrscheinlich? Ja, die ist so zweieinhalb Meter und die dann Limited Edition Drop für zu Hause? Das war, ja so 40 Zentimeter groß. Okay, im Grunde die gleiche Skulptur fürs Wohnzimmer. Dann aber industriell gefertigt quasi? Na,

[00:43:16] das war der gleiche Hersteller, also da steckt halt sehr viel Handarbeit in so einer Skulptur, der ist zwar erstmal, der Rohling ist 3D-gedruckt aus Edelstahl, aber da hast du diese, diese Schweißraupen sozusagen und die muss man alle von Hand abtragen, ja, schleifen und polieren und es braucht bei so einem, selbst bei so einem Kleinen braucht es ungefähr zwei komplette Arbeitstage von, ja, von so einem Experten, was schon die Herstellung, ich glaube, es waren knapp 3000 Euro, was so ein kleiner Krautkopf

[00:43:46] in der Herstellung gekostet hat und da habe ich mir natürlich überlegt, okay, ist das überhaupt ein Artikel, den man online droppen kann und ich habe es dann einfach mal gemacht und es lief besser als gedacht tatsächlich. Was heißt das? Ich hatte ja gar keine Erfahrungswerte, ich dachte so, okay, mindestens will ich zehn verkaufen, weil einstellig wird irgendwie peinlich, also ich habe es dann für 5000, was war der Retailpreis? 5000 Euro? Ich habe es für 5000 Euro da angeboten, dachte, unter zehn wird peinlich,

[00:44:15] 20 wäre schon mal ganz cool und es sind am Ende 30 geworden und ich hatte den Online-Shop ja nur 24 Stunden offen und habe 30 Exemplare verkauft und es sind ja auch, also ich denke dann auch, das sind, also es sind sehr interessante Menschen unter den Käufern, nicht nur Schwaben, sondern auch eine Amerikanerin, eine Französin, Berliner, auch Leute aus Hamburg

[00:44:43] und es ist dann auch gut, die persönlich kennenzulernen. Sehr geil. Also ich bin immer noch so ein bisschen, also ein bisschen baff, einmal im Sinne von, also mein Verständnis ist, wie früher Kunst funktioniert hat, dass der Galerist sowohl quasi die Aufmerksamkeit für den Künstler schafft, als auch quasi die Nachfrage bedient, also wirklich das Produkt handelt und jetzt ist es ja so, dass du die Aufmerksamkeit für dich und deine Kunst

[00:45:12] ja selber generierst und das auch besser als die meisten Galeristen das vermutlich könnten über soziale Medien. Insofern würde mich jetzt mal interessieren, in dieser Wertschöpfungskette, welche Rolle nehmen denn für dich noch Galeristen ein? Weil du hast vorhin gesagt, du arbeitest ja noch mit Galeristen. Ja genau, also meine Galeristen sind immer noch wichtig, also du kommst zum Beispiel ohne eine Galerie nicht auf eine Kunstmesse. Das wissen vielleicht auch manche Leute nicht, auf so eine, weiß ich nicht, auf so eine Kiew in Korea oder eine Art Miami oder eine Art Basel, egal welche Kunstmesse.

[00:45:40] Da bewirkt sich nie der Künstler, sondern immer die Galerie und die Galerie bestimmt dann, welche Künstler sie mitnimmt. Warum ist es wichtig, da zu sein? Ja, also das kann ich, das stelle ich auch in Frage, ehrlich gesagt, ob man da sein muss. Das ist einfach so ein bisschen so ein Zirkus, das ist der Zielteil von Stadt zu Stadt und da treffen sich halt die Leute zum Champagner trinken und werden sicherlich ein paar gute Galerien bringen ihre Käufer mit und die Sammler, die Museen wahrscheinlich. Ein paar Deals gemacht und gesehen und gesehen werden. Das ist halt,

[00:46:11] ja, das ist im Endeffekt auch wahrscheinlich ein Marketing-Tool und natürlich auch Prestige. Also die Messen haben verschiedene Prestige-Level, wo man sagt, okay, die Art Basel ist ganz oben, hat das größte Prestige, danach kommt vielleicht die Freeze, dann die Kiew und so weiter. Also da gibt es dann, und dann gibt es auf den Messen selber auch wieder, wer hat welchen Platz. Also bist du eher im Center der Messe, bist du eher in der Randposition. Ja, das ist so,

[00:46:40] irgendwie so Codes, die es da gibt. Dafür arbeitest du mit Galerien noch zusammen oder wie, wo arbeitest du mit Galerien zusammen, wo nicht? Ja, ich mache das Projekt abhängig. Also es gibt Künstler, die geben sozusagen in der Galerie mehr oder weniger eine Vollmacht oder eben eine Exklusivität, wo man sagt, okay, alle meine Bilder könnt ihr nur über Galerie XY kaufen. Und das ist für mich halt irgendwie nicht mehr so zeitgemäß, weil das ist halt auch ein Risiko. Was mache ich, wenn die Galerie XY nicht funktioniert? Oder was ist, wenn auch, es sind ja auch nur Menschen, was ist,

[00:47:10] wenn die persönliche Depressionen haben oder was auch immer? Und dann gibt es da Verträge, wo du da zum Teil zehn Jahre gebunden bist, wo man sich dann rausklagen muss und so weiter. Deswegen finde ich es für mich charmanter zu sagen, okay, ich habe zum Beispiel Lust in der Ausstellung wo auch immer zu machen. Dann gucke ich, gibt es da eine Galerie, mit der ich gerne zusammenarbeiten würde. Dann machen wir eine Show zusammen und dann gucken wir weiter. Und so ergeben sich halt ja,

[00:47:39] dann Partnerschaften. Du bist jetzt einen ungewöhnlichen Weg gegangen oder einen neuen Weg als Künstler. Was würdest du sagen, was waren auf deinem Weg die größten Hürden und auch die größten Rückschläge, die du bekommen musstest? Und was hast du daraus gelernt? Naja, das habe ich vorher schon angesprochen, dass ich gerade in Deutschland erstmal wirklich einen schwierigen Start hatte, weil da dieses klassische Modell noch viel mehr verbreitet ist, habe ich das Gefühl, als jetzt in anderen Ländern, wo man dann wirklich,

[00:48:08] also wo man dann wirklich vor dem Hallo noch gefragt wird, wo hast denn du eigentlich studiert? und von welcher Galerie wirst du denn eigentlich vertreten? Und so weiter. Und die Fragen werden zum Teil gestellt, bevor die überhaupt einmal dein Kunstwerk angeschaut haben. Und das, ja, das hat mir noch nie gefallen. Also ich sammle ja selber auch Kunst. Ich habe keine Ahnung, wer hat da wo studiert? Also ich gucke die Kunstwerke an und entweder die überzeugen mich und die Person dahinter oder halt nicht. Und bis heute

[00:48:37] habe ich so ein bisschen das Gefühl, dass ich jetzt gerade... Dass die etablierte Welt da drauf schaut und sagt, da hat sich jemand irgendwie auf einem Weg geschafft, der uns gar nicht so gefällt, weil wir den vielleicht gar nicht so kontrollieren können. Ja, genau. Und es kritisch sieht. Also... Oder so ein bisschen abtut vielleicht. Also ein bisschen... Bin ich auch bei der deutschen Presse so, werde ich so ein bisschen geghostet, habe ich das Gefühl. Also der, zum Beispiel der Avocado Bagel, der hatte wirklich... Der war in der New York Post, der war auf Hypebeast, der war eigentlich überall.

[00:49:08] Also es hat keine einzige deutsche Zeitung darüber geschrieben. Außer der Stuttgarter Zeitung. Ja, die bestimmt... Meine Mom, die schickt mir so alle... Jedes Quartal schickt die mir einen Artikel von Tim Bengel in der Stuttgarter Zeitung. Ja, aber ich meine, guck mal, da macht ein deutscher Künstler ein Kunstwerk, das sogar in US-Fernsehen läuft und in Deutschland juckt es halt niemand, weil es sozusagen nicht aus dieser elitären Kunstbubble heraus entstanden ist. Ist dir überlegbar, in die USA zu gehen? Was ist der Vorteil für Süddeutschland, für dich?

[00:49:37] Oder was wäre ein anderes Location für dich? Naja, ich hab halt hier gerade meine Ruhe. Das finde ich halt ganz schön, weil, wie gesagt, ich brauch halt sehr lange für ein Kunstwerk und wenn ich da auf zu viele Events rumhüpfe, dann hab ich ja noch weniger Zeit im Atelier und kann noch weniger Kunst machen und, ja, deswegen bin ich gerade eher so ein bisschen auf dem Dorftrip. Ruhe ist das eine, aber wenn man rauszoomt

[00:50:06] und man sagt Tim Bengler als Unternehmer, da passieren ja noch ganz viele andere Sachen. Erzähl mal von deinen anderen Unternehmungen. Ich hab abgespeichert, du sammelst selber Kunst, du investierst in Kunst, du hast eine Kunstgalerie, du betreibst ein Restaurant, also es gibt ganz viele Aktivitäten, die an der Kunst dran liegen, aber nicht ganz Kunst sind. Gib uns mal einen Überblick über deine unternehmerischen Aktivitäten. Ja, also das hat vielleicht damit zu tun, weil mich einfach so viele Sachen interessieren und ich hab mich da jetzt auch letztes Jahr

[00:50:35] gesagt, ich muss mich da jetzt ein bisschen bremsen, weil es sind auch einfach, alle Sachen brauchen immer so ein bisschen Aufmerksamkeit, auch im Hinterkopf und das nimmt mir dann Kapazitäten von der Kunst weg. Deswegen hab ich mit den meisten Sachen jetzt eher ein bisschen zurückgeschraubt, aber gut, mit dem Restaurant, das haben wir vor drei Jahren gegründet, also mit dem Timo Hildebrandt zusammen und mit noch einem anderen gastronomischen Partner, weil wir gesagt haben, hey, es gibt keinen. Timo, ehemaliger VfB. VfB-Legende.

[00:51:05] Torwart, Nationalmannschaft. Und wir haben gesagt, es gibt kein gutes, es gibt nicht mal ein einziges veganes Restaurant in Stuttgart-Mitte. Timo hat gemeint, das war eh so ein Traum von ihm und ich hab gemeint, hat er absolut recht und dann haben wir da halt ein Konzept entwickelt, wir haben ein Restaurant aufgemacht und es ist halt eine coole Reise. Ich meine, ihr kennt das ja immer, wenn man da von der Idee, mit der Idee anfängt, dann geht man auf Locationsuche, dann überlegt man sich

[00:51:34] eine Speisekarte, macht einen Instagram-Account auf und hat dann das erste Probeessen und so weiter. Also so in so einem Gründermodus zu sein, ist ja schon eine spaßige Sache. Das fand ich halt auch mal ein Restaurant und die Phase fand ich am besten und ab da ging's bergab, das so wie im Boot kaufen, da freust du dich am Tag, wo du es kaufst und es wieder los wirst. Ich hab mich gefreut an dem Tag, als ich zum ersten Mal in dem Restaurant war und an dem Tag, als ich es wieder los geworden bin. Aber du hast nach wie vor Spaß dran? Nee, ich hab dann auch irgendwann, also am Anfang hab ich sogar noch

[00:52:03] den Instagram-Account gemacht und irgendwann hab ich gesagt, dass ich dafür keine Zeit. Also ich kann nicht operativ in dem Restaurant irgendwas machen. Ich komm da, ich geh da ab und zu mal essen und wenn ich da bin, dann mach ich eine Insta-Story und ich, klar, ich halte mich so auf dem Laufenden, was da gerade passiert. Mir gibt es halt unheimlich viel, mich auch mit so innovativen Leuten zu treffen, zu unterhalten. Die müssen gar nicht aus der Kunstbranche kommen, sondern vielleicht noch besser aus anderen Branchen. Und da über solche Menschen lerne ich halt viel.

[00:52:32] Dann gibt es jetzt so ein Venture Capital Fonds, Stuttgart Match, VC, die halt total die interessanten Leute anziehen. Und du hast in den Fonds investiert? Genau, da bei dem Fonds bin ich dabei. Da lerne ich halt dann auch die anderen Investoren kennen und auch die Startups natürlich, also die, die dabei sind. Das ist ein guter Fonds, hat bei Black Forest Labs investiert. Genau, bei Black Forest Labs. Großer Propolioerfolg. Da sind wir dabei. Da sind wir dabei. Da sind wir dabei.

[00:53:02] Ich hauere an Adrian Thoma. Und die anderen Businesses, deine Galerie, gib uns mal einen Überblick über das Bengel-Imperium. Was ist da noch so drin? Eine Kunstgalerie zum Beispiel. Also bei der Kunstgalerie, da bin ich nicht beteiligt. Also das war eher mal, da war ich sozusagen mit im Gründungsteam, aber da war das noch gar keine eigenständige Firma oder so. Weil ich einfach gedacht habe, hey, es wäre voll schön für Stuttgart, dass wir mal eine richtig gute

[00:53:31] Contemporary Art Gallery haben, wo es so wirklich international angesagte Kunst auch gibt. So Kunst, die ich eigentlich auch gerne kaufen würde. Und da habe ich aber auch relativ schnell gemerkt, ey, ich kann nicht da eine Galerie für andere sozusagen managen und nebenher meine eigene Kunst machen. Deswegen habe ich mich da auch wieder, nachdem ich Starthilfe gegeben habe, habe ich mich da auch wieder rausgezogen. Founding Supporter. Sehr gut. Und deine Kunstsammlung, erzähl mal.

[00:54:00] Du betreibst da quasi wie so ein eigenes Museum. Finde ich auch super beeindruckend. Dein Atelier, muss man sagen, ist im Industriegebiet. Nicht in Stuttgart, sondern in Esslingen und nicht in Esslingen, sondern in Bergheim. Und da fährt man dann ins Industriegebiet und macht die Halle auf und denkt, da wird jetzt irgendwie so ein, weiß ich nicht, so ein Kran hergestellt oder sowas, aber sieht aus wie ein modernes Museum. Ja, also im Endeffekt habe ich eigentlich angefangen mit Kunst sammeln, weil ich halt auch die Kunstwelt mehr verstehen wollte.

[00:54:30] Wie funktionieren Galerien? Wie? Immer noch die gleichen Fragen, die ich als Kind eigentlich hatte. Wieso kommt ein künstlerndes Museum und der andere, der auf den ersten Blick genauso gut ist, kommt, das schafft es überhaupt nicht. Und eins, was mich halt damals schon gibt, ja hier diese in den 80ern, Andy Warhol, Basquiat, Roy Lichtenstein, diese New York Kunstbubble von damals. Das war ja oft so klicken. Andy Warhol war wahrscheinlich das EPI-Zentrum mit seiner Factory,

[00:55:00] wo sich dann alle getroffen haben. und ich war ja nicht dabei, aber ich denke, damals, wenn man so in die Kunstwelt reingehört hat, dann wussten alle schon, wer sind die großen Superstars von morgen. Und trotzdem haben die Leute nicht die Kunstwerke gekauft. Also, ich glaube, die erste Ausstellung von Andy Warhol wurde kein einziges Bild verkauft und dann hat der Galerist alle Bilder zusammen selber gekauft für 1000 Dollar oder so. Das war in Deutschland, das war in den Deichtorhallen und zwar war das

[00:55:29] ein gewisser Gunter Sachs, der im Nachgang gesagt hat, dass das eines der besten Investments seines Lebens war, weil er alle Bilder von Andy Warhol dann am Ende selber die Punkte draufgeklickt hat. Kurze Side Story. Aber da fragt man sich halt, okay, warum sind die Leute so zögerlich in junge Künstler zu investieren? Selbst bei einem Andy Warhol, selbst bei einem Basquiat, der irgendwie für ein paar Tausend, also der hat ja am Anfang gar keine Galerie gefunden, hat sich dann mehr oder weniger in einer eingenistet und hat dann halt für ein paar Tausend

[00:55:59] Dollar seine Sachen verkauft. Und da gibt es dann irgendwelche Storys, das ein Bild, das damals für irgendwie 8.000, 10.000 Dollar verkauft wurde, 2017 wieder auf den Markt kam, für 112 Millionen Dollar glaube ich wurde das dann versteigert. Und ich glaube, man kann halt Parallelen ziehen von damals nach heute und guckt halt, wer sind heute so die die jungen Künstler, über die die Leute reden? Wie beurteilst du das?

[00:56:29] Wie machen wir Startup-Investments? Du auch, über den Fonds zum Beispiel, aber da gibt es Leute, die treffen dann diese Entscheidung, die treffen die Gründer und überlegen sich, ja da investiere ich, bei dem investiere ich nicht. Die Investment-Entscheidung bei der Kunst, die triffst du selber. Ich finde, da gibt es aber Parallelen, in Startup-Founder oder in junge Künstler zu investieren. Wie wählst du die Künstler aus? Ja, es ist schon am Anfang erstmal ein bisschen Bauchgefühl dabei, was man halt über die Jahre schon angesammelt hat und klar, ich gucke erstmal natürlich die Kunst an

[00:56:59] und im Endeffekt das Gleiche, was ich mir auch vornehme, ist halt eine eigene Handschrift zu entwickeln und da sieht man halt ziemlich schnell, wenn man halt viel gesehen hat, ist es ein Künstler, der irgendjemand anders imitieren möchte oder ist es wirklich ein Künstler, den man von anderen gut unterscheiden kann, der vielleicht sogar einen eigenen Stil entwickelt hat. Schaust du auf Follower? Schaust du auf Social Media, wie die Leute so spielen? Also ich schaue eigentlich nicht auf die Anzahl der Follower,

[00:57:28] sondern wenn dann auf die Qualität. Also man kann dann über Instagram ja gucken, wer folgt wem und da sieht man natürlich dann die, die für die Kunstwelt schon wichtig sind, so verschiedene Gatekeeper. Ja, wenn die den Künstler auf dem Radar haben, dann weiß man, das passiert dann irgendwas in nächster Zeit oder könnte zumindest was passieren. Und ihr habt, also da, deswegen ist nicht, es gibt Künstler oder zumindest Leute, die malen oder so auf Instagram,

[00:57:58] die haben paar Millionen Follower, weil die gut entertaining Content kreieren, wie sie da irgendwas zeichnen. Aber wenn man mal guckt, gemeinsame Follower null, also die sind dann sozusagen in dieser Kunstbubble überhaupt nicht relevant. Und dann gibt es Künstler, die haben 1000 Follower und da sieht man, okay, der, was auch immer, der Direktor von MoMA folgt denen und die fünf größten Kunstsammler der Welt haben die schon auf dem Radar. Da brauchst du nicht mehr Follower. Was ist so der Künstler

[00:58:28] oder verkaufst du überhaupt Kunst, die du gekauft hast einmal? Nee, also ich habe das jetzt nur in meiner privaten Sammlung. Das ist für mich auch, das ist auch nicht in erster Linie als Investment zu sehen, sondern ich finde es einfach irgendwie spannend, so Teil von der Reise zu sein. Also ich finde dann halt eine Künstlerin, die ist halt interessant, die macht tolle Sachen, die hat aus verschiedenen Perspektiven halt auch noch ein großes Potenzial, weil sie in den richtigen Kreisen verkehrt,

[00:58:57] weil sie da gut connected ist und dann versuche ich da einfach relativ früh schon Kunstwerke zu kaufen und kann mich dann einfach mitfreuen, wenn dann die nächste Ausstellung eröffnet wird, vielleicht irgendwann eine Museumsausstellung und ich bin dann Teil der Reise. Was war der beste Pick? Fällt dir einer ein? Oder eine coole Künstlerin oder einen Künstler, den du highlighten willst? Naja, also in London kann man, würde ich sagen, kann man schon den Olli App highlighten. Ja, in Mahler,

[00:59:27] auch relativ jung, ich glaube, der ist jetzt 30 geworden und der strahlt für mich so ein bisschen eben diese Andy Warhol Vibes aus, im Sinne von, dass er halt wirklich so das Epizentrum in London ist. Er hat da eine coole Wohnung in so einem Tower drin, da macht er dann immer seine Homepartys, hat da wirklich, bringt die anderen Künstler zusammen, also die supporten sich alle gegenseitig, wenn der eine mal eine coole Ausstellung hat, dann sagt er, kannst du nicht meinen anderen Kumpel auch noch mit ausstellen.

[00:59:56] Kuratieren zum Teil auch, also er kuratiert zum Teil auch selber Ausstellungen, wo er dann wieder andere mitzieht und ich glaube, in so eine Richtung muss man gucken, dass man da in diesem, also so wie so eine Art Netzwerk sogar findet. So denkst du ja auch, also wie kann man Netzwerke supporten auf der einen Seite, wie kann man aber auch Access kriegen zu spannenden Netzwerken, wie du gesagt hast, du investierst in Venture Capital Fonds, weil du weißt, hey, da komme ich in Kontakt mit anderen Investoren und du hast einen Künstler, den du supportest, der auch umtriebig zu sein scheint,

[01:00:26] da die Partys organisiert, da lernst du wieder Leute kennen. Finde ich faszinierend. Du musst ein bisschen vor die Tür gehen. Du musst vor die Tür den Klingen putzen. Wie können wir mehr Leute dazu bringen, in Kunst zu investieren? Ja, gute Frage. Ich meine, da ist mir was eingefallen, weil ich habe eure letzten Podcast-Folgen natürlich gehört und ihr hattet da dieses Beispiel mit dieser Diamanten-Mine, Diamanten-Händler, die dann sich den Verlogungsring ausgedacht hatten. Der Bärs, ja. Und ich habe mir gedacht, kann man sowas nicht mit Kunst machen, dass man sagt,

[01:00:56] okay, wir finden jetzt ein Ereignis, das vielleicht nicht nur einmal im Leben passiert, sondern vielleicht alle fünf oder zehn Jahre, wo man sagt, okay, das ist ein Pflichtanlass, um dafür ein Kunstwerk zu kaufen zu verschenken. Okay, Moritz, go. Ich habe ein, zwei Ideen. Ja, du könntest wahrscheinlich mit einer, was wären so die ersten Sachen, die mir einfallen? Du könntest relativ oben in der Bildungselite anfangen und sagen zur Promotion. Könnte man sowas machen,

[01:01:26] dann sucht man sich irgendwelche Royal Academies auf irgendwas und dann muss man sich halt gegenseitig so ein Kunstwerk, also alles, wozu man heutzutage so einen Mont Blanc geschenkt bekommt. Das wäre auch was, wo man theoretisch halt auch irgendwie ein echtes Kunstwerk schenken könnte. Der Renteneintritt. Statt Rolex gibt's Ja, oder zur, ähm, es gibt ja die, was sind die klassischen Geschenke für einen Mann,

[01:01:55] um zu zeigen, wie toll viel er erreicht hat? Das ist irgendwie so, früher war es die goldene Uhr und, da komme ich gleich zu, und, ähm, der, der Mont Blanc. Und ich glaube, dieses Thema Status signalisieren durch Kunst kaufen. Ich hab die Leute, die Kunst kaufen im großen Stil immer als die Menschen, die ganz, ganz oben an der Maslow'schen Bedürfnispyramide sind wahrgenommen. Also das ist quasi postmaterialistisch für ganz viel Geld. Und, ähm,

[01:02:26] da erlebe ich eher Männer, die du damit triggern könntest. Ich wüsste nicht, ob man auch Frauen genauso kitzeln kann mit Kunst kaufen, wie man Männer kaufen könnte. Das ist aber gerade, vielleicht fällt euch aber auch was Besseres ein als mir. Ich bin jetzt gerade über den Statusweg gegangen. Das haben wir gemacht beim Kumpel, der ein Kind gekriegt hat, dann haben wir alle zusammengelegt und haben dem ein Kunstwerk zur Geburt gekauft, also quasi dem Kind. Das fände ich, das finde ich einen guten, guten Ritus quasi, weil sonst machst du diese Babyshows und dann machen alle eine Liste und dann bringt da einer irgendwie, weiß ich nicht,

[01:02:55] einen Fieberthermometer und einen Windeleimer oder irgendwie eine Milchpumpe, Zeug, kann man sagen, komm, wir legen alle zusammen und kaufen dem Kind aus dem Geburtsjahr 2025 ein schönes Bild und das freut sich dann auch, wenn es 18 ist, dass da noch 2025 draufsteht. Das wäre mein Vorschlag für kulturelles Marketing. Und dann könnte man es wahrscheinlich noch customisen. Also ich zum Beispiel habe so einen Geburtsteller- und Tassenset. So, da ist irgendwie

[01:03:24] unten mein Name noch eingraviert und mein Geburtsgewicht und Datum und dann habe ich irgendwie von so einer Pottery-Künstlerin da irgendwie aus dem Rheinland so einen Teller und eine Tasse. Ich finde das gut. Und die habe ja auch begleitet das Leben. Es ist so ein bisschen Zeitgeist, weil es kommt ja aus der Zeit, wo du geboren bist. Du fängst ja den Moment ein, aber halt auf eine Weise, die irgendwie andauert und das wirst du auch nie verkaufen. Ja, das gefällt mir gut. Hast du Ideen, Tim? Meine erste Idee wäre jetzt zum,

[01:03:54] wenn man umzieht oder auszieht. Wenn jetzt die 18-jährige Tochter zieht aus und kriegt dazu ein Kunstwerk geschenkt, um sich in ihrer ersten Wohnung schon mal heimisch zu fühlen. Hatte ich auch überlegt. Ich würde es doch upgraden, sagen, nicht bei jedem Umzug, weil dann zieht man zehnmal um, dann ist es irgendwie inflationär, sondern nur, wenn du zum ersten Mal ein Haus ziehst. Jeder, der in ein Haus kommt, ein Haus, Haus ist gleich Kunst, eine Familie, so. Dann gibt es auch keine Ausrede, dass man nicht genug Wandfläche hat. da gibt es nämlich dann

[01:04:24] noch die Anwände. Also, in meiner ersten Studentenwohnung hatte ich wirklich ganz andere Probleme, als mir ein Bild an die Wand zu hängen. Du kriegst ja geschenkt. Ja, okay, aber da hätte ich mich von meinen Eltern eher gefreut, wenn sie mir das Geld für den Packschrank geschenkt hätten. Da hätte ich mehr Spaß dran gehabt. Also, ich glaube schon, dass es etwas ist, was entweder Großeltern schenken, wie eben so bei der Geburt, oder so an einem späteren, arrivierteren Punkt im Leben. Also,

[01:04:53] zum ersten eigenen Haus finde ich es auch ganz spannend. Oder hier, Felix, oder in eure Bubble könnte man sagen, zu jedem Exit. Gute Idee. Gute Idee. Sehr gute Idee. Also, so sind wir wieder bei dem Statusthema. So alles, wo sich der heutige Atze halt eine Rolex kauft. Und dann wird halt weniger Rolex verkauft und dafür mehr Kunst. Würde der Welt, glaube ich, gut tun. Denke ich auch. Okay.

[01:05:23] Letzter Punkt, Business Ideen. Wir sprechen ja gerne über Business Modelle, die wir gerne umsetzen würden. Du bist ein umtriebiger Typ als Künstler, aber auch als Unternehmer. Hast du ein paar Business Models dabei für die nächste Generation an Künstlern, Foundern, Unternehmern, Unternehmerinnen? Ja. Was würdest du, wenn du mehr Zeit hättest, was würdest du morgen gründen? Naja, also was ich gerne hätte, vielleicht gibt es es auch schon, aber ich habe es noch nicht gefunden. Wäre so eine komplette Lösung für meine Gesundheit, wenn ich so sage, okay, ich gehe jedes Vierteljahr,

[01:05:53] gehe ich irgendwo eine Blutprobe abgeben und dann schicken die mir einfach alles Supplements zu, mit einem Arzt abgesprochen, die ich brauche, mein Vitamin D, mein Eisen, mein, auch was auch immer mit Longevity, mein NAD Plus oder was auch immer ist da, da kommen wir ja gar nicht hinterher, sich da über alles einzulesen und brauche ich jetzt NMN oder NAD Plus oder also und da sollte es einfach ein Unternehmen geben, die alles in einer Hand machen, weil es gibt jetzt sowas wie Lycon zum Beispiel,

[01:06:22] die machen so Bluttests für zu Hause, aber die schicken dir dann einfach nur die Auswertung und da musst du selber gucken, musst du selber interpretieren, muss damit zu dem Arzt gehen, der muss dann sagen, was, der muss dir vielleicht noch was für schreiben sozusagen, also sehr viel ja, Gefummel, da irgendwie eine halbwegs gute Lösung für sich hinzukriegen, finde ich. Cool, finde ich gut. Ich habe auch Lycon mal gemacht an so einen Test, konnte überhaupt nichts damit anfangen. Es gibt hier in Berlin Aware, glaube ich, die machen so

[01:06:53] präventive Medizin und machen Bluttests, ich weiß nur nicht, wie das dann weitergeht, könnt ihr auch mal rausfinden, aware.app, aber ansonsten, ich glaube, alles was präventive Medizin ist, macht erstmal total viel Sinn, den Leuten zu helfen, bevor sie krank werden. Cool. Naja, oder? Und ich meine, wie viele Leute müssen wir mal gucken, wie viele Leute haben Vitamin D Mangel? Ich glaube, das sind 90 Prozent oder so. Alle, je nachdem wann im Jahr alle. Und Eisen ist ja auch total Mangelware und die Leute laufen jahrelang mit diesen Mangelzuständen rum

[01:07:24] und deswegen da ein Abo, ein Abo-Modell eigentlich. Abo ist gut, das gefällt uns als Investor noch immer. Okay, was sollten wir noch gründen? Naja, ich überlege halt dieses Thema Biodiversität, das soll ja mindestens genauso wichtig sein wie jetzt die Klimakrise an sich, wie wir die Vielzahl an Artenreichtum sozusagen schützen können. Und es gibt erstmal, es ist schwierig zu quantifizieren,

[01:07:53] was ist Biodiversität überhaupt? Man kann es jetzt nicht messen wie ein CO2-Gehalt. Da gibt es aber so Firmen wie Hula Earth zum Beispiel, die entwickeln da gerade eine Lösung, wie die so Monitoring machen in deinem Waldgebiet zum Beispiel und geben die dann so eine Art Score, wie gut, wie biodivers ist dein Wald oder dein Sumpf oder was auch immer. Aber was machst du dann mit diesem Wert? Und ich überlege mir, wie könnte man daraus ein Businessmodell machen,

[01:08:24] dass im Endeffekt, wenn ich nachher ein Stück Wald habe in Brasilien, dass ich mehr Geld daran verdiene, diese Biodiversität zu schützen, als einfach den Wald abzuholzen und dann das Holz zu verkaufen als Rohstoff. Weil im Endeffekt die meisten Leute werden einfach sich für den Weg des größeren Profits entscheiden und deswegen würde ich halt gerne eine Lösung finden, dass die richtige Lösung oder die richtige

[01:08:53] Entscheidung ist die, wo mehr Biodiversität geschützt wird. Gibt es da für einen Markt? Gibt es einen Markt für Biodiversität Zertifikate, also wie Carbon Zertifikate? Na, den müsste man halt kreieren. Stand jetzt nach meinem Verständnis noch nicht, ne? Den gibt es aber deswegen glaube ich noch nicht, weil du Biodiversität halt nicht gut messen kannst aktuell. Aber daran wird ja eben unter anderem durch Hula Earth irgendwie geforscht und wenn die halt soweit sind, dann braucht man halt eben dann doch eine Überlegung, was macht man?

[01:09:24] Wie kann man das handeln? Kann man darauf irgendwie einen Coin drauflegen? Ja. Super, ich meine Biodiversität generell glaube ich super wichtig ist und super sinnvoll ist und auch ein Stück weit gehypt das Thema glaube ich, die Anna Alex, Berliner Unternehmerin, Nala, macht eine neue Firma in dem Bereich Nala Earth, genau, ist glaube ich so eine Messungsplattform, das Unternehmen Biodiversität überhaupt mal messbar machen können. Genau dem Hintergrund,

[01:09:53] was du gesagt hast, wenn es nicht messbar ist, dann kann es auch nicht optimiert werden. einer meinte auch mal, Biodiversität ist das neue Carbon Offsetting so sinngemäß, also man sagt, es wird den Stellenwert einnehmen, den CO2 Ausstoß vielleicht schon eingenommen hat. Ja, da gibt es ja auch schon, ich glaube diese European Green Deal, der hat es auch schon vorgesehen, dass große Unternehmen, irgendwie ab 5000 Mitarbeitern, die müssen belegen anscheinend, dass sie ja Biodiversität schützen, aber es ist halt auch

[01:10:23] für die Unternehmen schwierig, das überhaupt darzulegen, wenn es gar keinen richtigen Messungsmethoden gibt. Ich glaube, das macht die Anna und ihr Team. Cool. Hast du noch einen? Das finde ich gut. Und dann, das ist vielleicht was für Felix, vielleicht gibt es auch schon was, irgendwie in der Boutique Hotel Kette, die gute Gyms haben. Oh, da haben wir auch schon drüber geredet. Habt ihr schon drüber geredet? Nee, nicht speziell über Gyms, aber erzähl mal was du. Naja, also wirklich die meisten, die meisten Hotels, die haben, verstehen unter Gym,

[01:10:53] halt so drei Laufbänder und so einen Crosstrainer und dann haben die noch so Alibi-mäßig so eine kleine Gewichtspyramide, die so von 1 bis 5 Kilo oder so geht. Aber damit kann man ja nicht, da kann man nur Kardiotraining damit machen. Und ja, da frage ich mich, warum kannst du nicht einfach deine Langhantel reinstellen, vielleicht ein paar Geräte, irgendwie eine Bank oder irgendwie eine Stange zum Klimmzüge machen und so weiter. Und ich finde das eine gute Beobachtung,

[01:11:23] weil selbst in teuren Hotels sind die Gyms einfach oft scheiße. Richtig. Kann man ein neues Hotel gründen und das gut machen? Okay. Oder man könnte vielleicht überlegen, den Inneneinrichter für Premium-Gyms in guten Hotels zu starten oder sowas. Ja, und die Art des Urlaubs machen verändert sich doch auch ein bisschen, oder? Man geht doch nicht nur noch in Urlaub zum Trinken, zum Wein trinken, sondern man will ja auch im Urlaub sich wirklich erholen und dazu gehört ja Sport schon auch mit dazu, finde ich.

[01:11:52] Und da braucht man einfach eine gute Gelegenheit, Sport zu machen. Moritz, was sagst du? Ist natürlich ein Real Estate Spiel. Ich glaube, was man leicht schaffen könnte, es gibt ja Anbieter wie ein ClassPass oder einen Urban Sports Club, die in vielen Ländern und vielen Städten verfügbar sind. Du könntest ja quasi mit deinem Einchecken im Hotel da so eine Karte haben, wo du halt bei den Sachen im 1-Kilometer-Umkreis überall da reinlaufen könntest. Das wäre so eine einfache Art, das zu lösen.

[01:12:22] So könnte man das wahrscheinlich machen. Schöner wäre es, du machst es vor Ort. Meine Beobachtung ist, alle Gyms, also alle Hotels haben Gyms, die so klassische Beraterhotels sind, so Sheraton oder irgendwie so was, wo die halt so Business Hotels sind, wo unser 1 halt nicht so gern hingeht, weil es halt voll lame da. Und alles, was ein bisschen netter ist, also Boutique Hotels haben eigentlich nie Gyms. Ja, das ist die Marktlücke. Weil ich will es halt schön haben, aber trotzdem Sport machen.

[01:12:52] Ja. Also, falls dir mal zuhört und uns erklären kann, warum das so ist, wir freuen uns auf Nachrichten dazu. Uns ist es nicht bewusst. Und das Ding ist ja nicht ein Platzproblem, weil oft haben die ja Fitnessräume, wo halt einfach voll getackert sind mit Laufbändern, die keiner benutzt. Vielleicht können wir auch ein anderes Modell machen und sagen, hey, liebes Hotel, wir mieten das Gym von dir und machen da unser eigenes Gym und die Leute müssen bezahlen und es gibt vielleicht ein Membership, aber also wärst du bereit, 15 Euro zu zahlen, dafür, dass da alles

[01:13:22] richtig geil ist am Top zu deinem Hotel? Vielleicht könnte man das Business umdrehen und den Hotels das Problem abnehmen, weil die scheinen ja irgendwie das nicht so super hoch zu priorisieren, weil es wahrscheinlich auch nicht so ein mega Settingpoint ist und auf der anderen Seite könnte man es vielleicht monetarisieren und dann halt auch richtig gut machen mit Palattenbikes, mit E-Gym-Equipment, mit was auch immer. Soll mal jemand machen? Ja, soll jemand machen. Ich mache es nicht, aber ich nutze es dann. Wir freuen uns. Gut. Tim, was schön, dass du da warst. Vielen Dank auch von mir.

[01:13:52] Viel gelernt von der Kunstwelt, dem Kunstmarkt, dem Filterkraut. Über deine Sneakermarke haben wir nicht gesprochen, das müssen wir für das nächste Mal aufheben. Wo findet man dich und wie kann man up to date bleiben, was Ausstellungen und Public Events und so weiter angeht? Also am besten über Instagram. Perfekt. Verlinken wir. Hat's was gemacht. Bis dann. Super.